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27. Juni 2012 - 20:54h | Aktualisiert: 10. Juli 2012 - 16:34h

Rio+20: Die Jugend der Welt ohne Stimme

Major Group for Children and Youth darf Abschluss-Statement nicht halten

Die UN-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung war nicht nur als Treffen der 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen geplant, erstmalig sollte auch die Zivilgesellschaft gleichberechtigt daran teilnehmen. Der „Major Group for Children and Youth“, also dem Interessenverband für Kinder und Jugendliche, wurde von der UNO sogar „volle Partizipation“ versprochen. Die Konferenz ging am vergangenen Freitag zu Ende und noch während der Abschluss-Zeremonie war die Beteiligung der Jugendvertreter Geschichte.

Für Kiara Worth von der „Major Group for Children and Youth“ hat die Jugend bei Rio+20 keine Stimme gehabt

Die „Major Group for Children and Youth“ hatte wie zahlreiche andere Delegationen für die abschließende Sitzung ein entsprechendes Dokument vorbereitet, durfte es jedoch am Ende nicht vortragen. Kiara Worth, Mitorganisatorin der Gruppe, erklärte noch am Freitagabend vor dem Konferenzgebäude gegenüber IAP / agência latina press: „Wir haben eine zweieinhalb Minuten lange Abschlusserklärung ausgearbeitet, um die Ergebnisse der Konferenz zu reflektieren. Und vorhin hat man uns gesagt, dass es uns nicht erlaubt wird, diese Rede zu halten, da keine Zeit dafür da sei“. Ihrer Meinung nach zeige dies, dass die Zivilgesellschaft bei Rio+20 keine Stimme habe. Das vollständige Video finden Sie am Ende dieses Artikels.

Dabei ging es bei der mit gigantischem Aufwand realisierten Konferenz alleinig um die Zukunft des Planeten und damit um die zukünftigen Generationen. Der mühsam ausgehandelte Kompromiss der nur noch 49 Seiten umfassenden Abschlusserklärung spiegelte schon im Vorfeld den fehlenden Willen der mehr als 100 angereisten Staats- und Regierungschefs wider. In keinem der Paragrafen wurden klare Ziele vereinbart, lediglich Absichtserklärungen sind zu finden. Diskutiert wurde am Ende darüber auch nicht mehr. Schon vor der abschließenden dreitägigen Hauptkonferenz war das Papier von den Verhandlungsführern der Delegationen beschlossen worden.

Während sich die Regierungsvertreter im Plenarsaal zu Schluss gegenseitig applaudierten und das Dokument mit dem Titel „Die Zukunft, die wir wollen“ in ihren Pressestatements als „richtungsweisend“ oder „Arbeitsauftrag“ aber keinesfalls als Rückschritt bezeichneten, übten Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen harsche Kritik. Greenpeace sprach unter anderem von einem „Scheitern von epischen Ausmaßen“ und dem „Tag der Luftblasen“. Andere Gruppen der Zivilgesellschaft wiederum protestierten gegen die Abschluss-Deklaration mit dem Slogan „Die Zukunft, die wir nicht wollen“ oder „Die Zukunft, die wir ertragen müssen“.

Kritik ist daher auch in dem Statement der Jugendvertreter zu finden. Diese hatten sich im Vorfeld der Konferenz große Hoffnungen gemacht. Bei einer im Vorfeld organisierten eigenen UN-Jugendkonferenz in Rio de Janeiro hatten dafür Jugendliche aus der ganzen Welt ihre Wünsche und Vorstellungen für eine „nachhaltige Entwicklung“ und „grüne Ökonomie“ formuliert. Sie hatten dabei vor allem auf die Worte von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vertraut. Dieser hatte stets betont, dass der Gipfel eine Chance sei, die nur einmal in einer Generation vorkomme.

„Sie sollten Führungskraft beweisen. Ihre Arbeit war es nicht nur, einen Konsens zu finden. Es war Ihre Verantwortung sich festzulegen, Engagement zu zeigen und zu leiten. Sie haben versagt“ ist daher auch im Abschluss-Statement der „Major Group for Children and Youth“ nachzulesen. Die junge Generation hinterfragt zudem, wo sie ihre eigene Stimme und die Stimmen der Kinder und Enkel in der Abschlussdeklaration finden könnten. „Wenn dieser Stapel Papier unsere gemeinsame Zukunft ist, dann haben Sie unser Schicksal verkauft und unser aller Zerstörung gefördert“ so die forsche Schlussfolgerung der Gruppe.

Und vielleicht gerade deshalb will sich Kiara Worth auch weiterhin für die zukünftigen Generationen einsetzen und dieser eine Stimme geben. Die Südafrikanerin ist gerade wegen des Scheiterns des UN-Gipfels noch stärker motiviert. Gemeinsam mit der „Major Group for Children and Youth“ will sie in den kommenden Jahren genau das erreichen, was die Weltgemeinschaft bei Rio+20 versäumt hat. Mit dem Satz „Wir lassen uns nicht beirren“ endet dann auch bezeichnenderweise die an „alle Politiker der Welt“ gerichtete Erklärung.

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