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Teil 4: In der Mitte vom Lago Itaipu

Datum: 05. März 2006
Uhrzeit: 20:17 Uhr
Autor: Dietmar Lang
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Wie in den vorherigen Beiträgen ja mehrfach erwähnt wurde, ist dieses Gebiet im äussersten Westen Paraná erst vor kurzer Zeit besiedelt worden. Dementsprechend sind die Ortschaften meist nur wenige Jahrzehnte alt. Es gibt also keine „erwachsenen“ Ortsnamen. Die Pioniere und Siedler mussten sich also immer wieder neue Namen für ihre Siedlungen ausdenken und darauf achten, dass sie so wenig wie möglich mit anderen verwechselt werden.

Wie im Fall des nächsten Ortes auf unserer kleinen Rundreise: Diamante do Oeste – „Diamant des Westens“. Die ersten Siedler, die in das Gebiet kamen fanden ein Terrain vor, umschlossen von zwei Flüssen mit kristallklarem Wasser und kleinen Wasserfällen. Aufgrund dessen nannten sie ihre Siedlung „Diamanten-Herberge“, später nur „Diamant“ und dann bei der Ausgemeindung „Diamant des Westens“ aufgrund der Lage im äussersten Westen Paranás. In der Ortsmitte der Gemeinde mit knapp 5.000 Einwohnern wurde zudem ein Diamant aus Acyl aufgestellt, der somit dem Namen symbolisiert. Wichtigste Einnahmequelle hier ist der Anbau von Baumwolle, Mais und Soja sowie Schweine- und Rinderzucht. In unmittelbarer Nähe der Gemeinde existiert seit 1998 das 1.700 Hektar grosse Indianerreservat „Tekaha Añetete“, zu deutsch „versprochene Erde“. Dort leben in 80 Familien ca. 135 Tupí-Guarani. Die Indianer sichern sich ihren Lebensunterhalt durch Anbau von Obst und Gemüse sowie dem Verkauf von selbst hergestellten Schmuckwaren. Diamante do Oeste ist ein ruhiger Ort, mit nur wenigen Strassen. Nur wenn im ortseigenen Rodeo-Stadion ein Wettbewerb stattfindet, kommt Leben in die Gemeinde. Dann feuern bis zu 3.500 Besucher die wagemutigen Cowboys an.

Wir begeben uns aber nun weiter nach Norden in den Ort „São José das Palmeiras“ – „Heiliger Josef der Palmen“. Der seit 1985 unabhängige Ort mit seinen knapp 4.000 Einwohnern liegt auf der Hochebene „der Palmen“, die somit dem Ort seinen Namen gab. Hier gibt es nichts zu besichtigen, keine Attraktionen, und doch kommen immer wieder Touristen hierher. Man muss schon etwas genauer suchen, um festzustellen, warum. Ein Felsvorsprung birgt das Geheimnis. Noch eben leer und verlassen, doch im nächsten Moment schwingt sich bereits ein grellfarbender Drache in die Lüfte. Hier ist der Abenteurer richtig. Denn hier ist das Mekka der Drachenflieger an der Costa do Oeste. Und aus der Luft hat man bekanntlich auch den besten Überblick. Nicht verwunderlich, dass die Schanze beliebter Ausgangspunkt der Andrenalinsüchtigen ist. Und viele haben nur ein Ziel: Santa Helena.

Wir nehmen jedoch die Landstrasse zum beliebtesten Badeort am Lago Itaipu. Und während wir noch auf den Ort zufahren und etwa 10 Kilometer davon entfernt sind, sehen wir bereits am Horizont ein riesiges Monument auftauchen. Und am Ortseingang stehen wir dann direkt vor diesem Objekt, welches aus der Entfernung noch wie eine Fata Morgana wirkte. Was ist denn das? Wir stehen vor der grössten bronzenen Christus-Statue in ganz Südamerika. Eine 87 Meter lange Rampe führt hinauf zu der 12 Meter hohen, komplett aus Bronze gefertigten Statue, die in der Silvesternacht 2004 eingeweiht wurde.


