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Polizei und Mafia: Ein und derselbe Haufen?

Datum: 08. März 2006
Uhrzeit: 11:53 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Bei der Recherche zu den jüngsten Ereignissen in Rio de Janeiro fiel mir folgender Artikel vom 03. März 2006 in die Hände. Gefunden bei [journalismus – nachrichten von heute]

Polizei und Mafia: Ein und derselbe Haufen

Karl Weiss, Rio de Janeiro – Am vergangenen Dienstagabend wurden plötzlich alle Polizisten von den verschiedenen Eingängen der Favela Roçinha in Rio de Janeiro abgezogen. Eine halbe Stunde später tauchte eine Bande von etwa 40 schwerst bewaffneten und vermummten Kriminellen auf und schoss sich ihren Weg den Favela-Hügel hinauf. Von oben wurde sie von der dort heimischen Verbrecherbande mit Gegenfeuer empfangen. Fünf Favela-Bewohner, darunter ein Jugendlicher und ein Kind, wurden im Kreuzfeuer erschossen, viele andere verletzt.

Die bewaffneten Auseinandersetzungen in der so genannten größten Favela der Welt zogen sich über Stunden hin. Die verängstigten Favelabewohner verbarrikadierten sich in ihren Häusern und legten sich auf den Boden. Es wurden im Wesentlichen automatische Kriegswaffen und Maschinenwaffen verwendet, so dass der Begriff Kugelhagel wörtlich genommen werden kann. Anscheinend konnte die heimische Mafia diesmal den Angriff einer konkurrierenden Bande von Kriminellen zum Erlangen der Vorherrschaft in der Favela abwehren.

Bewohner und Medien fragten vor allem, wieso die Polizisten abgezogen wurden und auch während der stundenlangen Kämpfe keine Polizei auftauchte. Bei den Erklärungsversuchen gegenüber dem Fernsehen und Zeitungen verhedderten sich mehrere Polizeiobere und der Staatsminister für Sicherheit von Rio de Janeiro in Widersprüche.

Die einen leugneten, dass die Polizei nicht präsent gewesen wäre, wiesen auf die hoffnungslose Unterlegenheit hin. Sie konnten aber auch nicht erklären, wieso die Polizei denn nicht massive Reserven zur Favela gebracht hatte. Außerdem waren die Aussagen von Hunderte von Zeugen aus der Favela eindeutig: Alle Polizisten verschwanden kurz vorher. Die anderen behaupteten, es habe ein polizei-internes Fest gegeben, zu dem die meisten Polizisten hingegangen wären. Später stellte sich aber heraus, dass jenes Fest bereits in der Woche davor gewesen war.

Selbst das stockkonservative Rio-Blatt ‚O Globo’ schreibt in seiner Hauptüberschrift am 18.2.06: „Polizei widerspricht sich und kann die Abwesenheit in der Roçinha nicht erklären.“

Bleibt nur noch zu klären, welcher Polizei-Obere wie viel Geld bekommen hat, um seine Leute zurückzuziehen. Dies wird aber wohl nie geklärt werden, denn die Medien bestehen nie darauf, dass Skandale aufgeklärt werden. Nächste Woche wird über den nächsten Skandal berichtet usw. usw.

Wer glaubt, dass diese Art von Mafia-Geschichten mit dem engen Polizeiverbund von Deutschland weit entfernt ist, mag sich vielleicht bald wundern. Der bekannte Polizei-Reporter Jürgen Roth hat bereits in seinem letzten Buch im Jahr 2005 berichtet, dass in Deutschland die Polizeiarbeit gegen die organisierte Kriminalität fast vollkommen eingestellt wurde. So hat es in Brasilien auch angefangen.

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