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12-jährige Ausreisserin verbrachte sechs Tage in Einzelhaft

Datum: 17. März 2008
Uhrzeit: 16:32 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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In Brasilien wurde ein zwölfjähriges Mädchen fast eine Woche in eine Zelle gesperrt, nachdem sie einen Polizeibeamten mit einem Hieb am Auge verletzt hatte. Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Dienstag in der Kleinstadt Sidrolândia im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Das Mädchen war zuerst von zu Hause weggelaufen, um mit ihren 18-jährigen Freund durchzubrennen und ihn zu heiraten. Dies stiess jedoch auf grossen Widerstand der Eltern, welche umgehend das Verschwinden der Polizei meldeten. Wenig später nahm dann die örtliche Zivilpolizei das junge Paar im Haus des Freundes im selben Ort, welcher rund 75 Kilometer von der Hauptstadt Compo Grande entfernt liegt, in Gewahrsam.

In Sidrolândia im Mato Grosso do Sul wurde ein 12-jähriges Mädchen knapp eine Woche in eine Einzelzelle gesperrt (Grafik: Wikipedia)Auf dem Polizeirevier kam es im Verlauf der Befragungen zu einer Auseinandersetzung mit den Beamten, bei der beide verhaftet wurden. Ob dem erwachsenen Freund des Mädchens nun neben „Widerstand gegen die Staatsgewalt“ auch ein Verfahren wegen sexuellem Missbrauch von Kindern droht, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Das Schutzalter für sexuelle Kontakte liegt in Brasilien bei 14 Jahren.

Allerdings ist die lange Inhaftierungszeit des Mädchens höchst umstritten. Obwohl es in einer Einzelzelle mit eigenen sanitären Einrichtung untergebracht war, hätte die Körperhygiene unter den Blicken von 24 anderen Häftlingen stattfinden müssen. Das in der Zelle eingebaute Badezimmer verfügt über keine Tür, zudem musste das Mädchen auf dem Betonboden schlafen.

Zudem wurde Kritik an den Ermittlungsbeamten laut, welche den zuständigen Richter erst nach zwei Tagen und nicht wie vom Gesetz gefordert innerhalb von 24 Stunden informiert hätten. Der Richter hat dann jedoch die weitere Inhaftierung als rechtmässig erklärt.

Die brasilianische Anwaltskammer sowie verschiedenen Menschenrechtsorganisationen erklärten dies jedoch als ungesetzlich. Das Kind hätte nach Haus gebracht werden oder über das Jugendamt in einen Heim untergebracht werden müssen, jedoch niemals länger als 24 Stunden in eine Zelle gesperrt werden dürfen.

Erst nachdem am Sonntagabend erste Medien darüber berichteten und der Fall sich zu einem nationalen Skandal ausweitete, kam erneut Bewegung in die Sache. Letzmalig hatte die Mutter am Sonntag das Mädchen besucht und erklärt, ihr Tochter sei eigentlich eine gute Schülerin und wolle derzeit einfach nur nach Hause. Am heutigen Montag wurde das Kind – vermutlich durch den enormen Druck der Öffentlichkeit – überraschend freigelassen. Der Fall wird nun durch die Justizbehörden genauer untersucht.

Erst im November erregte der Fall eines 15-jährigen Mädchens aus dem brasilianischen Bundesstaat Pará weltweit für Aufsehen. Die Jugendliche wurde rechtswidrig festgehalten und in einer Gemeinschaftszelle von über 20 Mithäftlingen knapp einen Monat lang unzählige Male vergewaltigt. Erst in den letzten Tagen wurden 12 Ermittlungsverfahren (mehr …) gegen Verantwortliche und Täter eingeleitet.

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