Die bronzene Christus-Statue in Santa Helena

Santa Helena hat seine Ursprünge übrigens in der kommunistischen Bewegung „Colunas Prestes“. 1925 kam deren Anführer Luiz Carlos Prestes in die Region und nutzte den Ort als Hauptquartier. Ihm zu Ehren entwarf der Architekt Oscar Niemeyer das Monument „Memorial Coluna Prestes“, welches seit 1996 am ehemaligen Standort der Bewegung zu bewundern ist. 1967 wurde das 753 Quadratkilometer grosse Gebiet eigenständig. In der von Landwirtschaft und Tourismus geprägten Gemeinde leben heute etwa 20.000 Menschen. Viele Traditionen haben sich hier gehalten und bei den alljährlichen Festen werden viele kulinarische Spezialitäten aus der alten Heimat angeboten.

Doch wie bereits erwähnt, spielt hier der Tourismus eigentlich die wichtigste Rolle. Dafür wurde 1997 ein „nautisches Zentrum“ errichtet. Hier können Boote untergestellt und gewartet werden, es gibt einen kleinen Strand und auch kleine Veranstaltungen können hier durchgeführt werden. Sogar ein 25 Meter hoher Leuchtturm ist vorhanden. Daneben hat Santa Helena einen Club für Pferdefreunde, welcher Ausritte in die nähere Umgebung ermöglicht. Ein ausgedehntes Naherholungsgebiet für Wanderungen in unberührter Natur ist ebenso vorhanden wie für Angler ein künstlich angelegter Karpfenteich.

Doch all dies sind nur Randerscheinungen. Denn was wäre Santa Helena ohne seinen grossen Strand. Nichts weiter als ein unbedeutender Fleck Erde an der Costa do Oeste. Doch von Dezember bis März bevölkern jedes Jahr mehr als 300.000 Besucher die Halbinsel am Lago Itaipu. Und dies nur aus folgendem Grund: Spass, Sonne, Strand! Und hierfür wurde der „Parque de Lazer e Turismo Ney Braga“, der Erholungs- und Tourismuspark der Gemeinde errichtet. Ein 900 Meter langer Strand, Sporteinrichtungen, Gaststätten und diverse Übernachtungsmöglichkeiten bieten dem Urlauber alles, was er zum Erholen braucht. Nicht umsonst ist dieser Ort inzwischen auch für viele Paraguayer und Argentinier beliebtes Ziel für deren Ferien geworden. Und die Besucherzahlen steigen mit jedem Jahr. Daher darf ich es auch nicht mehr als Geheimtip anpreisen, sondern schon als die schönste Ferienanlage für die ganze Familie an der Costa do Oeste. Denn hier lässt es sich wirklich aushalten.


Die Tourismusanlage


Der künstliche Strand am Lago Itaipu


Blick auf die Bucht von Santa Helena


Spass auf dem See ist garantiert


Ein Ausflug in die Lüfte im Sonnenuntergang

Richtung Norden führt uns der Weg durch eine malerische Hügellandschaft. Soja, Mais und auch Reste des atlantischen Regenwaldes wachsen bis an die Fahrbahnbegrenzung heran. Dazwischen sieht man immer wieder kleine Ansiedlungen mit traditionellen Holzhütten. Diese eigentlich immergrüne Landschaft ist das typische an Paraná. Kein Frost, kein Schnee und wenn ein Baum hier seine Blätter verliert, dann nur, weil die neuen Blätter im gleichen Augenblick ihren Platz beanspruchen. Im Laufe der Jahre haben die Siedler hier Pläne entwickelt, die Ernteerträge zu steigern, ohne den Boden auszulaugen. Und inzwischen sind hier bis zu 5 Ernten im Jahr möglich, und dies auf Dauer. Denn anderes als im Mato Grosso kann man kein Feld mehr brachliegen lassen und einfach mal für ein neues gutes Feld ein paar Hektar Regenwald brandroden.


