Ein Überfall von als Polizisten verkleideten Banditen auf ein Untersuchungsgefängnis in Rio de Janeiro in Brasilien hatte am Sonntagmorgen (29.) die Flucht von 28 Verbrechern zur Folge. Laut der für die Haftanstalt zuständigen Zivilpolizei erbaten sechs mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer in entsprechenden Polizeiuniformen Einlass in die Justizvollzugsanstalt. Sie legten dabei gefälschte Dokumente für die angebliche Überführung eines Häftlings vor.
Zu diesem Zeitpunkt, gegen 10 Uhr vormittags, bewachten lediglich zwei Beamte die rund 150 Insassen des Untersuchungsgefängisses „Polinter“ in Grajaú im Norden der Millionenmetropole. Nachdem die Banditen im Gebäude waren, nahmen sie die Beamten als Geisel und erzwangen die Öffnung von fünf Zellen. Insgesamt 30 Personen wurden dadurch befreit, 28 davon gelang die Flucht. Zwei Männer zogen es jedoch vor, das Gebäude aus unbekannten Gründen nicht zu verlassen.
Laut dem Leiter der Haftanstalt, Orlando Zaccone, nutzten die Banditen eine Sicherheitslücke im Prozess der Einlieferung und Überführung von Häftlingen. Seiner Aussage nach müssen nun dringend die vorhandenen Sicherheitsmechnismen überdacht werden. „Was heute geschehen ist, beweist, dass unsere Sicherheit nicht funktioniert. Nun sollten wir neue Massnahmen überdenken, denn wenn eine Person in Polizeiuniform und entsprechenden Dokumenten in der Hand auftaucht, autorisiert dies noch lange nicht den Eintritt der Polizisten, ob sie nun echt sind oder nicht.“
Ob die Banditen einen ganz speziellen Häftling befreien wollten, ist bislang unklar. Nun sollen zunächst die flüchtigen Personen wieder verhaftet werden. 25 davon stammen aus bekannten Favelas der Stadt wie Mangueira oder Jacarezinho. Die Identität der Täter ist den Behörden offenbar nicht bekannt. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, wird in alle Richtungen ermittelt. Auch soll geprüft werden, ob „echte“ Polizisten in den Überfall mit verwickelt waren oder eventuell die Banditen mit Kleidung und Informationen unterstützt haben.