<script>
Jetzt Wintersonne buchen und zahlreiche Frühbuchervorteile nutzen (Gutscheine uvm.)

Ein Fazit nach dem Leben in der Favela

Datum: 27. Mai 2006
Uhrzeit: 21:23 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
Autor folgen:

Einen sehr interessanten Artikel, in dem man auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen muss, habe ich heute im Netz gefunden. Geschrieben von jemanden, der die Realität in den brasilianischen Favelas tagtäglich erlebt hat. Diese Erfahrungen haben schon ein wenig ihr Weltbild verändert. Sie sieht nun viele Dinge mit anderen Augen. Und sie erkennt, dass die Relationen nicht mehr stimmen. Etwas, was ich auch versuche zu vermitteln. Nur leider gelingt es mir meistens nicht. Sie trifft den Nagel – wie ich persönlich finde – genau auf den Kopf. Daher zitiere ich nachfolgend den Eintrag ungekürzt.

Papst und Amokläufer – super

Gerade verweile ich eine Woche bei meiner Oma in Polen, sehe den Papst den ganzen Tach im Fernsehen rumhuschen, Polnisch ablesen vor den ganzen strenggläubigen Katholiken (zu Hause lese ich den da Vinci Code – gefährliche Sache) und nun klickte ich mich auf die Spiegel-Online und sehe, dass es einen Amoklauf in Berlin gab. Mein Gott! Im Zug auf der Herfahrt erfuhr ich, dass immens viele Kanadier dick sind, in Brasilien sind Unmengen von Menschen in Favelas und die Gefägnisse sind tickende Bomben, die sich JEGLICHER Kontrolle des Staats entzogen haben und in Deutschland passiert es hin und wieder, dass jemand Amok läuft. Wann wachen wir auf und fangen an persönlich zu reden, meine Lieben? Immer mehr Leute chatten, finden sich im Internetforen (Kannibale und sein lebendes Fleisch), betrachten ihre Nachbarn als Feind (siehe Fernsehshows und Gerichtsprozesse wegen bellender Hunde), fressen Wut und Kummer in sich hinein, immer mehr Menschen haben ihren Psychotherapeuten, weil sie es nicht mehr schaffen, ihre Probleme selbst zu lösen: durch Sprechen. Wie lange soll das denn nun noch so gehen? Selbst meine Familie ist ein wunderbares Vorzeigebeispiel dafür, wie man sich gut verkracht. Als würden sie alle 300 Jahre leben und hätten deshalb 50 Jahre Zeit, um nicht miteinander zu reden. Denkt niemand an den Moment (möglicherweise auf dem Sterbebett oder auch früher), an dem er etwas BEREUT? Ach, ihr macht mir Sorgen! Das ist vielleicht mein Fazit aus Brasilien. Da habe ich gesehen, was Existenzprobleme sind, was wirkliches Unglück ist und nun komme ich zurück und werde mit Problemen konfrontiert, die unsere Zivilisation hervorgebracht hat. Unsere wunderbare dicke modern ausgestattete Zivilisation. Zu streng? Ich befürchte wir haben das „memento mori“ ganz schön aus dem Blickfeld gedrängt – Gedenke des Todes. Tod? Was ist Tod? Wir wollen ihm so fern sein, ihm nicht in die scharze Kutte sehen, aber er kommt ja doch: wenn alle dick sind und frustriert, muss da nicht irgendwas umschwingen, damit es wieder von vorn beginnen kann? Müssen die Gefägnisse in Brasilien nicht aufplatzen, damit man wieder von Neuem anfangen und Konsequenzen bedenken kann. Ich bin so enttäuscht von manch dahergesprochener Professionalität und kann kein Denken an Konsequenzen entdecken. Meine Guten, ich will nicht den Teufel an die Wand malen – ich denke, er ist schon aus der Wand rausgekrochen, ich will nur sagen: Konsequenzen. Alles hat Konsequenzen. Und die treffen ja doch uns und nicht einen anderen Planeten. Man kann ja schon im kleinen beginnen: ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für die eigenen Kinder, ein bisschen mehr Zaunplausch mit dem Nachbarn, ein bisschen mehr offenes Auge für eigene Probleme, ein bisschen mehr Mut, Courage, ein bisschen weniger Stolz und mehr, sehr viel mehr „momento mori“ fürs eigene Leben und seine schnell eintretende Endlichkeit… ist doch so! Ich werd 26 und erinnere mich an meinen 10 Geburtstag seeehr genau! Menscheskindernee, sachte meen Opa in Berlin imma. Agent

P.S.: Werden Sie jetzt Fan vom brasilien Magazin auf Facebook! Oder folgen Sie uns einfach auf Twitter!

© 2005 - 2018 brasilien Magazin. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden.

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Für diese News wurde noch kein Kommentar abgegeben!

Achtung: Ich erkläre mich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und meine IP-Adresse nur zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Widerrufsmöglichkeiten