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Brasiliens Evangelikale wollen Gesetz zur Christophobie durchsetzen

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Eine "Kreuzigung" auf der Gay-Parade in São Paulo sorgt derzeit für Empörung in Brasilien (Foto: Reproduktion/Twitter)
Datum: 16. Juni 2015
Uhrzeit: 21:41 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar

Die evangelikalen Kirchen in Brasilien gewinnen auch in der Politik immer mehr an Einfluss. Nun wollen strenggläubige Kongressabgeordnete eine Gesetzesveränderung erreichen, mit der die „Christophobie“ härter bestraft werden soll. Damit könnte die Störung eines Gottesdienstes oder die Verhöhnung christlicher Symbole als schweres Verbrechen eingestuft und mit einem Freiheitsentzug von bis zu acht Jahren bestraft werden.

Während vor allem aufgrund des Einflusses der evangelikalen Abgeordneten im brasilianischen Kongress ein Gesetz zur Kriminalisierung der Homophobie seit acht Jahren nicht vorankommt, wollen die religiösen Fundamentalisten nun ein Gesetz zur Christophobie durchsetzen. Auch wenn Brasilien ein areligiöser und weltlicher Staat ist, argumentieren die Befürworter damit, dass die Christen die größte Mehrheit stellten und sie und ihre Religion deshalb geschützt werden müsse.

Angeheizt wurde die Diskussion auch durch die jüngste Gay-Parade in São Paulo am 7. Juni. Bei dieser hat die transsexuelle Viviany Belboni sich “kreuzigen“ lassen. Gerade bei den Abgeordneten, die den Pfingstkirchen nahe stehen, hat dies einen Aufschrei ausgelöst. Sie haben kurzerhand die Abstimmung zur politischen Reform in der Abgeordnetenkammer unterbrochen, Banner gegen die Gay-Parade hochgehalten, lautstark ein Vater Unser gebetet und ihren Protest mit „Viva Jesus Christus“ Rufen Ausdruck verliehen. Die nach ihrer Ansicht beleidigende Handlung der Transsexuellen benutzen nun auch als Argument für das Christophobie-Gesetz und fordern sogar einen Dringlichkeitsstatus dafür.

Der umstrittene Gesetzesvorschlag hat allerdings auch einige Gegner, von denen die Meinungsfreiheit ins Feld geführt wird. Darüber hinaus können beleidigende und verhöhnende Handlungen sowie religiöse Missachtung schon jetzt geahndet und mit einem Bußgeld und einer Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu einem Jahr belegt werden.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Elvenpath

    Diesen Evangelikalen ist nicht an Menschenrechten, Antidiskriminierung oder irgend einem humanistischen Wert interessiert.
    Es geht bei dieser Selbstviktimisierung knallhart um die Unterdrückung Andersdenkender, darum den eigenen Glauben für sakrosankt zu erklären.
    Die Evangelikalen stellen sich als Opfer dar, um Vorrechte für ihre Religion zu erlangen. Diese Vorrechte werden dann für die Diskriminierung und Unterdrückung unliebsamer Personen eingesetzt.

    Wieder zeigt sich, dass Religionen gegen die Menschen gerichtet sind und sich hauptsächlich um ihre eigene Macht kümmern. Dazu ist ihnen so ziemlich jedes Mittel recht.