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AF 447 bleibt verschollen: Brasilien stellt Suche nach Opfern der Katastrophe ein

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Datum: 27. Juni 2009
Uhrzeit: 09:18 Uhr
Ressorts: Tourismus
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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51 Leichen und rund 600 Trümmerteile – dies ist die traurige Bilanz der aufwendigen Suche nach der abgestürzten Air-France-Maschine im Atlantik. Am Freitagabend hat das brasilianische Militär die Suche nun eingestellt. Hoffnung auf Bergung weiterer Körper oder Wackteile besteht nicht. Nüchtern fasst das Oberkommendo der Marine und Luftwaffe die Aktion in einer letzten Stellungnahme (Nota Final) zusammen. Es sei die bislang grösste Operation der Streitkräfte auf hoher See gewesen, in Bezug auf auf die aufgewendete Zeit als auch in Hinsicht des eingesetzten Personals.

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26 Tage lang suchte das Militär intensiv mit zahlreichen Schiffen und Flugzeugen das Meer vor der brasilianischen Küste ab, um möglichst viele Überreste des am frühen 01. Juni MESZ abgestürzten Airbus A 330-200 zu bergen. Doch vom gigantischen Flugzeug und seinen 228 Menschen an Bord wurde kaum etwas gefunden. Zu lange dauerte es, bis die Rettungsmannschaften an der mutmasslichen Absturzstelle auf fast halben Weg zum afrikanischen Kontinent ankamen, zu weitflächig waren die Trümmer verstreut. Alleine zwischen dem ersten und letzten geborgenen Leichnahm liegen 145 Kilometer.

Seit dem 12. Juni konnten lediglich noch zwei Körper aus der See geborgen werden, in den letzten neun Tagen wurden überhaupt keine sterblichen Überreste mehr gesichtet. Auch wurden nur noch vereinzelte kleinere Wrackteile entdeckt, Meeresströmungen und Wind haben eventuelle Trümmer inzwischen auf tausende von Quadratkilometern verteilt. Von insgesamt rund 600 kleineren und grösseren geborgenen Teilen des Flugzeuges spricht das brasilianische Oberkommando, zudem von persönlichen Gegegenständen und Gepäck der Insassen. Auffälligstes „Fundstück“ ist mit Sicherheit das gigantische tonnenschwere Seitenruder, doch das Flugzeug selbst bleibt weiterhin vom Atlantik verschluckt.

Wie auch der Flugschreiber, der bislang nicht geortet werden konnte. Er liegt vermutlich in bis zu 4.000 Metern Tiefe irgendwo auf dem Meeresgrund oder in einer der zahlreichen Schluchten des unzugänglichen mittelatlantischen Rückens. Ein französisches Atom-U-Boot ist seit gut 10 Tagen auf der Suche nach der Black-Box, die im Idealfall etwa 30 Tage lang ein Ortungssignal aussendet, wenn die Batterien beim Aufprall nicht beschädigt wurden. Auch hier besteht mittlerweile kaum noch Hoffnung auf Bergung.

Grafik Flugzeugunglück AF447 Rio de Janeiro-Paris

Umso tragischer erscheint dadurch die Katastrophe für die Hinterbliebenen der Opfer. Die meisten von ihnen werden ihre Angehörigen nie beerdigen können und vor allem werden sie vermutlich nie den Grund für des Absturz erfahren. Alle Spekulationen stützen sich bislang auf Indizien, der Ozean hat alle Beweise in seine Tiefen gezogen. Nach letzten Einschätzungen ist die Maschine in grosser Höhe auseinandergebrochen und ins Meer gestürzt. Darauf weisen zum einen das gigantische Trümmerfeld als auch die geborgenen Leichen hin, die keinerlei Verbrennungen noch Wasser in den Lungen aufweisen. Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Aufprall auf die Wasseroberfläche gestorben.

Was jedoch den Unfall tatsächlich verursachte, bleibt im Dunkeln. Vor dem Absturz hatte der erst 4 Jahre alte Airbus A 330-200, der von Rio de Janeiro nach Paris unterwegs war, minutenlange automatisierte Störungsmeldungen abgesetzt. Vom Ausfall wichtiger Steuerungssysteme, dem Abschalten des Autopiloten bis zu falschen Geschwindigkeitsmessungen ist die Rede. Die letzte Meldung spricht von einem Abfall des Kabinendrucks, danach verschwand die Maschine rund 1.200 Kilometer vom brasilianischen Festland entfernt urplötzlich von den Radarschirmen. In diesem Moment könnte die Maschine in gut 11 Kilometer Höhe auseinandergerissen worden sein.

Seitenruder Airbus Air France AF 447

Während auf offener See die Suche nun eigestellt wurde, laufen auf dem brasilianischen Festland derweil die Untersuchungen an den wenigen geborgenen Körpern auf Hochtouren. Alle Leichnahme wurden über die Inselgruppe Fernando de Noronha nach Recife im Bundesstaat Pernambuco zur dortigen Gerichtsmedizin überführt. Neben dem Piloten und einem Fugbegleiter konnten von den Spezialisten bislang 10 brasilianische und 3 deutsche Opfer identifiziert werden. Einige sterbliche Überreste wurden bereits den Angehörigen übergeben, in Brasilien fanden zudem schon die ersten Beerdigungen statt (mehr…).

Der Air France Flug AF 447 bleibt jedoch vermutlich für immer vom Atlantik verschluckt und wird die Geheimnisse um sein Verschwinden nie preisgeben. Und mit ihm bleibt der Grossteil der 216 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder aus 32 Nationen verschollen, darunter 28 Deutsche und 58 Brasilianer. Die Tragik des Unglücks liegt damit vermutlich nicht in der Katastrophe selbst. Es ist vielmehr unsere Machtlosigkeit, die gigantischen Weiten und Tiefen des Atlantiks trotz hochmoderner Technik zu kontrollieren – und den Angehörigen dadurch den Abschied zu verwehren.

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