Metropolen erhalten nur 60 Prozent des produzierten Trinkwassers

wasserverschwendung

Verschwendung und Verlust von Trinkwasser ist in Brasilien mittlerweile Alltag (Foto: Reproduktion)
Datum: 29. August 2014
Uhrzeit: 10:16 Uhr
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Während in einigen Regionen Brasiliens aufgrund der starken Trockenheit derzeit das Wasser knapp ist, wird es gleichzeitig in etlichen Großstädten mehr als verschwendet. In den hundert brasilianischen Städten mit mehr als 250.000 Einwohner gehen im Schnitt knapp 40 Prozent des kostbaren Guts verloren. In manchen Metropolen beträgt der Verlust durch lecke Rohre und illegale Anschlüsse sogar über 70 Prozent. Die Bevölkerung stört sich daran kaum, gelten brasilianische Haushalte als diejenigen weltweit, die ohnehin am meisten Wasser verschwenden.

Vorgelegt wurden die Zahlen vom Institut „Trata Brasil“, das die Trinkwasserversorgung und das Abwassersystem Brasiliens ständig beobachtet. Nach dem Bericht werden inzwischen zwar mehr Menschen mit behandeltem Trinkwasser versorgt, beim Verlust des Wassers auf dem Weg zum Konsumenten sieht es allerdings anders aus. Zwischen 2011 und 2012 hat sich in 51 Prozent der Städte nichts verändert. Im Gegenteil: in manchen Metropolen ist der Wasserverlust sogar noch gestiegen. Wie im Fall von João Pessoa, wo 2011 etwa 40 Prozent verloren gegangen waren, während es 2012 knapp vier Prozent mehr waren.

Veraltete Rohrsysteme, Lecks und illegale Wasseranschlüsse führen in manchen Städten sogar dazu, dass 70 Prozent des behandelten Trinkwassers verloren gehen. Dies ist beispielsweise in Porto Velho und Macapá der Fall. Der Hauptstadt des Bundesstaates Amapá ensteht dadurch ein monatlicher Schaden von umgerechnet über 800.000 Euro. Große finanzielle Einbußen verzeichnen auch andere Städte. Immerhin liegt in 62 der 100 untersuchten Städten das Defizit zwischen 30 und 60 Prozent, in sieben Städten sogar bei über 60 Prozent. Selbst in São Paulo, dessen Wasserreservoirs derzeit nahezu ausgetrocknet sind, verschwinden im Schnitt 36 von 100 Litern. In Belém sind es um die 50 Prozent und in Natal 57 Prozent.

Ziel der Versorger ist den Verlust auf unter 15 Prozent zwischen den Wasseraufbereitungsanlagen und den Konsumenten zu reduzieren. In dem trotz angeblicher Milliardeninvestitionen seitens der Regierung auch weiterhin von maroden Infrastrukturen gezeichneten Land wird diese angestrebte Marke lediglich in vier der untersuchten Metropolen erreicht. Experten machen seit Jahren Korruption und Vetternwirtschaft für den mangelhaften Ausbau von Leitungsnetzen verantwortlich, die brasilianische Gesellschaft schaut dem meist offensichtlich praktizierten kriminellen Treiben jedoch auch weiterhin nur zu.

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