Jetzt Wintersonne buchen und zahlreiche Frühbuchervorteile nutzen (Gutscheine uvm.)

50 Jahre Brasília: Ein Leuchtfeuer aus Stahlbeton

brasilia-normal

Datum: 21. April 2010
Uhrzeit: 14:45 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
Autor folgen:

Brasília wird 50! Kaum eine andere Hauptstadt dieser Erde ist so umstritten wie die Metropole aus der Retorte im Zentrum des grössten Landes Südamerika. Brasilien hat Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in nur drei Jahren Bauzeit ein Leuchtfeuer aus Stahlbeton geschaffen, zeitlos und futuristisch zugleich, monumental und grössenwahnsinnig en detail. Verantwortlich dafür sind faktisch nur 3 Personen: der damalige Präsident der „Vereinigten Staaten von Brasilien“, Juscelino Kubitschek sowie sein Masterplaner Lúcio Costa und der noch heute lebende Stararchitekt Oscar Niemeyer.

Sie haben einen lange gehegten Traum verwirklicht, der bereits in der ersten Verfassung der jungen Republik 1891 fest verankert wurde. „Der Union zugehörig ist eine Zone von 14.400 Quadratkilometern im zentralen Hochland der Republik, welche nach Möglichkeit abgegrenzt wird, um dort die zukünftige Hauptstadt zu errichten.“ ist dort in Artikel 3 nachzulesen, auch den späteren Konstitutionen wurde an der Vision von Brasília festgehalten.

1892 erforschte eine erste Expedition die Region im Herzen des Bundesstaates Goiás nach dem perfekten Standort, in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die damalige Empfehlung am Lago Paranoá dann bestätigt. Kubitschek, der mit seinem Wahlkampfmotto „Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“ 1956 an die Macht kam, verfolgte das Projekt mit einer gewaltigen Intensität und scheute keine Kosten für das waghalsige Bauvorhaben.

Entstanden ist ein Monument, welches nicht nur die geografische Grösse Brasiliens gerecht wird, sondern auch dem Stolz einer Nation, die durch die enormen Entfernungen stets zersplittert war. Brasília leistete einen gewaltigen Beitrag zur Integration der abgelegenen Gebiete, wurde jedoch durch 20 Jahre Militärdiktatur auch gehörig missbraucht. Die Hauptstadt als Zentrum der Macht entfernte jedoch auch die Politik von den Menschen, machte die Führung unnahbar und trennte die Elite vom normalen Menschen.

Eine ausführliche dreiteilige Reportage unter dem Titel findet man auch auf dem BrasilienPortal:

50 Jahre Brasília: Vision – Wirklichkeit – Perspektive

Die Idee einer klassenlosen Gesellschaft wurde pervertiert, niedere Schichten mussten in Ghettos mit immensen sozialen Problemen ins Umland ausweichen, aus der für 500.000 Menschen geplanten Hauptstadt wurde eine Metropole, in der heute 2,5 Millionen Menschen leben, nirgendwo anders in Brasilien ist die Ungleichheit in Bezug auf das Einkommen grösser als in Brasília. Und diese Tendenz setzt sich fort, denn die Hauptstadt hat ihren Reiz noch immer nicht verloren und zieht weiterhin die Menschen aus allen Teilen Brasiliens an. Brasília könnte daher schon in wenigen Jahrzehnten ein weiteres São Paulo werden, eine Region mit chaotischer Siedlungspolitik, sozialen Brennpunkten und ungezügeltem Wachstum bis zum endgültigen Kollaps.

An den monumentalen Bauten, den riesigen Grünflächen und den überdimensionierten Verkehrswegen wird dies erst einmal nichts ändern. Sie sind weiterhin die Postkartenmotive, auch wenn bei näherem Hinsehen schon einige Risse im Beton zu erkennen sind. Nationalkongress, Kathedrale, das Nationalmuseum oder die Nationalbibliothek – die ungewöhnlichen Entwürfe eines Oscar Niemeyers haben Brasília bereits zum Weltkulturerbe der Unesco gemacht, die faszinierende Gestaltung der gesamten Stadt von Lúcio Costa in Form eines Schmetterlings – manche sehen darin auch ein Kreuz oder ein Flugzeug – trug mit Sicherheit dazu bei.

Video zur Einweihung von Brasília (Originalaufnahmen / leider ohne Ton)

Geformt aus dem Nichts im menschenleeren Hochland und dies innerhalb von 3 Jahren – Juscelino Kubitschek, noch heute als JK verehrt, hat in seiner Amtszeit in diesem Punkt mehr erreicht als alle Präsidenten zuvor. Und er hatte auch die Ehre, „seine Hauptstadt“ auf den Tag genau vor 50 Jahren offiziell einzuweihen. „Wir blättern heute eine Seite in der Geschichte Brasiliens um“ erklärte JK voller Stolz in seiner Rede und fuhr fort: „Am heutigen Tag, den 21. April, welchen wir dem Fähnrich Joaquim José da Silva Xavier, bekannt als Tiradentes, widmen und am 138. Jahrestag der Unabhänigkeit sowie dem 71. Jahrestag der Ausrufung der Republik erkläre ich, unter dem Schutz Gottes, die Einweihung der Stadt Brasília, Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Brasilien.“

Foto: BrasilNetwork/Embratur

P.S.: Werden Sie jetzt Fan vom brasilien Magazin auf Facebook! Oder folgen Sie uns einfach auf Twitter!

© 2005 - 2017 brasilien Magazin. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Für diese News wurde noch kein Kommentar abgegeben!