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Stau auf der Freundschaftsbrücke

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Datum: 14. November 2006
Uhrzeit: 12:24 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Als ich am vergangenen Samstag morgen gegen 6:15 Uhr die Ponte da Amizade, die Freundschaftsbrücke über den Rio Paraná zwischen Ciudad del Este (Paraguay) und Foz do Iguaçu (Brasilien) mit dem Bus überquerte, war ich gespannt, was sich auf brasilianischer Seite abspielen würde. Der Linienbus zwischen den zwei Busbahnhöfen verkehrt dort den ganzen Tag über und transportiert Touristen und Einheimische gleichermassen im 30-Minuten-Takt über die Grenze. Bei zahllosen Überquerungen in den vergangenen 5 Jahren kann ich mich nicht erinnern, dass er auch nur einmal angehalten wurde.

Doch diesmal war es anders. Nachdem wir zu dieser frühen Morgenstunde fast 10 Minuten im Stau standen, was ebenfalls unüblich ist, hielt er tatsächlich an der neu errichteten Zollstation an. Ein Beamter des Zoll betrat den Bus und betrachtete sich die Insassen samt ihres Gepäcks. Kaum jemand hatte allerdings mehr als eine Plastiktüte oder Umhängetasche bei sich. So beliess er er auch dabei, sich nur umzusehen und niemanden genauer zu inspizieren. Auch ich musste meinen Rucksack und Trolley nicht öffnen. Zu sehr sah ich wohl nach Tourist aus.

Was auch mein Glück war. Denn der Inhalt meines Trolley bestand nicht aus Wäsche, sondern aus Computerteilen, Steckern und Adaptern. Alles zwar gebraucht und lose im grossen Kabelgewirr dort hineingestopft, doch zumindest verdächtig und einer weiteren Überprüfung eines übereifrigen Beamten Wert. Doch zum Glück musste ich nichts erklären.

Eine Passkontrolle gibt es dort nicht, da im kleinen Grenzverkehr die Stempelei abgeschafft wurde. Man darf sich nur nicht weiter als 50 km ins Landesinnere bewegen. Die Zöllner interessiert nur Schmuggelware und da sie ihre Quoten beachtlich steigern konnten, ist das Projekt an der Freundschaftsbrücke nun aus der Testphase in den Regelbetrieb übergegangen. 24 Stunden am Tag werden dort nun 100% der Grenzüberquerer „überprüft“. Teils wie in meinem Fall nur oberflächlich, teilweise wird jedoch das gesamte Auto ausgeräumt und jeder noch so kleine Winkel durchleuchtet. Wer hier noch nicht geschnappt wird, dem erwarten 40 km im Hinterland weitere Kontrollen des Zolls und der Verkehrspolizei.

Als ich am Montag Abend gegen 18 Uhr wieder in umgekehrter Richtung aus Brasilien nach Paraguay fuhr, wurde der Bus wie gewohnt überhaupt nicht beachtet. Überhaupt wurde ich auf paraguayischer Seite – egal ob bei Ein- oder Ausreise – nie angehalten und kontrolliert. Und bei der Ausreise auf brasilianischer Seite ebenfalls nicht.

Die Mototaxis und Fussgänger trifft es nun besonders hart. Verdienten sie doch bis dato mit dem „Schmuggel“ ihr Geld. Waren billig in Brasilien einkaufen und zu Fuss oder auf dem Motorrad zum Verkauf nach Brasilien schaffen. In langen Schlangen passierten sie unbehelligt die Grenze. Ein lohnendes Geschäft. Jetzt stehen sie in langen Schlangen an der Zollkontrolle und müssen alles fein säuberlich deklarieren. Wie am Montag Abend, als sich der Verkehr bis weit nach Ciudad del Este hineinstaute. Die paraguayischen Medien berichteten heute darüber. „Die neuen Kontrollen legen den Verkehr auf der Freundschaftsbrücke lahm“ titelten sie nicht ohne Zorn. Denn rund 200.000 Paraguayer sind durch die neuen Regelungen und Freigrenzen (300 U$ Warenwert in 30 Tagen) in ihrer Existenz bedroht.

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