Regenwaldschutz: Europäische Supermarktketten boykottieren Fleisch aus Brasilien

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Mehrere europäische Supermarktketten wollen künftig auf Fleischprodukte aus Brasilien verzichten (Foto: Dietmar Lang / IAP Photo)
Datum: 17. Dezember 2021
Uhrzeit: 19:49 Uhr
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Mehrere europäische Supermarktketten wollen künftig auf Fleischprodukte aus Brasilien verzichten. Sechs holländische, belgische und französische Supermarktgruppen sowie ein Lebensmittelhersteller haben angekündigt, kein Rinderfleisch mehr aus Brasilien oder vom Fleischgiganten JBS zu kaufen. Als Grund wird die gestiegene Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes angeführt.

Angekündigt wurde der Fleischboykott nach Berichten verschiedener Organisationen wie Repórter Brasil, Global Witness und Mighty Earth, dass es den großen Fleischkonzernen Brasiliens trotz Monitoring-Verfahren nicht gelinge, Verstrickungen mit entwaldeten Flächen zu vermeiden.

Mighty Earth bringt große Soja- und Fleischhändler mit Kahlschlagsflächen im Amazonas-Regenwald und dem Cerrado Brasiliens in Verbindung. Laut der Organisation sollen in den vergangenen zwei Jahren Produkte von mehr als 314.000 Hektar Kahlschlagsflächen stammen. Allein der Fleischgigant JBS wird mit 100.000 Hektar Rodungsfläche in Verbindung gebracht. 75 Prozent der abgeholzten Flächen sollen zudem in Schutzgebieten liegen.

Die Daten beruhen auf einem vom Staatsministerium Parás im Oktober veröffentlichten Bericht. Dieser bescheinigt über 300.000 von JBS zwischen 2018 und 2019 erworbenen Rindern eine „zweifelhafte Herkunft“. Zu den aufgeführten Problemen zählen Beweidung von Rodungsflächen, fehlende Umweltlizenzen, vor allem von Großgrundbesitzern mit mehr als 3.000 Hektar, und die Bewirtschaftung von Flächen, die von den Umweltbehörden mit einem Embargo versehen sind.

Eigentlich haben sich die großen Fleischproduzenten und Sojahändler Brasiliens dazu verpflichtet, keine Produkte von Flächen zu kaufen, die kahlgeschlagen wurden. Die Regeln, um dies einzuhalten, scheinen aber nicht auszureichen. Nach dem Bericht des Staatsministeriums sind 5,8 Millionen Tiere für den Export geschlachtet worden. Nur 69 Prozent davon wurden auditiert.

Ein Problem ist ebenso die „Rinderwäsche“. Die Unternehmen monitorieren lediglich Produzenten, von denen sie direkt kaufen. Um Sanktionen zu vermeiden, scheinen einige Rinderhalter aber ihre auf Kahlschlagsflächen gehaltene Tiere an „saubere“ Fazendas weiterzuleiten und so „reinzuwaschen“.

Unter Verdacht, Rinder von irregulären Flächen zu erwerben stehen neben JBS auch Marfrig und Minerva. Alle drei weisen die Vorwürfe zurück. JBS verspricht zudem Investitionen für ein besseres Monitoriung sowie bis 2025 auch indirekte Zulieferer zu kontrollieren.

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