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Kolumbien-Krise: Beleidigungen und Schulterklopfen

Datum: 10. März 2008
Uhrzeit: 11:05 Uhr
Ressorts: Südamerika
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Die Krise in Südamerika scheint überwunden. Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe entschuldigt sich bei Ecuadors Staatschef Rafael Correa, Venezuelas Präsident Hugo Chávez hält sich vornehm zurück und am Ende klatschen sich alle gegenseitig Beifall und auf die Schulter. Gewonnen hat – wenn überhaupt – eigentlich nur Uribe. Doch der grosse Verlierer steht zweifelsfrei fest: Chávez.

Der venezolanische Despot ist mit seinem Versuch, Südamerika in Lager aufzuspalten und sich anschliessend als Konstrukteur einer grossen politischen Einheit des Subkontinentes aufzuspielen gescheitert. Dies ist die wahre Botschaft, die aus der Krise der vergangenen Woche zu ziehen ist. Als eigentlich unbeteiligter Drittstaat hatte er bereits am Tag nach dem Angriff Kolumbiens auf eine Farc-Stellung in Ecuador seine Grenzen zu Kolumbien geschlossen, den Botschafter ausgewiesen, Truppen in Richtung Grenze geschickt und sogar angedroht, kolumbianische Unternehmen in Venezuela zu verstaatlichen.

Uribe (li.) versöhnt sich mit Chavez (re.). In der Mitte der dominikanische Präsident und Gastgeber der Rio Gruppe, Leonel Fernández (Foto: Divulgação)Selbst Nicaragua konnte er noch ins Boot holen gegen den „Kriegstreiber“ und „Lügner“ Alvaro Uribe. Doch dieser versprach auf dem Treffen der Rio-Gruppe in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik, keine Stellungen der Farc mehr in Ecuador anzugreifen, wenn der südliche Nachbar diese nicht mehr unterstütze. Und entschuldigte sich gleich mehrfach bei Rafael Correa. Chávez, der bei einer harten verbalen Auseinandersetzung kurz zuvor noch eisern geschwiegen hatte, konnte am Ende nur noch eines tun: Hände schütteln und Beifall klatschen. Sein Ansehen ist geschädigt, hat er doch durch seine unberechenbaren Massnahmen die Krise in diesem Ausmass erst provoziert als er versuchte, halb Südamerika gegen Uribe aufzuhetzen.

Vielleicht haben Correa und Chávez einfach zu schnell reagiert nach dem Zwischenfall, bei dem Kolumbiens Militär irgendwo im Dschungel 1.800 Meter in das Staatsgebiet Ecuadors eingedrungen ist. Denn dort wurden vier Laptops mit brisanten Daten sichergestellt, die unter anderem Beweisen sollen, dass Venezuela und Correa mit der Farc symphatisieren und sie sogar in der Vergangenheit finanziell unterstützt haben. Doch damit rückte Uribe erst nach den ersten Reaktionen der Nachbarländer heraus und liess seinen Gegenspielern nur die Möglichkeit, alles abzustreiten.

Nun haben sich also alle versöhnt, Venezuela und Nicaragua haben die diplomatischen Beziehungen bereits wieder aufgenommen, Ecuador steht kurz davor. Alvaro Uribe hat der linksgerichteten Rebellenbewegung einen wichtigen Schlag versetzt und ihr zugleich zwei Unterstützer entzogen. Chávez versucht sich nun weiterhin als grosser Vermittler bei den Verhandlungen um die Freilassung der Geiseln aufzuspielen, nicht zuletzt um sein Ansehen, welches in der vergangenen Woche stark gelitten hat aufzubessern und Ecuador nimmt neuerdings sogar den ein oder anderen Rebellen fest.

Und wieder hat die Welt etwas über die südamerikanische Mentalität erfahren. Standen sich die Kontrahenten noch Minuten zuvor schreiend gegenüber und sah es in diesem Moment so aus, als würden sie gleich aus dem Saal stürmen um einen Angriff auf das jeweilige Nachbarland zu befehlen und einen Krieg beginnen, so lenkten sie urplötzlich ein, akzeptierten von einer Sekunde auf die andere die Position ihres Gegenübers und schüttelten sich drei Atemzüge später tatsächlich vor laufenden Fernsehkameras die Hände und klopften sich freundschaftlich auf die Schulter. War was?

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Villa50

    Ich war in den letzten zwei Wochen in Venezuela. Mir war etwas mulmig zu mute. Flüge wurden gestrichen und das Gefühl der Mobilmachung erschreckte mich.
    War was?