Hügellandschaft im Westen Paranás

Und so stossen wir auf einen kleinen Ort: „Entre Rios do Oeste„! Übersetzt heisst das nichts anderes als „Zwischen den Flüssen des Westens“. Entre Rios liegt eben zwischen dem Rio Paraná, São Francisco „Verdadeiro“ (wahren) und dem São Francisco „Falso“ (falschem). Das „Westen“ kam erst später hinzu, um sich von einem Ort im Bundesstaat Bahia unterscheiden zu können. 1990 wurde die Gemeinde selbständig und hat ganze 3.000 Einwohner, die auf einer Fläche von 121.480 Quadratkilometern verstreut leben. Gegründet, wie sollte es auch anders sein, von deutschen und italienischen Einwanderern.

Und weil es hier in der Region so schwierig ist, historische Gebäude zu finden, besuchen wir die „Capela Nossa Senhora Aparecida“, welche von den ersten Siedlern errichtet wurde. Die Kapelle steht unter „Denkmalschutz“ und ist wirklich noch gut erhalten. Natürlich hat Entre Rios auch einen Strandpark und ein „nautisches Zentrum“, mit allem was dazugehört. So kann auch hier nach Lust und Laune gefaulenzt werden. Oder man fährt auf den See zum Angeln. Touristisch lässt sich dies alles aber nicht mit Santa Helena vergleichen. Doch wer ein bisschen mehr Ruhe möchte und auf ein bisschen Komfort verzichten kann, der wird sich hier sicher wohlfühlen.

Wer das Abenteuer sucht, findet es auf dem Rio São Francisco, logischerweise auf dem „Wahren“. Er kann nach starkem Regen richtig mächtig und gefährlich werden. Man muss eben Glück haben, und ihn in einer mittleren Phase anzutreffen. Und ihn dann von innen heraus zu erleben. Rafting heisst das Zauberwort, mit dem Entre Rios seine Touristen anlockt. Denn hier sind die Gegebenheiten in der Region einfach einmalig. Von den Schwierigkeitsgraden 1-6 existieren hier Zone für Fortgeschrittene (3-4) und Anfänger (1-3). Nach starken Regenfällen auch schon eimal eine Stufe 5. Man kann sich sein Boot leihen und alleine sein Glück versuchen, oder man unternimmt eine Tour mit einem professionellen Guide aus der Region, der wirklich jede Stromschnelle kennt. Ein Heidenspass – nicht immer ungefährlich – ist es allemal.

Doch auch die Traditionen sind in der Region noch anzutreffen. Da wäre zum einen das Frühlingsfest*. Und so, wie es hier steht, heisst es auch. Hier gibt es traditionelle Gerichte wie Mettwürste, Kolonialkäse, Honig- und Butterkuchen, Torten und Backwaren, alles natürlich hausgemacht. Höhepunkt ist die Wahl der Frühlings-Puppe*. Die kleinen und Bewohner von 3 bis 5 Jahren werden entsprechend verkleidet und mit einer Parade zum Festplatz geführt. Die Schönste und Originellste wird dann ganz offiziell auf dem Fest gewählt. Dieses Ereignis zieht auch viele Bewohner der umliegenden Orte in die Gemeinde.

Besondern aus der Gemeinde, zu der Entre Rios vor der Ausgemeindung zugeörig war: Marechal Cândido Rondon. Der Ort liegt etwa abseits vom Lago Itaipu. Das Gebiet der Ortschaft gehörte in der Gründungsphase 1952 noch zu Toledo, doch schon 1960 wurde der Ort ausgemeindet. Heute leben dort 42.000 Menschen, die überwiegende Mehrheit ist deutscher Abstammung.

Der Ökotourist findet hier zum Beispiel den 20 Meter hohen Wasserfall „Cachoeira da Onça“. Das 30 Kilometer entfernte Ufer des Lago Itaipu zählt auch noch zum Gemeindebezirk, und dort unterhält Marechal C. Rondon auch einen eigenen Strand und einen eigenen Park – in dem kleinen Ort Porto Mendes.

