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Brasilien und der Bush – Besuch

Datum: 08. März 2007
Uhrzeit: 17:41 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Gibt es heute eigentlich noch andere Themen als der Besuch des US-Präsidenten Bush in Brasilien? Schaut man in die brasilianischen Medien, so dreht sich alles um den Kurzaufenthalt des „amerikanischen Imperialisten“, wie es die Gegner so leidenschaftslos ausdrücken.

Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als ob der Präsident nicht unbedingt willkommen ist. Liegt es an seinen Kriegen? An seinen Bemühungen, den lateinamerikanischen Kontinent Stück für Stück zu unterjochen und dem Versuch, seine dortigen Kritiker zu isolieren?

Gestern brannte eine Bush-Puppe in Brasília, sogar die linksgerichtete Präsidentschaftskanditatin der letzten Wahl, Helena Hoisa war mit von der Partie. Heute roch es ganz gewaltig in Porto Alegre nach verbranntem Stoff und in São Paulo blockieren zur Stunde mehrere tausend Protestler die Avenida Paulista, eine nicht unbedingt unwichtige Arterie im dortigen Verkehrschaos. Der Staat reagierte natürlich sofort. Schliesslich will man dem „grossen Bruder“ gegenüber nicht unvorbereitet erscheinen. Truppen rückten bereits am frühen Morgen in der Wirtschaftsmetropole ein, 1000 Polizisten werden am Nachmittag den Fahrtweg zum Hotel sicherstellen und seit Tagen schaut der amerikanische Sicherheitsdienst sprichwörtlich in jeden Mülleimer in der Nähe. Eine Tageszeitung sprach inzwischen von einer „Hollywoodinszenierung“ – und ganz unrecht haben sie damit nicht.

Doch um was geht es bei dem Besuch, den soviele gerne nicht gesehen hätten. Bekannt wurde zum Beispiel, das die First Lady Laura Bush ein bisschen durch die Stadt fahren wird, was nur geringfügige Sperrungen zur Folge haben wird. Dann werden aus den täglichen 160 Kilometer Stau kurzfristig mal 200 Kilometer. Aber ich komme vom Thema ab ….

Der US-Präsident, so lassen sich die Agenturmeldungen interpretieren, will Lula da Silva auf seine Seite und somit gegen den venezulanischen Präsidenten Hugo Chavez ziehen. Lula hat aber darauf gar keinen Bock und bereits angekündigt, mit Bush nicht über dieses Thema sprechen zu wollen. Lula geht es nämlich um Alkohol. Nicht um den, den er zwischen seinen Amtsgeschäften angelblich immer zu sich nehmen soll, vielmehr um die amerikanischen Strafzölle bei der Einfuhr des beliebtesten Kraftstoffes in Brasilien – Ethanol. Denn die Amerikaner können aus Mais den Alkohol zwar produzieren, er ist trotzdem rund viermal so teuer wie der brasilianiche Zuckerrohr-Sprit. Und Bush hat eigentlich keine Lust, seine Landsleute der ausländischen Konkurrenz so einfach preiszugeben. Da ist guter Rat teuer.

Fast hätte ich es vergessen zu erwähnen: Hat Lula den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler heute vormittag noch in seinem Amtssitz in Brasília empfangen, so macht sich der ehemalige Schuhputzer aus dem Nordosten natürlich Morgen früh auf den Weg ins zum weissen Haus umgerüstete Hotel „Hilton Morumbi“ in São Paulo, wo er dann, wenn ihn die CIA durchlässt, vielleicht vom angeblich mächtigsten Mann der Welt empfangen wird.

Wenn die beiden sich dann doch noch um die Mittagszeit zum Plausch treffen, ist es eigentlich ruhig in der Stadt. Nur der Horst Köhler wird auf den dortigen Gouverneur treffen und die Laura wird wohl Shoppingcenter oder Waisenhäuser unsicher machen. Und der George wird versuchen, dem Lula einzureden, das alles gut wird auf der Welt. Achja, die Paulistas stehen dann im Stau. Aber das sind sie ja schliesslich gewohnt.

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