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Keyboards statt Waffen

Datum: 10. Mai 2006
Uhrzeit: 21:36 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Interessant war mal wieder zu beobachten, wie in Europa über ein brasilianisches Sozial-Kultur-Projekt diskutiert wurde. Claudio Prado, Vertreter des brasilianischen Kulturministers Gilberto Gil stellte in Wien nun die „Telecentros“ vor und schon entbrannte eine Diskussion um Raubkopien und Urheberrechte. Das eigentliche Ziel des Projektes, nämlich junge Menschen von der Strasse zu holen und ihnen eine bessere Perspektive anstelle einer Karriere in Drogenbanden zu bieten, geriet leider in den Hintergrund.

Die „Telecentros“ sind inmitten der Favelas errichtete Multimediazentren, die mit gebrauchten Computern auf freier Softwarebasis GNU/LINUX und einer Satelliten-Internetverbindung ausgestattet sind. Zur Zeit exestieren schon 120 dieser für den Nutzer vollkommen kostenfreien „Telecentros“, ein paar tausend sollen es einmal werden. In Phase 2 sollen diese Zentren dann auf digitale Musik- und Videoproduktionsstudios ausgeweitet werden, ebenfalls mit lizenzfreier Software. Sozial Benachteiligte und Arme sollen so laut Prado eben auch mitkommunizieren können und ihnen soll eine reelle Zukunftschance geboten werden. Denn diese neuen Einrichtungen stehen somit klar in Konkurrenz zur Karriere im Drogen- und Waffengeschäft oder zum sozialen Aufstieg in den protestantischen Missionarssekten.

Doch viel mehr durfte Prado nicht mehr dazu sagen, denn dann drehte sich alles um die Musikpiraterie. Denn Brasilien liegt ja mit Russland und China auf den ersten Plätzen wenn es um illegal vertriebene Musik geht. Die Jugend würde ja direkt damit aufgefordert, Musik illegal herunterzuladen und zu tauschen lautete der Vorwurf der Medienvertreter bei diesem Interview. Prado tat das einzig Richtige und stellte kurzerhand die Verhältnisse wieder richtig. Aufklärung bezüglich brasilianischer Sozialstrukturen für Europäer:

Natürlich seien „Telecentros“ und „Pontos de Cultura“ nicht die Antwort auf alle Fragen der brasilianischen Gesellschaft, schränkt Prado abschließend ein und stellt plötzlich die Frage: „Wie viele Morde gibt es eigentlich hier in Wien?

So um die 20 jedes Jahr„, antwortet die Wiener Landtagsabgeordnete Marie Ringler, die zusammen mit der EU-Parlamentarierin Eva Lichtenberger [beide Grüne] Prado nach Wien eingeladen hat.

20 Morde pro Jahr? An einem schlechten Tag sind es allein in São Paulo genauso viele Tote. Wenn man dort auf einem Armenfriedhof entlang der frisch angelegten Gräber geht und die Geburtsdaten ansieht, dann sind die Toten im Schnitt gerade 17 oder 18 Jahre alt geworden. Das – und nicht Musik-Downloads – ist unser großes Problem mit Brasiliens Jugendkriminalität.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    provinzler

    Amen.
    Manchmal ist es einfach nur albern, was manch „gebildeter“ Europäer so für Vorstellungen von der Welt hat.

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