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Brasiliens Haftsystem mehr als ineffektiv

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Die Gefängnisse in Brasilien sind notorisch überfüllt (Foto: Luiz Silveira/Agência CNJ)
Datum: 05. Juni 2015
Uhrzeit: 17:45 Uhr
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Die brasilianischen Gefängnisse werden immer voller. Bei der Sicherheit des Landes schlägt sich dies allerdings nicht nieder. Spezialisten stellen deshalb das Infhaftierungssystem in Frage. Mit über 500.000 einsitzenden Männern und Frauen steht Brasilien hinter den USA und China weltweit an dritter Stelle bei der Zahl der Inhaftierten. Betroffen sind vor allem Jugendliche und Schwarze, wie aus der Studie Mapa do Encarceramento hervorgeht, die von der UNO und verschiedenen brasilianischen Einrichtungen am Mittwoch (3.) veröffentlicht worden ist.

Laut der Studie ist die Zahl der in Brasilien inhaftierten Menschen zwischen 2005 und 2012 um 74 Prozent von 296.918 auf 515.482 gestiegen. Die Zahl der eingesperrten Frauen ist im gleichen Zeitraum um 146 Prozent gestiegen. Mit 54,8 Prozent sitzen vor allem Männer und Frauen zwischen 18 und 29 Jahren hinter Gittern. Schwarze haben dabei eine um 1,5 mal höhere Chance eingesperrt zu werden als Weiße.

Zu den überfüllten Gefängnissen trägt auch das langsame Justizsystem in Brasilien bei. So sind etwa 38 Prozent der Gefangenen provisorisch inhaftiert oder warten noch auf ihre Verurteilung. Lediglich 31 Prozent sind im offenen oder halboffenen System untergebracht.

Etwa 70 Prozent der Freiheitsentzüge gehen auf kriminelle Taten im Zusammenhang mit Sachschäden, Raub oder Diebstahl sowie Drogen zurück, während Schwerverbrechen wie Mord und Totschlag lediglich mit zwölf Prozent zu Buche schlagen. Kritisiert wird in dem Zusammenhang, dass bei den Schwerverbrechen lediglich eins von zehn aufgeklärt werden, wie Bruno Langeani vom Institut Sou da Paz konstatiert.

Spezialisten fordern längst Veränderungen. Statt Kleinverbrecher wegzusperren, sollten alternative Strafen verhängt und die Täter resozialisiert werden, fordern sie. Kritisiert wird von ihnen ebenso das Modell selbst Träger von geringen Drogenmengen festzunehmen. Dies würde lediglich zu einer Erhöhung der Inhaftiertenzahlen beitragen und zeitige keinerlei Auswirkungen auf den Drogenmarkt und die Gewalt. Mit dem derzeitigen Inhaftierungssystem Brasiliens würden lediglich kriminelle Organisationen gestärkt, sind sie sich sicher und fordern ein Umdenken.

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