Porto Mendes ist am Lago Itaipu das Mekka der Angler. Ganzjährig kommen sie aus ganz Paraná und São Paulo, um dort zu ihren „grossen Fang“ zu machen. Hier können die Boote bequem ins Wasser gelassen werden, ein Campingplatz ist direkt angeschlossen und auch viele Häuschen sind in unmittelbarer Nähe preisgünstig zu mieten. Man muss sie sogar weit im Voraus buchen, da sie sehr begehrt sind. Ansonsten ist in dem kleinen Ort wenig los. Unter der Woche ist es auch am Strand ziemlich ruhig. Doch am Wochenende kommen viele Camper aus der umliegenden Region. Man hat dort überall Grill- und Waschmöglichkeiten und sogar Strom ist vorhanden.


Blick auf den Campingplatz von Porto Mendes


Der Strand, welcher direkt am Campingplatz liegt

Doch viele Einwohner von Marechal Cândido Rondon bleiben einfach in ihrer kleinen Stadt und besuchen an heissen Tagen die „Estância Hidromineral Coroados“, ein Naherholungszentrum mit grosser Gaststätte, schattigen Wegen unter grossen Bäumen und einem 500 Quadratmeter grossen Schwimmbecken. Auch ein kleiner künstlicher See mit Bootsverleih ist dort integriert worden. Weitere Attraktionen des Ortes sind ein grosser Orchideen-Park und das historische Museum, welches viel über die Geschichte des Ortes zu erzählen vermag.

Und natürlich hat Marechal C. Rondon auch seine traditionellen Feste. Ich möchte hier nur die zwei grössten vorstellen. Zum einen ist dies das „Boi no Rolete“ am Tag der „Unabhängigkeit der Gemeinde“. Hier wird ein Ochse am Spieß gegrillt. Ein tonnenschweres Vergnügen für die Gäste. Doch das Fest der Feste ist das ebenfalls jährlich stattfindende Oktoberfest*. Es findet meist am letzten Wochenende im Oktober auf dem Expo-Gelände des Ortes statt. Inzwischen berichten die Medien darüber auch überreglional. Zum Fest gehört daneben ein Umzug der Bierwagen* und ein Auftritt der Tanzgruppe Tanzfolge*. Hier wird die deutsche Herkunft ausgiebig gefeiert. Und zwar mit lokal gebrautem Bier – dem Haus-Bier*. Und natürlich mit leckeren deutschen Gerichten. Dazu gibt es deutsche Volksmusik und brasilianischen Sertaneja. Eine bunte Mischung, die jedes Jahr tausende Gäste anlockt.

*Diese Worte werden hier offiziell genau so in Deutsch verwendet.


Die Tanzgruppe „Tanzfolge“ vor ihrem Auftritt


Bereits beim Umzug des Bierwagens wird kräftig ausgeschenkt


Das Oktoberfest wurde so mit frischem „Haus-Bier“ eröffnet

Zum Schluss noch ein Auszug aus dem Reisebericht eines Touristen aus dem Hunsrück:

Zu einem Oktoberfest gehören drei wichtige Dinge, das ist Bier, gefolgt von ohrenbetäubend lauter Musik (so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten kann) und dem Tanz. Mit dem angeborenen brasilianischen Rhythmus, der offensichtlich jedem dort in den Adern steckt oder den er mit der Muttermilch aufgenommen hat, kann der Brasilianer nichts anderes als beim Ton der Musik sich durch den Saal drehen oder hinreißend-erotisch über die Bühne wirbeln. Die zahlreichen Tanzgruppen in Brasilien zeugen davon, dass Jung und Alt, quer durch die Bevölkerung, zu deutscher Volksmusik ebenso wie zu Gaúcho-Gesängen solch phantastische Tänze darbringt, dass wir Deutschen nur noch staunen können.


Volles Haus – die Expo während des Tanzabends


Und so sieht die dortige Brauerei aus

Hier nun eine Übersichtskarte, wo alle besuchten Orte verzeichnet sind. Auch die Orte des 5. Teiles der Rundreise sind bereits darauf eingetragen.


Für eine Detailansicht auf die Karte klicken!

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