Der Süden und Südosten Brasiliens leidet seit Wochen unter hohen Temperaturen und Regenmangel. Die Rede ist bereits vom trockensten Sommer seit Jahrzehnten. Während das Wasserniveau in den Stauseen der Wasserkraftwerke weiter absinkt, steigen der Strom- und Wasserverbrauch.
In vielen Regionen Brasiliens wurden schon seit Jahrzehnten nicht mehr so hohe Temperaturen verzeichnet wie in diesem Sommer. In Paraná liegt die durchschnittliche Tagestemperatur momentan um 3,5 Grad Celsius über der Temperatur der Vergleichszeiträume. Im Bundesstaat Santa Catarina wurde angesichts der Hitze der Schulanfang verschoben. Eigentlich sind die Sommerferien am vergangenen Sonntag (9.2.) zu Ende gegangen.
Ähnlich sieht es in Rio de Janeiro aus. Seit dort 1943 mit der Wetteraufzeichnung begonnen wurde, gab es keinen so heißen Sommer, wie das dieses Jahr der Fall ist. Die durchschnittliche Tagestemperatur in den vergangenen Wochen wurde für Rio de Janeiro mit 32 Grad angegeben. Während es in den Nächten kaum auf unter 22 Grad abkühlt, steigt das Thermometer tagsüber vielerorts auf 35 bis 40 Grad im Schatten.
In etlichen Städten wurde bereits das sogenannte Rodízio eingeführt. Um Wasser zu sparen werden dabei nicht alle Stadtteile gleichzeitig mit Trinkwasser versorgt. Vielmehr werden sie nacheinander bestückt, so dass einzelne Gebiete jeweils für einige Stunden ohne Wasserversorgung sind. Allein im Bundesstaat Paraná sind nach offiziellen Angaben bereits knapp eine halbe Million Menschen davon betroffen. In einigen Gemeinden werden zudem schon Tanklastwagen zur Trinkwasserversorgung eingesetzt.
Auch in São Paulo und Rio de Janeiro wird das Wasser knapp. In São Paulo ist das Niveau im Trinkwasserresevoir drastisch abgesunken. Um zum Wassersparen zu animieren wurde ein Bonus für diejenigen ausgerufen, die ihren Verbrauch drosseln. In einer Woche konnten so 300 Millionen Liter Wasser gespart werden.
Die Trockenheit wirkt sich zugleich auf die Stromproduktion aus. In Brasilien ist die Wasserkraft für 80 Prozent der Energieerzeugung verantwortlich. Die mit Gas, Öl oder Kohle betriebenen Kraftwerke produzieren zusammen lediglich 11.500 Megawatt. Das entspricht beinahe der gleichen Produktion, die allein im Wasserkraftwerk Itaipu erzielt wird. Im Südosten und zentralen Osten sind die Reservoirs jedoch bereits auf unter 40 Prozent ihrer Kapazität abgesunken. In einzelnen Stauseen sank der Wasserspiegel sogar auf unter 20 Prozent. Von offizieller Seite wird jedoch betont, dass die Situation im Griff sei und bisher mit keiner Überbelastung des Netzes zu rechnen sei.
Erste Auswirkungen zeigen sich ebenso bei der landwirtschaftlichen Produktion. Zitrusfrüchte aus der Umgebung von São Paulo sind kleiner als üblich. Im Bundesstaat São Paulo ist beim Soja bereits die Rede davon, dass fehlender Regen und die Hitze zu Ernteeinbußen in Höhe Von 40 bis 80 Prozent führt. Auch die Kaffeepreise könnten durch geringere Ernten in den kommenden Monaten steigen.
Die Meteorologen sind jedoch zuversichtlich, dass sich die Situation bis Monatsende normalisieren könnte. Bereits für die kommende Woche wird ein Wetterumschwung vorausgesagt. Dann soll eine antarktische Kaltfront kräftige Niederschläge aus dem Südatlantik mitbringen.