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Teil 5: Im Norden vom Lago Itaipu

Datum: 05. März 2006
Uhrzeit: 21:13 Uhr
Autor: Dietmar Lang
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Pato Bragado ist ein kleiner Ort. Eigentlich könnte man ihn einfach übersehen, denn mit seinen 4.000 Einwohnern und 12 Jahren politischer Unabhängigkeit hat er wenig zu bieten. Auch nicht, dass der Ort nach einem argentinischen Seefahrer benannt ist, der dort einmal an Land gegangen ist Und dass er einen kleinen Strand hat, wo man sich wunderbar ausruhen kann, ist hier in der Region auch wirklich nichts seltenes. Im Ortszentrum kommen wir aber der Geschichte des Ortes etwas näher. Hier gibt es das „Café Haus Vitória“ mit leckerem Kuchen, natürlich nach deutschem Rezept. Denn auch hier in Pato Bragado ist der Einfluss der deutschen Einwanderer noch lebendig und die Menschen feiern mit deutschen Spezialitäten ihre Feste. Und auch hier findet im Oktober das gleichnamige Fest statt.

Die ersten Kolonisten hatten es wahrlich nicht leicht. Viele hatten das Land bereits in Deutschland gekauft und als sie hierher kamen, standen sie in dichtem atlantischen Regenwald. Der Dschungel musste gerodet werden, Felder mussten angelegt werden, Häuser und Strassen gebaut werden. Über all diese Mühen und die Lebensumstände berichtet das Museum „Centro Histórico Bragadense“. Hier kann man alte Einrichtungsgegenstände, Werkzeuge, Fotos und vieles mehr bewundern, alles aus den Gründerjahren der Ortschaft. Man weiss danach die Mühen und Entbehrungen zu schätzen und natürlich den Mut, den die Menschen aufbrachten, eine fremde Welt zu betreten, richtig zu würdigen. Ein Besuch, auch nach Kaffee und Kuchen, ist hier Pflicht. Und bevor wir uns wieder auf den Weg machen, schauen wir noch kurz bei der Mühle vorbei. Als eines der ersten Gebäude des Ortes 1967 errichtet, leistet sie ihrem stolzen Besitzer noch heute treue Dienste. Und da die Dorfbewohner zum grossen Teil Landwirtschaft betreiben, hat der Müller auch immer viel zu tun. So verabschieden uns von Pato Bragado mit dem Blick in das Gaúcho-Zentrum des Ortes, wo wir vielleicht gerade eine Gruppe Musiker oder Tänzer antreffen können. Wenn nicht, sorgt Sertaneja aus dem lokalen Radio für die richtige Stimmung, bis wir den nächsten Ort erreichen.

Und der heisst Mercedes! Und dies hat nichts mit der Automarke zu tun. Der Ort wurde so benannt, weil, ja weil es eigentlich keiner mehr so genau weiss. Die populärste Variante sagt, dass ein Siedler ein Schild mit „Hier ist Mercedes“ aufgestellt hat und dahinter sein Haus baute. Fakt ist jedoch, dass die 5.000 Seelen-Gemeinde, die heute überwiegend mit Landwirtschaft ihr Geld verdient, 1990 wie auch Pato Bragado von Marechal C. Rondon ausgemeindet wurde, und 1993 eigenständig erklärt wurde. Auch hier erkennt man an der Architektur der Häuser die deutschen Einflüsse. Touristisch etwas abseits gelegen herrscht hier kein grosser Andrang, nur aus der Umgebung kommen viele junge Leute, um auf einem Motocross-Gelände ihre Runden zu drehen. Die Strecke liegt nahe eines Parks, in der auch eine Churrascaria angesiedelt ist. Doch uns interessiert vielmehr das Labor für Heilpflanzen. Hier steht uns ein Fachmann Rede und Antwort über die unzähligen Pflanzen und deren Wirkstoffe. Auch wird hier die Wirkung auf den menschlichen Organismus untersucht, um neue alternative Heilmethoden zu entwickeln. Eine spannende Sache, bei der viel Neues zu erfahren ist. Und nach einem Rundgang durch den Ort setzen wir unsere Reise fort.


Der Rio Paraná und der Regenwald

Auf der Fahrt Richtung Norden kommen wir nun ans Ende des Stausees. Wir sind inzwischen 180 Kilometer von Foz do Iguaçu entfernt und kommen in den Ort Terra Roxa. Der Name stammt von den italienischen Einwanderern und bedeutet „rote Erde“, die hier sehr weit verbreitet ist. Der Ort hat 16.000 Einwohner, von denen 4.000 in der ortsansässigen Textilindustrie angestellt sind. Hier wird unter anderem Babykleidung hergestellt. 1961 wurde die Kleinstadt gegründet. Doch Terra Roxa hat eine lange Geschichte. Denn auf deren Gebiet wurde 1557 die Stadt „Ciudad Real del Guayrá“ gegründet, als zweite Stadt im heutigen Gebiet des Bundestaates Paraná, und zwar von dem Spanier „Capitão Ruy Dias de Melgarejo“, der dort auf dem Weg von Asunción einen wichtigen Handelsstützpunkt errichtete. Doch Kriege und viele Jahrhunderte haben dies alles vernichtet. Reste davon sind leider heute nicht mehr zugänglich.

