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Korruption in Paraguay

Datum: 19. Mai 2006
Uhrzeit: 15:45 Uhr
Ressorts: Südamerika
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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In Südamerika ist die Korruption bekanntermassen weit verbreitet. Und auch in vielen Foren wird über Brasilien von einem sehr korrupten Land gesprochen. Allerdings bin ich dabei der Auffassung, dass sich dort die Korruption mehr in den oberen Etagen von Wirtschaft und Politik abspielt als bei dem kleinen Mann auf der untersten Ebene. Und dort ist dann noch einmal zwischen dem reichen Süden und dem armen Norden zu unterscheiden.

Die Formel ist schlicht. Je weniger jemand in einer öffentlichen Position verdient, so anfälliger ist er für solche Zugaben. Und in einem viel ärmeren Land wie Paraguay sind dadurch logischerweise die Korruption auch weiter verbreitet als in Brasilien. Ein wunderschönes Beispiel konnte ich heute erst wieder in den paraguayischen Nachrichten sehen.

Dort wurden – nachdem ein Fernsehsender mit versteckter Kamera dies gefilmt hatte – fünf Mitarbeiter des Einwohneramtes verhaftet. Diese hatte für entsprechende Zahlungen die Ausstellung von Reisepässen beschleunigt. Für 150 Dollar musste man statt bis zu 3 Monaten nur noch eine Woche auf seinen Pass warten. Und da es nach oben keine Grenzen gibt, lag eine Ausstellung innerhalb von 48 Stunden durchaus im Bereich des möglichen.

Obwohl diese Pässe zwar verschiedene Stationen durchlaufen, waschen dort alle ihre Hände in Unschuld. Selbst der Amtsleiter, der diese Pässe noch unterschreiben muss, kann sich an keine Unregelmässigkeiten erinnern. Die Dokumente kämen nach Aktenlage auf seinen Schreibtisch und eine Kontrolle über die Laufzeit würde von ihm nicht mehr vorgenommen werden. Allerdings bestünde auch die Möglichkeit, den Antrageingang zurück zu datieren um Auffälligkeiten zu vermeiden.

Somit ist eigentlich jetzt schon klar, dass die Handgeldbanditen, die jetzt verhaftet worden sind, nur die kleinsten Fische sind. Denn sie müssen ja dann in den entsprechenden Abteilungen wieder das Geld verteilen. „Die ganze Behörde bis ganz nach oben stinkt nach Korruption“ so ein Bürger, der in den teilweise endlosen Schlangen in der Behörde befragt wurde. „Ich habe mir gestern morgen eine Nummer holen müssen, um heute meinen Antrag stellen zu können. Wenn ich Geld hätte, hätte ich jetzt schon meinen Ausweis in den Händen. Aber so muss ich wohl drei Monate warten.“ Denn genau dasselbe Prozedere existiert bei der Ausstellung des paraguayischen Personalausweises, der Cedula.

Und für Einwanderer ist dies ohne fremde Hilfe gar nicht zu bewältigen. Für 1000 Dollar an einen „Einwanderungsberater“ kann man die Dokumente schon nach 2 Wochen in den Händen halten. Quält man sich selbst durch die Bürokratie und weigert sich Extrazahlungen zu leisten, darf man auch schon einmal bis zu 2 Jahren warten. Und immer wieder läuft dann z.B. die Gültigkeit von Dokumenten wie dem polizeilichem Führungszeugnis ab. Dann darf man dieses in Deutschland neu beantragen. Wird geschmiert, dann werden solche „Kleinigkeiten“ vernachlässigt oder es kommt erst gar nicht soweit, dass eine Akte über Monate nicht bearbeitet wird, weil zwischen den Seiten keine Motivationszulage lag. Und den Rechtsweg zu beschreiten hat noch weniger Zweck. Bestochene Staatsanwälte und Richter schmettern jegliche Beschwerde ab. Da muss erst solch offensichtliches im Fernsehen gezeigt werden, dass wenigsten ein bisschen gehandelt wird. Die grossen Fische werden nun für kurze Zeit die Füsse stillhalten. Irgendwann, wenn sich die Aufregung gelegt hat, geht es dann wieder vor vorne los.

Und es zieht sich durch die ganze paraguayische Bürokratie. Ohne Coima, dem Handgeld, steht alles still. Ohne Kontakte wartet man ewig. Und nur wenn dabei kräftig verdient wird, kann etwas bewegt werden. Das nenne ich wahre Korruption. Dagegen ist Brasilien wirklich harmlos.

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