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Führerschein in Rio de Janeiro

Datum: 21. Januar 2007
Uhrzeit: 17:08 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Den Auswanderer erwarten hier in Brasilien manchmal recht komische bürokratische Hürden. Da müssen erst einmal alle Informationen sortiert und geordnet werden. Oftmals muss man auch erst eine Sache erledigen, um die Nächste in Angriff nehmen zu können. Da ist Organisation und Koordination angesagt, ansonsten verliert man oft kostbare Zeit.

In diesem Beitrag erzählt einmal ein Auswanderer, wie er seinen Führerschein im Bundesstaat Rio de Janeiro gemacht hat. Der Verfasser lebt im Grossraum Rio de Janeiro und hat alle erforderlichen Papiere bzgl. Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis.

1. Phase: Nachdem ich meinen Deutschen Europa-Kartenführerschein bei Quick Translation in São Paulo hab übersetzen lassen (via Sedex hin und her geschickt, war günstig und schnell) fuhr ich lange, lange Zeit legal mit dem Stempel der DETRAN durch Rios Strassen. Ich wollte den Lappen schon viel früher haben, doch die DETRAN hatte mir meine Übersetzung immer wieder um 6 Monate verlängert. War a bisserl nervig, dafür kostet der Spass nichts. Doch nun wurde es ernst: es gab keine Verlängerung mehr und ich hatte nun Zeit bis zu 6.01.07 meinen Lappen zu machen.

2. Phase (die Lernphase):
Da ich nun wusste, dass ich um den Theorietest nicht herum kommen würde, machte ich mich auf und machte unzählige Testsimulationen, die auf der DETRAN angeboten werden. Es waren weit über 100 Tests die ich machte. Ich kopierte mir die Fragen raus, die mir Schwierigkeiten bereiteten und wiederholte die Tests bis ich die Fragen im Schlaf beantworten konnte. Mein Rekord später lag bei 3:30 Minuten für die 30 Fragen!!! Die DETRAN gibt zwar auch ein kostenloses Büchlein heraus mit viel BlaBlaBla zum defensiven Fahren, erste Hilfe und Umwelt inkl. 110 Beispielfragen. Aber meiner Meinung nach kann man dieses Buch in die Tonne drücken, denn dort werden bei weitem nicht alle Fragen des Tests behandelt. Also: Buch ab in die Tonne und im Internet die Fragen büffeln!

3. Phase (nun wird es ernst): Mit allen Papieren zur DETRAN. Alle Papiere bedeutet: mal wieder vorher zur PF und ein Certidão besorgen (5 Tage Bearbeitungszeit). Ich fasse mal zusammen welche Papiere ich brauchte:

– Reisepass mit Protocolo
– Deutscher Führerschein
– Übersezung des Führerscheins
– Certidão der Policia Federal
– Wohnsitznachweis (Gasrechnung)
– CPF

Alle Papiere zusammen, ab zur DETRAN im Centro von Rio. Dort wurden mir mal wieder Fingerabdrücke abgenommen (die Datenschützer in Deutschland schreien schon wieder auf) und Fotos wurden auch gemacht. Dann bekam ich einen Laufzettel und Befehle, was zu machen ist: Psychotest, medizinischer Test und die Theoretische Prüfung.

Der Psychotest war dann echt die Härte. Alles auf Portugiesisch natürlich, wurden diverse Übungen gemacht, um zu sehen ob man auf den Strassenverkehr losgelassen werden kann. Als erstes musste ein Fragebogen ausgefüllt werden: wie man sich fühle in Familie, Beruf, Ehe, wo man seine Stärken und Schwächen sehe. Der Fragebogen war später noch wichtig.

Test 1: suche die Zahlen von 1 bis 50 in einem Wirrwar von Zahlen aber in der Reihenfolge (1,2,3…) und nicht schummeln! Das alles unter Zeitdruck.

Test 2: suche wiederholt 4 vorgegebene Symbole in einem Wust von ähnlich aussehenden Symbolen. Wieder mit Zeitvorgabe.

Test 3: Zeichne äquidistante, gleichlange, senkrechte kurze Striche auf einem leeren Blatt Papier. Auf Zuruf einen waagerechten Strich. Dann weiter die senkrechten Striche…. ging bestimmt 10 Minuten so und mein Arm wurde langsam lahm…

Test 4: in einem Büchlein waren 40 „Logik-Puzzles“ die in 30 Minuten gelöst werden mussten. War teilweise nicht einfach.

Nach den ganzen Tests und deren Auswertung wurden wir dann einzeln zur Psyschologin hereingerufen und nach dem Inhalt des Fragebogens ausgefragt („Warum haben Sie keine Kinder? Wieso sehen sie die genannte Schwäche als negativ?“). BlaBlaBla, alles auf Portugiesisch. Mein Vorteil war: ich konnte mich ja immer dummstellen und so tun als hätte ich nichts verstanden. Das gab Zeit zum Nachdenken.

Der medizinische Test dagegen war ein Witz. Keine 5 Minuten: a bisserl Augentest (Buchstabenraten), a bisserl Stimmgabel hören und gucken, ob man mit geschlossenen Augen stehend nicht auf die Fresse fällt. Um 8:30 war ich da, um 12:30 durch mit dem merkwürdigen Test.

Eine Woche später dann ging es zum Theorietest. Der war haargenau aufgebaut wie der Test im Internet. Von den 30 Fragen waren mir nur 2 unbekannt d.h. hatte ich in meinen unzähligen Simulationen noch nicht gesehen. Ich wurde als letzter zu meinem Testcomputer gerufen, kam aber als erster nach 9 Minuten und Null Fehlern wieder raus – Übung macht halt doch den Meister !!!

Der Führerschein hat inkl. Gebühren und Beglaubigungen rund 240 R$ (etwa 86 Euro) gekostet und besitzt 5 Jahre Gültigkeit. Danach muss man den theoretischen Teil und den Medizintest wiederholen.

Dieser Erfahrungsbericht ist nicht repräsentativ für ganz Brasilien sondern von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    ursinho

    Oi!

    Danke für den Beitrag. Haargenau so ist es mir bei meinem Führerschein auch ergangen 😉

  2. 2
    rallep

    also ich fahre immer noch mit meinem alemannenschein durch die gegend..seit 4 jahren nun schon und war schon zweimal in sao paulo kontrolliert. ohne probs..also ich mache den hier bestimmt nicht..das ist mir zudoof..