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Treffen der Generationen: Staatspräsident Lula bei Helmut Schmidt in Hamburg

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Datum: 05. Dezember 2009
Uhrzeit: 15:20 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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lula-schmidt-normalStaatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva ist nicht nicht nur einer der beliebtesten Regierungschefs des Planeten, er ist auch einer der unkonventionellsten. Am zweiten und letzten Tag seines Deutschlandbesuches warf er in Hamburg trotz engem Terminkalender die offzielle Agenda über den Haufen und plante kurzentschlossen noch einen Blitzbesuch bei Altkanzler Helmut Schmidt. Dies eröffnete er völlig überraschend den anwesenden Gästen beim Mittagessen im Rathaus der Hansestadt, zu welchem Bürgermeister Ole von Beust eingeladen hatte.

Lula plauderte dabei ein wenig aus dem Nähkästchen. So erzählte er von seiner ersten Begegnung mit Schmidt im Jahr 1979. Der damalige deutsche Bundeskanzler habe auf seiner Reise in Brasilien sehr zum missfallen der damaligen Militärdiktatur auf ein Treffen mit ihm bestanden. Er selbst war damals Gewerkschaftsführer und sass zu diesem Zeitpunkt als Rädelsführer eines illegalen Streiks im Gefängnis. Er habe ihm Hotel dann 20 Minuten mit Schmidt gesprochen, was sehr wichtig für ihn sei. Daher wolle er ihn nun besuchen. „Er ist 91 Jahre, und ich verehre ihn und bin ihm dankbar, denn er hat sich edel verhalten – das will ich ihm auch gleich sagen“ so Lula in seiner kurzen Ansprache.

Das Treffen der Generationen kam dann auch zustande, obwohl man schon zum Mittagessen fast eine Stunde in Verzug war. Nun war es Lula, der ihn unbedingt sehen wollte und Altkanzler Schmidt zollte ihm 30 Jahre nach der ersten Begegnung den Respekt, der ihm damals noch unvorstellbar erschien. So schrieb der Spiegel in seiner Printausgabe 16/1979 unter anderem in einem Bericht über die Lateinamerikareise des damaligen Bundeskanzlers:

Doch Helmut Schmidt, Mitglied der Gewerkschaft ÖTV, denkt in anderen Dimensionen. Er fühlt sich als der anerkannte Führer einer großen Industriemacht, von dem die Präsidenten, Minister und Generale viel lernen können, wenn er über Investitionen, Inflationsraten und terms of trade doziert. Geht es aber um Streiks, Atomkraftwerke und soziale Reformen, wird er ungnädig.

Das bekam, unter vielen anderen, auch der brasilianische Metallarbeiterführer Luis Ignacio da Silva, genannt Lula, zu spüren, der in Sao Paulo im Hotelzimmer des DGB-Kollegen Döding mit dem Kanzler sprach.

Lula klagte, daß ausgerechnet die Deutschen zu den härtesten Kapitalisten zählen. So habe Volkswagen do Brasil beim letzten Streik den Arbeitern, die Betriebsratswahlen und Inflationsausgleich forderten, Polizei-Einsatz angedroht. Schmidt belehrte den jungen Hitzkopf, kein Mensch werde in Brasilien investieren, wenn die Lohnstückkosten zu hoch seien. Auch weitere Beschwerden des Gewerkschafters blieben ohne Eindruck — der Mann hatte verspielt. Schmidts tödliches Verdikt: „Kein ökonomisches Wissen.“

Letzteres dürfte nun drei Jahrzehnte später deutlich gewandelt haben. Lula, heute hochgeachteter Staatschef auf der internationalen Politbühne, weiss genau was die Wirtschaft hören will. Dies was auch bei der Konferenz „Brasilien-Deutschland: Zeit für eine neue Wirtschaftspartnerschaft“ kurz zuvor deutlich. Brasilien sucht in vielen Bereichen keine finanzielle Hilfe mehr bei den Industriestaaten sondern lockt nunmehr mit Milliardenaufträgen bei der Verbesserung des Transportwesens und der Infrastruktur im eigenen Land.

So wie sich der Metallarbeiter Lula gewandelt hat, so hat sich damit auch Brasilien verändert. Die mittlerweile zehntgrösste Volkswirtschaft des Planeten hat ebenfalls einen Generationssprung vollzogen.

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Fotos: Ricardo Stuckert / PR

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