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Teil 3: Im Süden vom Lago Itaipu

Datum: 17. Februar 2006
Uhrzeit: 22:24 Uhr
Autor: Dietmar Lang
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Als wir auf der grossen Staumauer standen und in die Weite des Lago Itaipu sahen, konnten wir uns nicht vorstellen, wie es hier einmal ausgesehen hat. Daher habe ich hier ein Bild der Region, bevor der Rio Paraná aufgestaut wurde.

Der Rio Paraná bevor er aufgestaut wurde

Heute ist der Stausee 170 Kilometer lang und 8 Kilometer breit. Und auf braslianischer Seite hat sich dort in den letzten Jahren ein wahres Ferienparadies entwickelt. Es wurde Strände geschaffen, Campingplätze errichtet, Erholungsgebiete konzipiert, und jeder der am See gelegenen Orte buhlt um die Gunst der 1,5 Millionen Touristen, die aus weiten Teilen Brasiliens, Paraguays und Argentiniens zwischen Dezember und März hier auftauchen.

Hier nur eine kleine Übersicht der Orte, die auf unserem Weg liegen:

– Santa Terezinha de Itaipu
– São Miguel do Iguaçu
– Medianeira
– Itaipulândia
– Missal
– Diamante do Oeste
– Santa Helena
– São José das Palmeiras
– Entre Rios do Oeste
– Pato Bragado
– Marechal C. Rondon
– Mercedes
– Terra Roxa
– Guaíra
– Mundo Novo

Das ganze Gebiet (Foz do Iguaçu wird da in der Regel noch mit hinzu genommen) bildet die Costa Oeste, die Westküste Paranás. Der Lago Itaipu bietet mit diesen vielen kleinen Orten ideale Bedingungen für einen schönen Strand- urlaub. Sehr gute Wasser- qualität und eine optimal auf die Gegegebenheiten abgestimmte Infrastruktur erlauben dem Besucher, hier unzählige Freizeit- möglichkeiten auszuüben. Sei es nun Schwimmen, Wasserski, Tauchen, Paragliding, Wandern oder einfach nur am Strand liegen – für jeden ist etwas dabei. Es gibt keine Hotelkomplexe in Strandnähe, man wohnt gemütlich in einer Pension oder in einem in der Regel familiengeführten Hotel. Auch gibt es kleine Hütten zu mieten, wenn man am See übernachten will und gerade nicht sein eigenes Zelt dabei hat. Und ein Sonnenaufgang über dem See zu bewundern, macht das Erlebnis perfekt.

Natürlich ist es nur ein Stausee und die Strände sind auch nur bedingt “natürlich”, aber dadurch wurde eine Zone geschaffen, die ich gerne ein bisschen mit der Ostsee vergleiche. Denn der 1350 Quadratkilometer grosse See hat genug Wasser um auch den letzten Touristen zu begeistern.

So nehmen wir also endgültig Abschied von Foz do Iguaçu und fahren den Lago hinauf. Bereits nach wenigen Kilometern kommen wir nach Santa Terezinha de Itaipu. Der Ort wurde in den 50er Jahren von Kolonisten gegündet. Diese betrieben zunächst Kaffee-Anbau, später wechselten sie zu Mais und Bohnen und neuerdings wird sogar Weizen angebaut. Seit 1982 ist Santa Terezinha eigenständige Gemeinde und hat heute knapp 20.000 Einwohner. Etwas ausserhalb besuchen wir eine „Alambique“, eine Zuckerrohrschnaps- brennerei. Man kann hier eine sehr gut erhaltene Destillieranlage mit Kupferkessel über dem Holzfeuer bewundern und gerne wird hier auch schon mal das ein oder andere Gläschen „Cachaça“ getrunken. Dieser Zuckerrohrschnaps ist auch der Hauptbestandteil des brasilianischen Cocktail-Exportschlagers Caipirinha. Hier trinkt man ihn jedoch oftmals pur.