Daher suchen wir uns ein Boot und geniessen die Fahrt auf dem Rio Paraná. Ein unglaubliches Bild bietet uns nunmehr, nachdem wir am Ende des Staussees angekommen sind. Atlantischer Regenwald säumt das Ufer, es gibt Fische in Hülle und Fülle, Vögel schwirren durch die Lüfte, hier darf man den Fotoapparat auf keinen Fall vergessen. Der Zugang zum Fluss erfolgt durch einen kleinen Park. Dort selbst gibt es eine kleine Grotte, in der die Schutzpatronin der Seefahrer und Fischer aufgestellt wurde, die „Nossa Senhora dos Navegantes“. Und dann begeben wir uns mit einem Führer hinein in den unberührten Regenwald. Obwohl es nur knapp 300 Meter sind, fühlen wir uns mitten im Urwald. Es ist eine komplett andere Welt und jede Sekunde erhaschen die neugierigen Augen der Besucher ein neues Detail ursprünglicher Natur.

Im äussersten Norwesten Paranás liegt noch ein weiterer Ort, dem man Beachtung schenken muss. „Das Tor zum Mato Grosso“ wird er aufgrund seiner Brücke genannt. Sie überquert den Rio Paraná und verbindet somit die Bundesstaaten Mato Grosso do Sul und Paraná miteinander: Guaíra. Der Ort mit knapp 30.000 Einwohnern besitzt auch einen internationalen Hafen und ist daher für die Wirtschaftsgemeinschaft „Mercosul“ von strategischer Bedeutung. Bereits 1620 besiedelten die Portugiesen diesen schönen Flecken Erde. 1872 wurde daraus eine Grenzstadt als die Grenze zwischen Paraguay und Brasilien festgelegt wurde. 1952 bekam die Stadt mit der Wahl des Präfekten endlich die Stadtrechte verliehen. Guaíra war über die Jahrhunderte bekannt für die wohl schönsten Wasserfälle der Welt – die „Sete Quedas“ (Fotos). Doch mit dem Bau des Wasserkraftwerkes und der Aufstauung des Lago Itaipu versanken sie in den Fluten. Doch verloren sind sie nicht für immer. Wenn irgendwann einmal das Kraftwerk abgerissen werden sollte, dann werden sie wohl wieder zum Vorschein kommen. Doch die Grenzstadt geizt auch nicht mit anderen Attraktionen. Zum Stadtgebiet gehört ein 75.000 Hektar grosser Naturpark, der zum Wandern und Verweilen einlädt. Teilweise liegt er unter Wasser, so dass sich über 200 kleine Inseln gebildet haben. Daher wird der Park auch „Parque de Ilha Grande“ genannt. Er grenzt an den alten Nationalpark „Sete Quedas“. Auch dieser ist durch viele Wanderwege hervorragende erschlossen.

Besonders schön ist der alte Stadtkern „Centro Histórico Vila Velha“, wo auch das Theater und die historische Bibliothek ihren Sitz hat. Nachts werden einige Gebäude wunderschön illuminiert. Und auch das „alte neue Kino“ – ein komplett restaurierter antiker Bau – ist dort zu finden. Desweiteren verfügt Guaíra über ein historisches Museum und die im letzten Jahrhundert aus Natursteinen errichtete „Igreja Nuestro Señor Del Perdón“. Die Kirche beeindruckt insbesondere duch wunderschöne Buntglasfenster. Eine Kartbahn und ein nautisches Zentrum – wie es sich für einen Ort, der am Lago Itaipu liegt gehört – runden die Attraktionen der Kleinstadt am nördlichsten Punkt der Costa Oeste ab.

Und somit könnte unsere Reise entlang des Lago Itaipu nun zu Ende sein.

Doch auch einen einzigen Ort ausserhalb von Paraná möchte ich euch noch vorstellen. Daher überqueren wir den Paraná und betreten den Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Hier liegt der Ort „Mundo Novo“ genau am oberen Ende des Stausees. Erstes und einziges Ziel hier ist die Strandanlage, die viele Menschen besonders aus dem Mato Grosso, aber auch aus Paraguay im Sommer bevölkern. Uns bietet sich hier eine fantastische Aussicht über den See. Interessant ist auch die Entwicklung von Mundo Novo. Ein Grossgrundbesitzer teilte einfach sein Land 1956 in kleine Parzellen auf und verkaufte es Einzeln an verschiedene auswärtige Familien, meist aus dem Raum São Paulo. 1967 wurden dann im Rahmen einer Kolonialisierung nochmals 1200 Familien dort angesiedelt und die neue Welt wurde 1977 eigenständige Stadt. Heute leben hier 16.000 Menschen. Und wenn es Nacht wird, dann hat man von hier aus einen wunderschönen Blick auf die Brücke über den Rio Paraná. Die Brücke, die uns wieder zurückbringt an die Costa Oeste!


Die Brücke über den Paraná und nach Paraná bei Nacht!

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