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Maria da Penha: die Geschichte einer Qual voller Hoffnung

Datum: 13. März 2008
Uhrzeit: 21:41 Uhr
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Autor: Dietmar Lang
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maria da penhaDen Namen „Maria da Penha“ kennt in Brasilien fast jeder. Heute steht er vor allem für ein Gesetz, welches Gewalt gegen Frauen in Brasilien bestraft. Es geht dabei vor allem um die häusliche Gewalt zwischen Lebensgefährten und Ehepartnern. In einem Land, wo oftmals noch die Meinung vorherrscht, der Mann als „Macho“ habe das Recht, seine Frau oder Freundin körperlich zu massregeln, hat dieses Gesetz zwischenzeitlich viel für die Rechte der Frauen bewirkt. Mehr Selbstbewusstsein, mehr Mut sich zu wehren – die Frauenbewegung in Brasilien kann mittlerweile mehrere erfolgreiche Kampagnen zurückblicken. Und immer häufiger werden die Übeltäter inzwischen bestraft.

Und dies ist vor allem Maria da Penha verdanken. Ein Name einer extrem misshandelten Frau, die stellvertretend für die vielen Schicksale in Brasilien steht – und deren Peiniger bis heute nicht richtig bestraft wurde. Denn der Name Maria da Penha steht auch für einen unbegreiflichen Justizskandal in Brasilien. Und für eine Frau, die mehr als zwei Jahrzehnte für ihr Recht und die Rechte aller brasilianischen Frauen kämpft. Doch wer ist eigentlich diese Frau?

1983 wurde die Biopharmazeutin Maria da Penha Maia Fernandes von ihrem Mann, dem Wirtschaftsprofessor Marco Antonio Herredia Viveiros regelmässig verprügelt. Eines Abends schoss er ihr sogar in den Rücken. Maria da Penha ist seitdem querschnittsgelähmt.

In zwei Prozessen wurde Marco Antonio verurteilt, 1991 und 1996, hat jedoch seine Strafe nie abgesessen. Und dies, obwohl er wegen zwei Mordversuchen verurteilt wurde. Im zweiten Fall hatte er in einem weiteren Akt der Unmenschlichkeit versucht, seine Frau mit Elektroschocks umzubringen. Noch immer wird der Fall verhandelt, noch immer hat eine Jury nicht endgültig entschieden.

Bereits 1988 hat das Zentrum für Justiz und internationales Recht sowie das Kommitee für Lateinamerika und die Karibik zum Schutz der Frauenrechte gemeinsam mit Maria da Penha den Fall vor die interamerikanische Kommission für Menschenrechte der Organisation amerikanischer Staaten gebracht, da der Fall in Brasilien einfach nicht verhandelt wurde und kein definitives Urteil gefällt wurde.

Brasilien beantwortete den Fall vor der Kommission einfach überhaupt nicht, bis im Jahr 2001, 18 Jahre nach der Tat, die interamerikanische Kommisssion für Menschenrechte den brasilianische Staat für diese Nachlässigkeit und das Versäumnis verantwortlich machte und verschiedene Massnahmen im Zusammenhang mit dem Fall Maria da Penha einforderte, darunter die Zahlung eines Schmerzensgeldes von 20.000 U$-Dollar. Zudem wurde der brasilianische Staat aufgefordert, entsprechende Massnahmen zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen zu ergreifen.

2003 wurde dann Marco Antonio tatsächlich eingesperrt, allerdings schon zwei Jahre später wieder entlassen. Viele Einsprüche und ärztliche Atteste verhalfen ihn zu der neuerlichen Freiheit, in welcher er sich noch immer befindet.

Nun steht im brasilianischen Bundesstaat Ceará ein Gesetzentwurf zur Abstimmung, welcher Maria da Penha zu einem Schmerzensgeld von 60.000 R$ (ca. 23.000 Euro) verhelfen könnte. Sieben Jahre nach dem Urteil der interamerikanischen Kommission für Menschenrechte. Allerdings müssen die lokalen Abgeordneten noch zustimmen. Dieses Geld soll eine Entschädigung für die lange Verzögerung des Prozesse und für die erlittenen seelischen, moralischen und auch wirtschaftlichen Schäden sein.

Ein Vierteljahrhundert nach der Tat hat dies jedoch einen extrem schalen Beigeschmack, besonders wenn man bedenkt, dass der Täter nie seiner gerechten Strafe zugeführt wurde. Aber trotzdem wird es den misshandelten Frauen in Brasilien Mut machen, sich zur Wehr zu setzen und die eigenen verfassungsmässigen Rechte einzufordern – und dazu gehört nun auch einmal die körperliche Unversehrtheit.

Maria da Penha darf zurecht als nationales Symbol für „häusliche Gewalt“ angesehen werden, das entsprechende Gesetz Nr. 11.340/2006 wurde von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva am 07. August 2006 unterzeichnet und trat am 22. September 2006 in Kraft.

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