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Präsidentschaftskandidat im Hungerstreik

Datum: 02. Mai 2006
Uhrzeit: 18:25 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Es war einmal ein Prädidentschaftskandidat. Ein Präsidentschaftskandidat mit Übergewicht. Und weil die Kandidatur nicht so gut lief, sagte sein Berater ihm, er müsse abnehmen. Doch eine Diät ist einfach unspektakulär. Und als der nächste persönliche Angriff gegen ihn in vor einer Betrugsanzeige kam, hatte er eine Idee. „Ich mache einen Hungerstreik“ frohlockte er und lud die Medien dazu ein, täglich das verlorene Gewicht in den Tageszeitungen zu veröffentlichen. Hinter einer Glastür in seinem Parteibüro im Herzen einer Metropole und nur mit Wasser versorgt, veranstaltete er ein Happening für Zeitung und Fernsehen. Und siehe da, täglich trat sein Leibarzt vor die Presse und gab die Ergebnisse bekannt. Nicht die Umfragewerte, nein, das Gewicht. 700 Gramm waren es am ersten Tag, 1.3 Kilo am 2. Tag und ein Ende ist nicht in Sicht. Werden die Umfragewerte nun entgegengesetzt proportional steigen? Gibt es eine Korrelation zwischen der neuen Leichtigkeit und der Popularität? Wir werden es bald erfahren, denn die neue tägliche Reality Show nach dem Ende von BigBrother hat hier in Brasilien gerade erst begonnen.

Wer jetzt geglaubt hat, dies wäre wieder so eine erfundene Story vom durchgeknallten Brasilblogger, der irrt. Bis auf das Aussage bezüglich der Diät-Empfehlung seines Berater ist ALLES wahr.

Es handelt sich dabei um den Vorkandidaten der Mitte-Rechts Partei PMDB, Anthony Garotinho. Dieser war Gouverneur von Rio de Janeiro und will im Oktober gegen den derzeitigen Amtsinhaber Lula da Silva antreten. Doch während seiner ersten Kandidaturphase gab es tatsächlich Komplikationen. Mehrere Anzeigen gingen bei der Staatsanwaltschaft ein, die behaupten, die 650.000 R$ (ca. 250.000 Euro), die er für seine erste Kampagne aufgewendet hat, kämen aus Schwarzgeldbeständen von Firmen und aus einem öffentlichen Fonds. Und damit man diese Anzeigen zurücknähme und um die angeblich „ungeheuerlichen Vorwürfe“ entsprechend aufzudecken, trat Garotinho vorgestern überraschend in den Hungerstreik.

Und die brasilianischen Medien berichten wahrhaftig detailliert über jeden Schritt des Kandidaten. Wo er sich aufhält, mit wem er redet. Die Zeitungen veröffentlichen täglich das vom Arzt veröffentlichte Gewicht. Sie schreiben, dass er eine Pille geschluckt hat, aber man nicht weiss, was für eine. Sie beschreiben die Parteizentrale mit dem kleinen Bad mit Dusche und dem Kühlschrank mit Wasser. Entsprechend der politischen Richtung der Zeitung wird des entweder äusserst seriös oder voller Ironie veröffentlicht. Wohl dem, der wie ich im Internet mehrere Quellen auswertet. Trotzdem konnte ich mir obige Einleitung nicht verkneifen. Mir kam Helmut Kohl in den Sinn, der vielleicht dies nach den ersten Vorwürfen bezüglich Parteispenden und „schwarze Kassen“ hätte machen sollen. Wie hätte da wohl die Bild-Zeitung reagiert?

Hier ist es auf alle Fälle derzeit eine Riesenshow. Selbst Lula kann sich die Ironie nicht verkneifen. Und eines hat Garotinho damit jedoch erreicht: Über die Finanzgeschichte wird weitaus weniger berichtet als vorher. Korruption ist hier nichts Neues. Fastende Politiker dagegen schon.

Nachtrag:

Soeben auf Brasilienkunde.de gelesen:

Garotinho im Hungerstreik

Der von der PMDB eventuell als Präsidentschaftskandidat vorgesehene Antonio Garotinho, Ex-Gouverneur von Rio de Janeiro, begann am 30.4.006 einen unbefristeten Hungerstreik. In einer vor der Presse verlesenen Erklärung mit den Titel “An die brasilianische Nation”, der stark an den Abschiedsbrief Getúlio Vargas erinnert, schreibt Garotinho: “Sie werden mit ihren Lügen nicht meine Ehre und mein dem brasilianischen Volk gewidmetes Leben zerstören.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Christian

    Und das in einem Land in dem ein nicht geringer Teil der Bevölkerung Hunger leidet! Wie politisch inkorrekt ist das denn?

    Wird aber wie üblich enden: Ein Politiker wird sein Wort nicht halten!

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