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Wie funktionieren die elektronischen Urnen in Brasilien?

biometrie

Datum: 02. Oktober 2010
Uhrzeit: 15:31 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Bei den Wahlen in Brasilien wird schon seit Jahren nicht mehr mit der Hand abgestimmt. Elektronische Urnen haben längst die Stimmzettel ersetzt, hinzu kommt eine biometrische Registrierung des Wählers, um Stimmenklau und Doppelabstimmungen zu unterbinden. Die oberste Wahlbehörde des Land ist von der Zuverlässigkeit der Geräte überzeugt und zuversichtlich, das wie bei den Wahlen zuvor lediglich einzelne Urnen am Wahltag aufgrund technischer Probleme eventuell ausgetauscht werden müssen.

Doch was ist die „elektronische Urne“ genau und wie funktioniert sie? Schließlich müssen darüber – es herrscht Wahlpflicht in Brasilien – fast 136 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben. Das brasilien Magazin stellt den modernen Wahlprozess in Brasilien genauer vor. Sämtliche Ergebnisse werden zudem anschliessend ins Internet eingespielt und können so faktisch in Echtzeit mitverfolgt werden. Mit endgültigen Resultaten wird daher bereits wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale gerechnet. Weit vor Mitternacht Ortszeit steht dann schon fest, ob es z.B. bei den Präsidentschaftswahlen zu einer Stichwahl am 30. Oktober kommt oder sich ein Kandidat bereits im 1. Wahlgang durchsetzen konnte.

  • Die elektronische Urne ist ein Mini-Computer, welcher speziell für die Wahlen entwickelt wurde. Er ist äußerst robust, handlich und klein und verfügt über eine eigene Stromversorgung.
  • Teil der Urne ist zudem ein separates biometrisches Erfassungsgerät. Hierüber muss sich der Wähler erst per Daumenabdruck identifizieren, erst dann wird die Urne für die Stimmabgabe freigeschaltet.
  • Die Urnen werden am Wahltag im Beisein der lokalen Wahlvorstände sowie Zeugen der verschiedenen Parteien eingeschaltet. Für jeden Wahlbezirk wird dafür zudem ein entsprechendes Protokoll ausgedruckt, auf dem sämtliche Kandidaten aufgelistet sind und deren Stimmenanzahl zu diesem Zeitpunkt „Null“ betragen muss.
  • Sollte ein Gerät defekt sein, kann es gegen ein anderes Gerät noch ausgetauscht werden. Die regionalen Wahlbehörden bevorraten entsprechende Ersatzgeräte. Dies kann auch während des Wahlgang noch erfolgen.
  • Um 8 Uhr Ortszeit beginnen dann die Wahlen, sie enden landesweit um 17 Uhr Ortszeit. Brasilien verfügt über drei Zeitzonen. Der Wahlprozess beginnt somit um 7 Uhr Ortszeit Brasília auf dem Archipel Fernando de Noronha und endet um 18 Uhr Ortszeit Brasília im Westen und Norden des Landes. Um Wählen zu können, muss der Wahlpflichtige unbedingt ein amtliches Dokument mit Lichtbild bei sich führen, z.B. den Personalausweis, einen Reisepass oder das Arbeitsbuch. Der Wählerausweis ist nicht notwendig bzw. reicht nicht aus.
  • Die Wahl wird über ein numerisches System durchgeführt. Hierfür wurde jedem Kandidaten eine Nummer zugewiesen. Nach Eingabe der Nummer sieht der Wähler den Kandidaten mit Bild auf dem Display. Nun hat er die Möglichkeit, seine Eingabe zu korrigieren oder zu bestätigen. Die Daten werden verschlüsselt auf einer Speicherkarte abgelegt, allerdings ist es nicht möglich, die Stimmen dem entsprechenden Wähler zuzuordnen.
  • Wenn um 17 Uhr die Wahllokale schließen, werden die Daten erneut verschlüsselt und auf eine Diskette oder Memory-Stick überspielt. Diese kommen dann zum regionalen Wahlbüro. Sämtliche Daten sind digital signiert. Sollte der Verdacht einer Manipulation bestehen, kann darüber die Echtheit der übermittelten Daten kontrolliert werden, auch nachdem die Urne bereits abgeschaltet wurde.
  • Beim Eintreffen der Daten bei der regionalen Wahlbehörde wird zunächst die digitale Signatur überprüft. Besteht sie die Echtheitsprüfung, werden die Daten als echt und gültig angesehen und in das entsprechende System eingespielt. Währenddessen werden immer wieder Konsistenzprüfungen durchgeführt, um eventuelle Abweichungen zu ermitteln.

Foto: Abr

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  1. Wieder so ein System, das nach außen hin sicher erscheint aber so viele Ansetztpunkte zur Manipulation bietet, dass es wirklich nur jemand wollen muss um sich einen Vorteil damit zu verschaffen.