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Korruption in Brasilien senkt Pro-Kopf-Einkommen um 15%

Korruption in Brasilien

Datum: 16. November 2011
Uhrzeit: 14:54 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Die anhaltende Korruption in Brasilien verursacht jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von umgerechnet bis zu 30 Milliarden Euro. Dies geht aus einer nun vom Industrieverband São Paulo (FIESP) veröffentlichten Studie hervor. Demnach sei Korruption nach wie vor in allen Teilen des Landes und in allen privaten und öffentlichen Bereichen anzutreffen. Besonders alarmierend seien dabei die
Auswirkungen in den Schlüsselbereichen wie Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Wohnraum oder Wasser- und Abwasserversorgung.

Nimmt man die von der Presse aufgedeckten oder aus dem privaten Sektor gemeldeten Fälle als Grundlage – wobei hier noch hohe Dunkelziffern angenommen werden dürfen – sind die finanziellen Auswirkungen für die Bevölkerung enorm: ohne Korruption könnte das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Brasilien bei 9.000 US-Dollar liegen und damit um 15,5 Prozent höher als momentan.

Laut den ermittelten Daten von 2008 liegen die durchschnittlich verursachten jährlichen Kosten durch die fortwährende Korruption bei 1,38 bis 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und damit zwischen 41,5 Milliarden (17,5 Mrd. Euro) und 69,1 Milliarden Reais (30 Mrd. Euro). Zwischen 1990 und 2008 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Brasilien bei durchschnittlich 7.954 US-Dollar. Wäre das größte Land Südamerikas innerhalb der Länder mit der geringsten Korruption, würde dieser Wert automatisch auf 9.184 US-Dollar ansteigen. Dies entspräche der errechneten Steigerung von 15,5 Prozent innerhalb des Zeitraums oder 1,36 Prozent jährlich.

Laut dem weltweiten Korruptionsindex von „Transparency International“ belegt Brasilien derzeit Rang 75 von 180 untersuchten Ländern. Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei eine höhere Zahl eine geringer Korruption im Land aufweist, kommt Brasilien auf die Note 3,7. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,03 Punkten. Durch die Korruption fehlen dem Staat zudem umfangreiche finanzielle Mittel, so die Studie weiter. Diese könnten daher nicht in die nachfolgend beispielhaft aufgeführten wichtigen sozialen und wirtschaftlichen Projekte investiert werden.

  • Im Bildungsbereich könnten statt 34,5 Millionen insgesamt 51 Millionen Kinder und Jugendliche öffentliche Schulen besuchen, ein Anstieg von 47 Prozent oder 16 Millionen Schülern.
  • Die Bettenzahl in öffentlichen Krankenhäusern, derzeit 367.397, könnte um 89 Prozent oder 327.012 Betten erhöht werden.
  • Durch das Programm zur Beschleunigung der Wirtschaft (PAC) soll sozialer Wohnraum für 3.960.000 Familien geschaffen werden. Ohne Korruption könnten weitere 2.940.371 Familien davon profitieren.
  • Laut PAC sollen 22,5 Millionen Haushalte an das Wasser- und Abwassernetz angeschlossen werden. Hier könnte das Engagement mehr als verdoppelt werden. Eine Versorgung reduziert die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung und damit auch die Kindersterblichkeitsrate.
  • Die Schienenwege könnten ohne Korruption von den geplanten 2.518 Kilometer auf 13.230 Kilometer erweitert werden. Rechnerisch könnten mit den Geldern auch 172 neue See-Häfen oder 277 neue Flughäfen gebaut werden.

Die Auswertung zeigt jedoch auch, dass es in Brasilien durchaus Bestrebungen gibt, die Korruption einzudämmen. Eine Maßnahme ist das kürzlich von Senat und Kongress verabschiedete Informationsfreiheitsgesetz, welches jedem Bürger das Recht auf Auskunft bei öffentlichen Maßnahmen gewährt. Laut Jorge Hage, Chef-Minister für Rechnungsprüfung des Präsidialamtes, ist Transparenz stets die beste Vorbeugung im Kampf gegen Korruption und die Verschwendung von Steuergeldern. Bereits jetzt gebe es mit dem „Transparenz-Portal“ eine Seite im Internet, auf der jeder Bürger Informationen über die Verwendung öffentlichen Gelder abrufen könne. Durch die Neuregelung seien ab sofort sogar für jedermann tagesaktuelle Berichte einsehbar, früher sei dies nur für Behörden möglich gewesen.

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