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Tirol in Brasilien

Datum: 26. Mai 2006
Uhrzeit: 23:03 Uhr
Ressorts: Tourismus
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Sie heißen Schäfer, Steiner oder Endringer. Ihre Vorfahren sind vor 150 Jahren aus dem Stubaital nach Brasilien ausgewandert. Das „Dorf Tirol“ liegt in der Mata Atlantica bei Vitoria und steigt von Kaffee auf Bio-Tourismus um.

Hätte es in Tirol nicht diese starre Hof-Erben-Regelung gegeben, gäbe es heute in Brasilien kein „Dorf Tirol“. Denn vor fast genau 150 Jahren, als sich 300 Tiroler entschlossen, ihrer Heimat den Rücken zu kehren, taten sie es aus Hoffnungslosigkeit. Nur der Erstgeborene bekam den Hof, hatte Land und damit das Recht auf eine Familiengründung.

In Brasilien gab’s Land in Hülle und Fülle. Die Einwanderer wurden im Bundesstaat Espirito Santo, 75 Kilometer landeinwärts der Hafenstadt Vitoria angesiedelt, die heute eine Flugstunde nördlich von Rio de Janeiro liegt.

Warten auf den Asphalt

75 Kilometer, aber zwei Autostunden, ist die Colonia Tirol von Vitoria entfernt. Obwohl es das „Dorf Tirol“ schon fast 150 Jahre gibt (2007 wird gefeiert), existiert noch keine asphaltierte Straße. Das ändert sich bald. Die Landvermesser arbeiten schon. Geld kommt auch von der Tiroler Landesregierung.

Das Dorf Tirol ist eigentlich kein Dorf, sondern ein Gebiet von 1000 Hektar mit an die 30 Höfe, auf denen in fünfter Generation die Nachfahren der Einwanderer leben. Man spricht Tirolerisch. „Griaß di“ ist auch der übliche Gruß jener, die bereits dunkelhäutiger sind und mit brasilianischem Einschlag sprechen. Deutsch wird Samstags in der Dorfschule gelehrt. Gleich um die Ecke ist „Holanda“ und „California“.

Tirolerisch im Urwald

Ein Treffpunkt ist das „Gasthaus Tirol“. Die Pousada regiert die Familie Thöny. Hubert aus Nassereith ist als Nachtfalter-Sammler vor Jahren nach Brasilien gekommen und hat die Brasilianerin Sueli kennen und lieben gelernt und schließlich geheiratet.

Im Gasthaus Tirol gibt es Kartoffelgulasch aus Maniok. An der Wand hängen Hirschgeweihe. Die Seer singen von der CD. Irgendwann hat auch die Raiffeisenbank Lienz ein Pickerl hinterlassen.

Kürzlich war Luis Durnwalder, der Landeshauptmann von Südtirol, da. Das „Watten“ am Stammtisch hat ihm besonders gut gefallen.

Die Idylle trügt

Die Idylle in der Colonia Tirol trügt ein bisschen. Die Landwirtschaft bringt so wenig Ertrag, dass es zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist. Die Kaffeepreise sind verfallen. Bananen bringen nur wenige Cent pro Kilo.

Deshalb haben sich eine Handvoll Oberösterreicher, die das Dorf Tirol zufällig kennengelernt haben, unter Leitung von Franz Leibetseder aus Walding, zu einem Hilfsprojekt entschlossen.

Sanfter, ökologisch ausgerichteter Tourismus soll Arbeitsplätze, Wertschöpfung und damit Zukunft schaffen. Die „Fazenda Ecologica do Tirol“ ist in Bau und soll mit 24 Betten bis Jahresende fertig sein.

30 Kilometer Wanderwege durch feinsten brasilianischen Urwald sind bereits angelegt. Die Reitpferde für Trekking-Touren stehen schon im Stall. Chef der neuen Pousada wird Hubert Thöny. Neben ganz normalem „Baumeln mit der Seele“ werden Esoterik-Seminare angeboten. Ende Jänner, Anfang Februar startet der Seminar-Reigen mit „Schamanisches Reisen“, „Energie-Seminar Burnout-Prävention“, „Chill out, die Kraft der Auszeit“ sowie mit speziellen Persönlichkeitsbildungs-Fachseminaren.

Obendrein versuchen die Fans der Colonia Tirol, Kaffeebauern zum Umstieg auf Bio-Kakao zu bewegen. Der bringt drei Mal soviel Geld und ist in seiner Bio-Version noch gefragter.

Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Denn auch die Brasilianer haben das Fleckchen auf 650 Metern Höhe entdeckt. Sie kaufen nicht nur Land, um Wochenendhäuser zu bauen. Sie kaufen, um Eukalyptus zu pflanzen.

Eukalyptus als Feind

Dieser schnell wachsende Rohstoff-Spender für die Zellstoffindustrie wird nach wenigen Jahren geerntet und bringt gute Erträge. Die unangenehme Nebenwirkung: Eukalyptus laugt den Boden nach drei, vier Durchgängen so aus, dass er selbst für Eukalyptus unbrauchbar ist.

Nicht nur, dass sich die Landschaft in ein Meer von Eintönigkeit verwandelt.

Auch die Tierwelt wandert aus. „Schmetterlinge findest du dann nicht mehr“, sagt der Nachtfaltersammler Thöny. Auch Kolibris, die beim Frühstück bis auf die Terrasse kommen, und die weithin hörbaren Brüllaffen würde es dann nicht mehr geben.

Apropos Tiere: Gefährlich ist es in der Colonia Tirol nicht. Auch Malaria gibt es nicht. Das Klima ist selbst im Sommer, wenn bei uns Winter ist, wegen der Höhenlage angenehm.

So kommt man in die Colonia Tirol

Die Colonia Tirol ist ein vor 150 Jahren gegründetes Auswandererdorf im Regenwald der Atlantikküste in Brasilien auf 650 Metern Höhe. Sie liegt 75 Kilometer von der Hafenstadt Vitoria entfernt und ist mit dem Auto in zwei Stunden zu erreichen. Nach Vitoria fliegt man von Rio de Janeiro aus eine Stunde, mit Varig um 70 Euro hin und retour. Der Reisekontor Windrose/Loizenbauer in Feldkirchen/Donau hat seit heuer die Colonia Tirol im Programm. Eine Woche Vollpension im „Gasthaus Tirol“ kostet 550 Euro pro Person (Windrose, Sechterberg 95, 4101 Feldkirchen, 07233 / 72 76.

info@diewindrose.com
http://www.diewindrose.com

Die Fazenda Ecologica do Tirol, die vom Tiroler Hubert Thöny betrieben und von Oberösterreichern unterstützt wird, ist Ende des Jahres fertig (24 Betten). Ende Jänner 2007 startet ein esoterisches Seminarangebot. Infos bei: Hubert Thöny, Tel. 0055-27-32 54 13 10

hubert_thony@yahoo.de
http://www.coloniatirol.com

(übernommen von Nachrichten.at)

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