In Rio de Janeiro in Brasilien wurden am frühen Montagmorgen durch einen Grossbrand in der Cidade do Samba mehrere Werkstätten der dort ansässigen Sambaschulen verwüstet. Nach letzten Informationen sind von dem Feuer mindestens vier der insgesamt 14 Lagerhallen betroffen. In der weiträumigen und vierstöckigen Anlage bereiten sich die Gruppen auf die farbenprächtigen Paraden im jährlichen Karneval in Rio vor und gestalten Kostüme und Allegoriewagen.
Rund 70 Feuerwehrleute sind mit insgesamt 15 Fahrzeugen vor Ort konnten im Laufe des Vormittags den Brand eindämmen. Nach letzten Meldungen wurde niemand verletzt. Schwarze Rauchwolken erhoben sich bereits im Morgengrauen über der Anlage im Hafenbereich der Millionenmetropole. Zahlreiche unversehrte Allegoriewagen wurden von anderen Schulen vorsichtshalber aus den Hallen gefahren und erlaubten so einen ersten Blick auf das, was normalerweise bis zur Startaufstellung im Sambódromo geheim gehalten wird.
Laut dem Präsidenten der Liga der unabhängigen Sambaschulen LIESA, Jorge Castanheira, ist die Brandursache noch völlig unklar. Die Polizei hält Brandstiftung derzeit für unwahrscheinlich, schliesst ein Verbrechen jedoch nicht kategorisch aus. Am schlimmsten von der Feuersbrunst soll die Halle der 1988 gegründeten Schule Acadêmicos do Grande Rio betroffen sein. Hier wurden mindestens 3.000 Kostüme durch die Flammen zerstört. Aber auch Bereiche der Konkurrenten Portela und União da Ilha do Governador sowie die Halle der LIESA wurde von den Flammen verwüstet.
Rund einen Monat vor den Paraden sind bereits 90 Prozent aller Dekorationen und Kostüme fertiggestellt. Durch das Feuer sind die Präsentationen der betroffenen Schulen nun ernsthaft in Gefahr geraten. In der verbleibenden Zeit ist es unmöglich, die detailreichen Allegoriewagen eventuell neu aufzubauen. Zudem dürften die Schulen auf auf finanzielle Schwierigkeiten stossen. Umgerechnet zwischen 2 und 3 Millionen Euro wurden bereits in die Paraden investiert, ein Großteil der Gelder stammt in der Regel von Sponsoren. Die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro hat inzwischen den betroffenen Schulen entsprechende Hilfe zugesichert, damit die Paraden wie geplant stattfinden können.
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Die Cidade do Samba (Samba-Stadt) wurde von der Stadtverwaltung von Rio de Janeiro errichtet. Sie beinhaltet nicht nur die Werkstätten der berühmten Sambaschulen unter dem Zuckerhut, sie ist zudem auch eine beliebte Touristenattraktion. Ganzjährig können Besucher in den Hallen ein wenig Carnaval do Brasil erleben, es gibt Tanzvorführungen sowie entsprechende Kurse.