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Keine Symphatie für Landlose

Datum: 06. Juni 2006
Uhrzeit: 20:18 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Die „Landlosen“ haben wohl endgültig jegliche Symphatie bei der Bevölkerung verloren. Während in verschiedenen Bundesstaaten die MST protestierten, randalierten und für andere Aufregung sorgten, gingen vornehmlich die Bilder der MLST über die Nachrichtenagenturen. Die Invasion des brasilianischen Parlaments und die verzweifelten Versuche der Sicherheitsdienste, der Lage Herr zu werden, veranlassten heute die Kommentatoren zu scharfer Kritik. „Es war ein Angriff gegen die Demokratie. Und die Demokratie besteht auch aus der Exekutive, die das Volk zu schützen hat. Doch diese Exekutive hat heute versagt.“ hörte ich heute persönlich in einer Nachrichtensendung von TV Tarobá. Auch die Stimmen der Nachrichtensprecher auf Rede Record und TV Globo war bei den besagten Berichterstattungen ungewöhnlich scharf. 23 Verletzte, fast ausschliesslich Mitarbeiter des Parlamentes und Sicherheitskräfte und nur ein einziger verhafteter Demonstrant sorgen für Unmut in der Bevölkerung. Zumal die „Demonstranten“ dann friedlich unter Polizeibewachung abzogen. Hier ein paar Bilder des heutigen „Überfalls“:

Das es zu solchen Szenen kommen konnte, ist vermutlich auch der Gesetzeslage zuzuschreiben. Militär und Militärpolizei haben keinen Zutritt zum Parlament. Und die Sicherheitskräfte innerhalb des Parlamentes sind unbewaffnet. Alles Regeln, die sich aus der neuen brasilianischen Demokratie nach der Militärdiktatur ergeben haben.

Derzeit sollen sich noch ca. 400 Demonstranten in der Nähe des Regierungsviertels aufhalten. Das Schlimmste, was die Regierung nun machen kann, ist diesen Verbrechern noch Land zu schenken. Obwohl ich eigentlich Gewalt ablehne war mein erster Gedanke bei den Bildern im Fernsehen: „Wann kommt endlich jemand und prügelt denen Verstand ins Hirn. Und wenn das nicht hilft: Dann einfach nur niederknüppeln.“ Man solle mal überlegen, wie Deutschland reagieren würde, sollte der Mob in den Reichstag einfallen.

Ständig geraten die Landlosen in die Schlagzeilen durch Landbesetzungen, gewalttätige Demonstrationen und blinde Zerstörungswut. Als ich bei den Nachrichten zu meiner Frau, die noch weniger Symphatie für die MST oder MLST besitzt wie ich, sagte, dass man alle einsperren sollte, die da so friedlich abmarschieren, sagte sie: „Die kannst du nicht einsperren. Sind doch viel zu viele. Wir haben ja noch nicht mal Platz für die echten Verbrecher.“

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Kommentarbereich

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  1. 1
    lars

    der mob ist ohne zweifel gewalttätig. die ursachen für die wut der landlosen wie auch deren reaktionen liegen wohl dennoch nicht bei den verarmten massen… was ist der grund für dein sehr emotionales posting? warum diese heftige abneigung?

  2. 2
    digdigger

    Diese Gruppierungen stellen in der brasilianischen Bevölkerung eine absolute Minderheit da. Und sie versuchen immer wieder, durch Gewaltaktionen, Besetzungen, Zerstörungen auf sich aufmerksam zu machen und fordern gleichzeitig von der „Demokratie“ die ihnen angeblich zustehende Gerechtigkeit. Da werden dann auch mal Strommasten gefällt, das ganze Ortschaften tagelang ohne Strom sind, da werden Plantagen verwüstet, da werden Strassen blockiert und regionalen Händlern der Zugang zu ihren Absatzmärkten verweigert, so dass ihnen ihr Gemüse verdirbt. Und nun diese Szenen aus Brasilia.

