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Brasiliens Skandal-Politiker Clodovil Hernandes nach Hirnblutung im Koma

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Datum: 16. März 2009
Uhrzeit: 17:54 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Immer für Skandale zu haben: TV-Entertainer und Politiker Clodovil (Foto: Divulgação)

Der bekannte brasilianische TV-Moderator und Politiker Clodovil Hernandes wurde am frühen Montagmorgen in Brasília in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach Angaben den behandelnden Ärzte hatte der 71-jährige in der Nacht eine Hirnblutung erlitten und wurde von einer Mitarbeiterin bewusstlos neben dem Bett vorgefunden. Er liegt seitdem im tiefen Koma. Seine Überlebenschance ist nach letzten medizinischen Untersuchungen als äusserst gering einzuschätzen.

Clodovil gehört mit Sicherheit zu den schillernsten Persönlichkeiten in der brasilianischen Medienlandschaft und ist zugleich einer der umstrittensten Politiker im grössten Land Südamerikas. 1937 im Hinterland von São Paulo geboren, wurde er von einem spanischen Immigranten-Ehepaar adoptiert. Seine leiblichen Eltern hat er nie kennen gelernt. Nach dem Besuch einer streng katholischen Schule liess er sich zunächst als Lehrer ausbilden, stieg dann jedoch in die Modebranche ein. In den 60er Jahren avancierte er zu einem national bekannten Stylisten und erhielt schon bald eine eigene Fernsehsendung.

Unter anderem sorgte der bekennende Homosexuelle in den 80er Jahren mit einer TV-Show speziell für Frauen für Aufsehen. Immer wieder wurde er jedoch aufgrund umstrittener und beleidigender Äusserungen von den Bildschirmen verbannt. Selbst in Livesendungen hielt er sich mit ordinären Äusserungen gegenüber anwesenden Kollegen nicht zurück. 2004 beleidigte er zudem eine Abgeordnete als „macaca“ [weiblicher Affe] und wurde wegen rassistischen Äusserung zu einem Schmerzensgeld verurteilt.

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Clodovil: Schillernd und extravagant, aber auch rassistisch und antisemitisch (Foto: Divulgação)

2006 kandidierte Clodovil dann im Bundesstaat São Paulo für einen Platz als Kongressabgeordneter in Brasília und erlangte auf Anhieb die drittmeisten Stimmen. Seinen Wahlkampf für die christliche Arbeiterpartei PTC spickte er mit sexistischen Anspielungen und rühmte sich danach, der erste homosexuelle Kongressabgeordnete Brasiliens zu sein. Zur Überraschung vieler sprach er sich dann jedoch gegen die jährliche Schwulenparade und die Home-Ehe aus.

Nachdem er im Jahr 2007 die Partei gewechselt hatte, drohte ihm der Verlust des Mandats, da der oberste Gerichtshof zuvor beschlossen hatte, dass der Sitz im Kongress der Partei und nicht dem Kandidaten gehört. Erst vor wenigen Tagen trug Clodovil auch hier einen Sieg davon, da das Gericht zur Auffassung kam, dass der extravagante Politiker einer „internen Verfolgung“ ausgesetzt war, welcher den Wechsel zur Republik-Partei (PR) gestattete. Doch dafür zahlt er vielleicht einen hohen Preis. Denn der durch das Verfahren und die Verhandlungen provozierte Stress der letzten Wochen könnte unter Umständen die neuerliche Hirnblutung ausgelöst haben. Dies mutmasste zumindest seine Sektretärin Susana Collares kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus am Montagmorgen.

Im brasilianischen Kongress und in seiner Funktion als Abgeordneter sorgte Clodovil durch seine Äusserungen regelmässig für Skandale. In einem Radiointerview hatte er 2006 unter anderem behauptet, die Juden hätten den Holocaust manipuliert und den Anschlag auf das Word Trade Center in New York begünstigt. Auch bezeichnete er Menschen afrikanischer Abstammung als „Kreolen voll mit Komplexen“. 2007 sorgte er erneut für Aufregung, als er im Kongress Frauen als „ordinär, vulgär und voll mit Silikon“ charakterisierte, welche „liegend arbeiten und sich im Stehen ausruhen.“

Clodovil wurde bereits im Juni 2007 sieben Tage aufgrund einer leichten Hirnblutung im Syrisch-Libanesischen Krankenhaus von São Paulo behandelt. In der akuten Situation kann aufgrund der Schwere des Falles nach Aussage der behandelnden Ärzte nicht operiert werden, lediglich ein lokaler Abfluss wurde gelegt. Zur Stunde könne man nur auf eine Besserung des Zustandes hoffen, dies sei jedoch nach vorliegenden Erkenntnissen sehr unwahrscheinlich.

Update: Wie das Krankenhaus am Montagabend Ortzeit mitteilte, hat sich der Zustand des Parlamentariers im Laufe des Tages weiter verschlechtert. Am Nachmittag erlitt Clodovil einen fünfminütigen Herzstillstand, konnte jedoch reanimiert werden. Selbst wenn er die Hirnblutung überlebt – wonach es derzeit nicht aussieht – wird der Politiker auf jeden Fall schwere und irreparable Hinrnschäden davontragen.

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