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CPF – Beantragung der Steuerkarte

Datum: 22. Juli 2006
Uhrzeit: 20:12 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Die CPF, die berühmte brasilianische Steuerkarte, ausgeschrieben „Cadastro de Pessoas Físicas“. Wenn man etwas grösseres wie ein Auto oder eine Immobilie in Brasilien erwerben will, benötigt man sie. Doch selbst beim Bügeleisenkauf wird sie manchmal verlangt. Sie kostet fast nichts und ist ziemlich leicht – auch für ausländische Touristen – zu beantragen. Im November 2005 habe ich nachfolgenden Erlebnisbericht in einem Forum veröffentlicht. Nun ist es höchste Zeit, ihn auch meinen Bloglesern zugänglich zu machen.

CPF in 24 Stunden!

Endlich habe ich mich aufgerafft, mal wieder den Warteschlangenblues zu hören. Hinein ins Gewühl der Behörden, der Ämter, der missmutigen Cafezinho-Schlürfer und der „Nicht-Zuständig“-Angestellten.

Für mich bedeutet das, mich mit den Schuhkarton mit allen meinen Dokumenten (vom Taufschein über den Seepferdchenschein, über die Bundesjugendspiel-Urkunden bis zur letzten deutschen Steuererklärung) auf den Weg zu machen und erwartungsvoll die klimatisierten Heiligkeiten zu betreten, voller Ehrfurcht ein Nümmerchen zu ziehen (nein, nicht zu schieben) und mich devot wie damals in den dunkeltsten Zeiten Deutschland im grellen Neonlicht irgendwo anzustellen.

Diesmal war es als erste Station die „Banco do Brasil“, da ich dort noch wegen einer anderen Sache hinmusste. Nach dem besagten Nümmerchen hiess es 1 Stunde warten. Dann, während mein degenerierender Körper (ich weiss, ich wiederhole mich, aber der Begriff gefällt mir so gut) schon drohte, ins Wachkoma zu fallen, wurde meine Nummer aufgerufen. Mein Nummernausdruck war inzwischen x-mal gefaltet, mehrfach auf dem Boden mit meinen Schuhen wieder eingefangen worden und somit in einem mittelmässigen Zustand. Dass man die Nummer an einer Knickstelle schon gar nicht mehr lesen konnte, störte mich nicht, ich hatte sie mir eingeprägt doch fast schon wieder vergessen. Ausserdem sehen die eh nie drauf!

Nachdem ich also den Sachbearbeiter des besagten Kreditinstitutes schon über eine halbe Stunde aufgehalten hatte, er mit den Nerven völlig runter war, hächstwahrscheinlich Blasen an den Füssen hatte und er sich gerade von mir mit letzter Kraft verabschieden wollte, trumpfte ich auf! Sein Unterkiefer verschob sich ungefähr 5 cm in Richtung Erdmittelpunkt, als ich ihm freundlich lächelnd eröffnete: „Und jetzt machen wir noch schnell die CPF“.

Nun, ich bin Ausländer, und die Computer der BdB wollen irgendwie immer die CPF-Nummer haben. Das hatte in der vorherigen halben Stunde schon für Unruhe in den Reihen der sonst so abgeklärten Bankangestellten gesorgt. Nun, die Daten wären ja schnell eingegeben gewesen, die Namen meiner Eltern waren auf der brasilianischen Geburtsurkunde vermerkt, bis mein genervter Sachbearbeiter von einem Kollegen „aufgeklärt“ wurde, dass man die CPF nur mit RG oder CIE beantragen könne. Völliger Schwachsinn, aber mein Sachbearbeiter teilte sofort die Auffassung des Kollegen, höchstwahrscheinlich um mich schnellstens loszuwerden, damit er wieder im Backoffice verschwinden und ein Pläuschen mit dem Kopiemädel halten kann. Da konnte ich wirklich nicht anders, als die beiden Herren mal darüber aufzuklären, was ich bereits gelernt habe. Dabei erhob ich wirklich nur leicht die Stimme, doch im Augenwinkel sah ich den Sicherheitsbeamten, der an der Wand neben den Kassenschaltern anscheinend seit meiner Ankunft regungslos vor sich hindöste, erstmalig sich bewegen. Aber eigentlich war es mehr ein erschrecktes Zucken. Er tat mir Leid, aber ich konnte nicht anders.

Nachdem ich also die Herren Bänker aufgeklärt hatte, lies ich meinen SF (Sachfuzzi, Anmerk. d. Red.) alles eintippen. Doch dann kam das Unausweichliche. Ein Fenster auf seinem Bildschirm erschien und sagte, ich müsse mich bei der Receita Federal melden, da ich keinen Titel Eleitor hätte. Ich sagte zwar, dass ich als Ausländer nicht wählen dürfe, aber er bezog sich nur auf seinen Monitor. Er druckte mir ein Protocolo aus, auf dem dies auch nochmal verzeichnet war. Meine Proteste halfen nichts, Kollegen kamen ihm zu Hilfe und ich musste mich, als Ausländer ohne Wahlrecht vor der gesamten Bankkundschaft geschlagen geben. Also erhob ich mich würdevoll und lief erhobenen Hauptes zur nächsten Schlange vor den Kassenschaltern.

Nun bezahlte ich nach nochmaligen 20 Minütigem Warteschlangentango meine 4.50 R$ an der hauseigenen Kasse der Bank und verschwand aus dem Klimaschrank an die frische Luft. Was sollte ich denn auch anderes tun. Eine Waffe hatte ich nicht zur Hand und der Wachdienst hätte sie mir bestimmt nicht geliehen. Ich verzichtete, ihn zu fragen. Was blieb, war eine Zigarette.

Auf dem Protocolo stand für den „Besuch“ bei der Receita Federal ein Zeitraum von ca. 3 Monaten, beginnend mit dem darauffolgenden Tag. So bin ich am nächsten Tag am Nachmittag direkt dorthin. Als ich eintrat hallten in dem kleinen Raum mit 5 Schreibtischen meine Schritte wider, alle Augen waren auf mich gerichtet. Also insgesamt 6 Stück. Kein Kunde, 2 Schreibtische unbesetzt. Ein Mädel fragte mich gelangweilt, was ich wollen würde und verwies mich danach an eine der zwei SF im Hintergrund. Diese sah sich den Beleg der BdB an, wollte nochmal den Pass und „ein Dokument, dass die Namen der Eltern enthält“ sehen. Dann überprüfte sie die Daten in ihrem Computer und knallte einen Eingangsstempel auf den Bdb-Beleg. Ich war erstaunt und guten Mutes. Dann griff sie zum Drucker und legte ein Din A4 Blatt vor mich hin. Ich dachte schon, ich müsse etwas unterschreiben, doch das einzige was sie nach der Aufforderung von Pass und dem o.g. Eltern-Namen-Dokument (END) sagte, war: „Das ist ihre CPF-Nummer und die Karte bekommen sie in ca. 3 Wochen zugeschickt!“ Und damit entliess sich mich und widmete sich wieder, ohne nochmals aufzublicken, ihrem geheiligten Cafezinho.

Seitdem waren übrigens keine 24h seit meiner lautstärketechnisch nach oben korrigierten „Belehrung“ der SFs vergangen. Zuhause angekommen, überprüfte ich dies natürlich direkt online und siehe da: NAME: OK! NUMMER: OK! STATUS: REGULAR!

Ich war nun als „natürliche Person“ im brasilianischen Steuerregister eingetragen.

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