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Papst Franziskus in Brasilien: „Vergesst die Armen nicht!“

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Datum: 29. Juli 2013
Uhrzeit: 12:38 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Bei seiner ersten Auslandsreise zum Weltjugendtag 2013 in Brasilien hat Papst Franziskus im Sturm die Herzen der Gläubigen erobert. Über zwei Millionen Menschen beteten mit dem Pontifex gemeinsam am weltberühmten Strand der Copacabana in Rio de Janeiro. Franziskus fand mehr als einmal deutliche Worte, was er von den Katholiken wirklich erwartet. Man müsse Jesus in das Herz lassen und im „Team Gottes“ spielen. Er wünsche sich eine Erneuerung der Kirche durch die Jugend der Welt, die auch weiterhin für ein besseres Leben aller Menschen kämpfen soll. Die Randgruppen der Gesellschaft dürften dabei aber nicht übersehen werden. „Vergesst die Armen nicht!“ und „Mischt euch ein!“ – kurz und prägnant waren die Botschaften an die Jugend der Welt.

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Der neue Papst übt sich nicht nur in Predigten und Ansprachen in Demut und Bescheidenheit, er lebt sie den Gläubigen auch bei allen offiziellen Anlässen vor. Es sind die kleinen Details, mit denen er sich letztendlich von seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. abgrenzt. Einmal ist es die selbst getragene Aktentasche, ein anderes Mal der schlichte Kleinwagen, mit dem er vorfährt. Das Protokoll darf man als Nachfolger Petris ebenfalls gerne einmal vernachlässigen und damit die Sicherheitsbeamten in helle Aufregung versetzen. Und so mancher Erzbischof oder Kardinal dürfte sich gerade im Rahmen des Weltjugendtages overdressed vorgekommen sein, denn ein einfaches weisses Gewand und ein schlichtes Kreuz reichen dem Oberhaupt der katholischen Kirche völlig aus.

Doch auch wenn Franziskus durch seine Herzlichkeit, seine Nähe zu den Gläubigen, seine Scherze vielleicht das Bild vom pompösen Kirchenfürsten verschieben mag, der Katechismus bleibt auch unter dem neuen Pontifex genau dort, wo er nach Meinung vieler Katholiken nicht mehr hingehört – im tiefsten Mittelalter. Franziskus vermittelt ihn jedoch geschickt auf eine viel verständlichere Weise als beispielsweise sein Vorgänger Benedikt XVI. Die Menschen spüren die Emotionen des ersten Lateinamerikaners auf dem Papstthron, hören und glauben dessen einfache Worte über Gott, Liebe und Gerechtigkeit zu verstehen. Seine Predigten sind keine theologischen Aufsätze für Gelehrte sondern Geschichten für die Menschen. Das spürte man auch sehr deutlich an der „Papacabana“, wie der Strandabschnitt in Rio in den vergangenen Tagen aufgrund der aus aller Welt herbeigeströmten Gläubigen scherzhaft genannt wurde.

Der 76-jährige Franziskus ist sich neben seinen Äusserungen auch der Symbolik seiner Taten genau bewusst. Die Begehung einer Favela, der Kontakt mit Drogensüchtigen und Strafgefangenen. Das Mittagessen mit Jugendlichen aller Kontinente. Das Beten in einer protestantischen Kirche oder die häufig unterbrochene Fahrt im Papamobil, um Kinder zu segnen und direkten Kontakt zu den Gläubigen zu erhalten. Es macht den Papst so menschlich, so volksnah. Als sei Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires noch immer einer von ihnen. Und als Papst Franziskus nutzt er dies, um die Menschen noch gezielter anzusprechen, mit ihnen selbst vom Altar herab den Dialog zu suchen und für die eigenen Aussagen sofort Zustimmung einzufordern.

All dies sieht erst einmal nach einer katholischen Kirche aus, die sich in einem rasanten Wandel befindet. Doch die von ihm geforderte Erneuerung soll in Wahrheit nur auf das vorhandene traditionelle Fundament der Weltkirche aufgebaut werden. Veränderungen dürfte es daher nur in der Ausgestaltung geben. Ein bisschen weniger Pomp, ein bisschen mehr Pop, das Fegefeuer aber bleibt. „Für Frauen sind die Türen zu Priesterämtern verschlossen“ so der Pontifex auch unmissverständlich auf seinem Rückflug von Rio de Janeiro in den Vatikan. Schliesslich habe Jesus nur Männer als Apostel bestimmt, so die Begründung. In sexuellen Belangen gibt er sich zwar ein wenig versöhnlicher als sein Vorgänger, die Grundtendez bleibt jedoch auch hier bestehen. Auch wenn eine homosexuelle Orientierung laut dem Katechismus keine Sünde sei, der Akt selbst jedoch schon, so Franziskus auf seiner fliegenden Pressekonferenz. Unnötig zu Fragen, ob die Kirche ihre Haltung zu Kondom oder Abtreibung in den kommenden Jahren überarbeiten wird.

Mit Gott und seiner Liebe im Herzen engagierter und mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen und dabei bescheiden zu bleiben – darauf lässt sich die Botschaft von Papst Franziskus auf dem Weltjugendtag reduzieren. Es ist keinesfalls ein verkehrter Weg. Aber es ist auch nicht der Weg, den sich viele Kritiker innerhalb der größten Religionsgemeinschaft der Welt vom neuen Pontifex erhofft haben. Die Kirche bleibt in ihren Grundzügen auch weiterhin konservativ – nur sucht sie heute mehr die Harmonie mit ihren Anhängern.

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