    Diese Gruppierungen wollen erreichen, dass sie Land vom Staat zugesprochen bekommen – kostenlos. Dieses Land, und nun muss man Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte zurückblicken, fiel irgendwann in die Hände von Grossgrundbesitzern, die es seitdem bewirtschaften. Sicherlich hätten sie unter Umständen Anrecht auf einen gewissen Ausgleich. Aber der Ton macht die Musik. Meines Erachtens haben sie nun jegliches Anrecht verspielt, weil sie sich eben nicht an die demokratischen Grundsätze halten. Und mit Diplomatie ist ihnen auch nicht zu helfen. Dann muss man halt auch zum Knüppel greifen.

    Apropos Landzusprechung: Erfahrungen, auch in Nachbarstaaten, haben gezeigt, dass kostenloses Land ihnen gar nicht hilft. Viele Anhänger der Landlosen stammen ja von den indigenen Völkern ab, die ihr Land schon immer wie Nomaden bearbeitet haben. Nach 2-3 Jahren ist es ausgelaugt und das Thema „frisches Land“ geht von vorne los. Konnte ich jetzt gerade wieder in Paraguay beobachten.

    Ich bin der Auffassung, dass der Staat im Falle der Landlosen das tut, was er beim organisierten Verbrechen in den Favelas teilweise übertreibt: Richtig durchgreifen! Aber dann kommen ja gleich die Menschenrechtsorganisationen und beklagen Übergriffe auf die indigene Bevölkerung und reden von Rassismus.

    Ich habe die vergangenen Jahre diese Berichterstattung auch in den deutschen Medien verfolgt: Wird ein Land illegal besetzt, wird randaliert, liest man nichts. Kommt die Polizei und räumt die dort errichteten Zeltstädte und es werden 2 Indianer verwundet, dann wird berichtet.

    Noch 2 konkrete Punkte auf deinen Kommentar. Die verarmten Massen haben damit gar nichts zu tun. Die haben mit anderen Problemen zu kämpfen und arbeiten meist hart fürs Überleben.

    Diesjenigen Anhänger der „Landlosen“ (also Anhänger einer Gruppierung mit einem solchen Namen) sind meines Erachtens und auch laut Auffassung der Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung nichts weiter als arbeitsscheue Vagabunden, die einfach etwas vom Staat geschenkt haben wollen.

    In der Demokratie hat auch eine solche Gruppe ihre Berechtigung, solange sie sich an die demokratischen Spielregeln hält. Diese Grenze wurde heute jedoch weit überschritten. Nun liegt es am Staat, die Ordnung wieder herzustellen und wenn es nötig sein sollte, ein Exempel zu statuieren.

  3. 3
    icaro

    nossa – hier urteilt man aber heftig und wirft mit deutschen, autoritaeren Gewaltphantasien um sich. Die MST und MLST geniessen sehr wohl ein Ansehen und eine weitgefaecherte Basis. Sie als ~arbeitsscheue Vagabunden~ versuchen zu diskreditieren gibt Aufschluss ueber eure ideologische Verhaftung. Natuerlich ist es mehr als legitim – notfalls mit Gewalt – Landansprueche durchzubringen. Ohne Frage gibt es allerdings auch viele Idioten unter ihnen…

  4. 4
    Seitenwandkletterer

    In einer modernen Demokratie liegt das Gewaltmonopol beim Staat. Dass das leider in Brasilien nicht so ist, wissen wir alle. Diese Tatsache rechtfertigt allerdings nicht, das „rechtmässige“ Landansprüche unter Nutzung von Gewalt und mit Zerstörung als Folge durchgesetzt werden. Ich stelle nicht in Zweifel, dass viele Aktionen der MST lautlos von statten gehen – warum auch immer – aber die Aktionen, die in den letzten Monaten in die Presse kamen, haben immer ein sehr schlechtes Licht auf das MST geworfen. Vielleicht sollten das MST die PR mal selbst in die Hand nehmen.
    Ein erster Schritt wäre dabei, sich von Linksideologien loszusagen. Wir erleben gerade wieder in Südamerika wie ein „linker“ Diktator (Herr Chavez) sein Land zu Grunde richtet. Auch sein Kollege aus Bolivien steht ihm in keinster Weise nach.
    Anstatt über die tendenziöse Berichterstattung in den Medien (also in TV Globo) zu klagen, sollte versucht werden eigenes Material unter die Leute zu bringen.

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