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Latinoportal auf Angriffskurs: Kampf um Lateinamerika im Internet

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Datum: 28. Mai 2009
Uhrzeit: 13:56 Uhr
Ressorts: Südamerika
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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lateinamerikaWer bei politischen Problemen in Lateinamerika an die Diktaturen in Kuba oder Venezuela, an die Terrorzellen in Kolumbien, die Drogenkriege in Brasilien oder die ethnischen Machtkämpfe in Bolivien denkt, der weiss, dass der gigantische Subkontinent vor gewaltigen Herausforderungen steht. Und immer wieder versuchen gewissenlose Staatschefs mit fragwürdigen Mitteln an regionalen Einfluss zu gewinnen – nicht zuletzt um die Politik aller dortigen Länder in die gewünschte Richtung zu lenken. Allerdings stossen diese unkalkulierbaren Despoten nachwievor von Atlantik bis Pazifik auf erheblichen Widerstand, der diese Machtpläne vereitelt.

Doch nicht nur im realen Mittel- und Südamerika sondern auch im virtuellen Lateinamerika stellen sich Menschen der Machtgier in den Weg und kämpfen für Frieden, Demokratie und Meinungsfreiheit. Eine kubanische Bloggerin wurde jetzt für ihr Engagement mit einem Medienpreis ausgezeichnet, sie selbst kann nur unter schwersten Bedingungen ihre Beobachtungen ins Netz stellen. Ein eigener Internetanschluss oder Reisefreiheit rücken dadurch zwar in immer weitere Ferne – aufgeben will sie jedoch nicht. Auch venezolanische Blogs sind immer wieder vor wichtigen politischen Entscheidungen aus dem Ausland nicht erreichbar – man erinnert sich zwangsläufig an die Internetzensur in China oder dem Iran: auch diese Menschen publizieren weiterhin ihre Meinungen und Erlebnisse.

Nun jedoch sagt überraschenderweise ein in Deutschland ansässiges Medium dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit den Kampf an. So wie staatliche Institutionen den Zugriff auf Webseiten und Blogs einschränken können, so kann auch ein Forenbetreiber theoretisch die Äusserungen seiner User abändern oder verfälschen. Diese Massnahmen verhindern in hohem Maße das wichtige Grundrecht der freien Meinungsbildung und sind über alle Grenzen hinweg verpönt. Doch im jüngsten Fall des bislang äusserst beliebten „Latinoportals“ wurde dieses Tabu der Zensur nun schockierende Wirklichkeit.

Das Portal mit integriertem Forum über alle lateinamerikanischen Staaten und die mit über 4000 Mitgliedern stark frequentierte Plattform wurde vor kurzem von der „Forum Factory“ übernommen, einem Unternehmen, welches mittlerweile eine Vielzahl von rein kommerziellen Foren betreut. Doch schon kurz nach dem Wechsel der Administration wurde die Community nach Meinung einiger User sprichwörtlich zerrissen. Mängel in der internen Kommunikation traten zutage, scheinbar traten neue Regeln in Kraft, ohne dass die Mitglieder darüber informiert wurden.

Aber auch das absichtliche Verfälschen von Postings hatte dort Einzug gehalten. So wurden seitens der Betreiber absichtlich und unkommentiert Einträge abgeändert und zensiert, wodurch verschiedene Webseiten nicht mehr für die Forengemeinschaft erreichbar waren. Dies geschah sowohl bei Beiträgen von langjährigen und äusserst engagierten Usern als auch bei Neumitgliedern. Angeblich handelte es sich dabei um Verweise auf die „Konkurrenz“, was von nun ab nicht mehr gestattet sei. Dass jedoch mit dieser anderen Community mamens „Latinofreunde“ bereits vor der Übernahme eine Partnerschaft bestand und es sich um einen rein informativen Verweis ohne werblichen Zusammenhang handelte, spielte bei der Zensur keine Rolle.

Doch diese Massnahmen der neuen Betreiber erzürnt inzwischen zu Recht die Gemeinschaft. Immer weniger Beträge werden seitens der User veröffentlicht, viele warten scheinbar ab, wie sich nun das Portal entwickelt und in welche Richtung es die „Forenfabrik“ steuern will. Die nach aussen hin diktatorischen Entscheidungen der Verantwortlichen werden mittlerweile mit „kubanischen Verhältnissen“ verglichen, sogar Kündigungen der User nimmt das Unternehmen inzwischen wortlos in Kauf – nur um vermutlich den festgelegten Weg der eingeschränkten Meinungsfreiheit zu zementieren.

Was mit einer wohlweislich ungleichen Partnerschaft begann – „Latinofreunde“ hat ein Zehntel der User und ist erst seit wenigen Monaten online, das „Latinoportal“ gehört seit Jahren zu den Forenriesen und ist eine der wichtigsten Internetadressen Deutschlands – hat nun zu einer sprichwörtlich einseitigen Kriegserklärung von Seite des grossen Partners geführt, welche dramatisch Auswirkungen für den Forenwinzling haben könnte. Doch vermutlich interessiert so etwas bei der „Forenfabrik“ niemanden, da dort die Werbeeinnahmen wahrscheinlich stets höher bewertet werden als das Recht auf Meinungsfreiheit und das friedliche Miteinander. Etwas, dass der Gründer des „Latinoportals“ bei der Gründung vor Jahren mit Sicherheit niemals im Sinn hatte.

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