Unser nächster Halt ist São Miguel do Iguaçu. Hier existiert ein wunderschön angelegter Strand. Er ist Teil des „Terminal Turístico de Ipiranga“, eine 120.000 Quadratmeter grosse parkähnlich angelegte Anlage. Hier kommen Wasserratten und Campingfreunde voll auf ihre Kosten. Sportfischen ist hier genauso erlaubt wie Kanufahren. Der Strand hat eine Länge von 600 Metern, absoluter Magnet ist jedoch das Naturschwimmbad, welches sich direkt hinter dem Strand befindet. 25.000 Quadratmeter Wasseroberfläche laden hier zum unbeschwerten Herumtollen ein.

São Miguel hat eine etwas längere Geschichte als als Santa Terezinha. Bereits 1531 kamen 80 portugiesische Entdecker in die Region. Im Jahre 1600, so schreiben es die Geschichtsbücher lebten hier rund 200.000 Indianer. Dies währte mehrere Jahrhunderte, bis 1918 die Ortschaft gegründet wurde. 1948 kamen vermehrt italienische und deutsche Auswanderer aus Rio Grande de Sul in die Region. Heute hat der Ort rund 25.000 Einwohner.

Etwas ausserhalb von São Miguel befindet sich ein Indianerreservat, initiiert durch die FUNAI, der brasilianischen Indianer-Stiftung. Auf 231 Hektar leben etwa 600 Tupi-Guarani in 120 Familien. Hier bewahren sie ihre Sitten und Gebräuche. Die Tupi-Guarani waren seit jeher sehr musikalisch und bekamen bereits vor 400 Jahren von den Jesuiten kirchliche Choräle beigebracht, die sie noch heute in ihrer Muttersprache singen. Ein 28-stimmiger Chor führt dies regelmässig bei Festveranstaltungen auf. Ihr Überleben sichern die Indianer durch den Anbau von Obst und Gemüse (Mais, Bohnen, Maniok, Bananen), durch Fischen und durch den Verkauf von hand- gefertigten Souvenirs. Daneben hat sich noch eine kleine Gruppe gebildet, die traditionelle indianische Tänze aufführt. Das Reservat kann nach Abstimmung mit der lokalen Tourismusbehörde besucht werden.

Wir verlassen São Miguel in Richtung Osten und fahren parallel zum Naturpark in den nächsten Ort, Medianeira. Wer aufgepasst hat wird feststellen, dass wir uns vom See fortbewegen. Aber wir wollen uns ja auch die Landschaft ein wenig ansehen. Dort, wo der atlantische Regenwald einst stand, finden wir nun viele landwirtschaftliche Nutzflächen.

Blick über den Westen Paranás

Medianeira liegt an der Route Foz do Iguaçu – Curitiba und ist somit wichtiger Durchgangsort. 1960 wurde sie eigenständige Gemeinde und umfasst heute knapp 40.000 Einwohner. Sojaanbau und Milchwirtschaft sind hier die grössten Ertragsquellen. Ansonsten ist das Städtchen eher beschaulich. Etwas ausserhalb findet sich ein kleiner Hügel, der „Morro Espigão Norte“. Mit seinen 608 Metern bietet er eine wunderschöne Aussicht auf die paranaensische Landschaft. Wer es lieber etwas wilder mag, der sucht sich einen Platz am „Ouro Verde“ – einem Fluss der auf deutsch „Grünes Gold“ heisst. Ein kleiner Park bietet alle Anehmlichkeiten zum Verweilen und im Sommer hat das Wasser auch eine angenehme Temperatur zum Baden. Doch auch zwei Teiche, wo der Hobbyangler sein Glück versuchen kann, gibt es in der Nähe. Und ein Besuch im Kulturzentrum der Gemeinde, wo man auf diversen Veranstaltungen originale Gauchotänze bewundern kann, könnte man auch in einen Besuch mit einplanen.

Wir lassen Medianeira hinter uns und fahren noch ein Stück weiter. Denn kurz vor der nächsten Ortschaft Matelândia erwartet uns die bereits erwähnte „Burg“. Naja, eine Burg ist es nicht gerade, dass „Castelletto Dal Pozzo“. Von dichtem Wald umgeben und direkt an der Strasse gelegen, erscheint das italienische Restaurant etwas deplaziert. Ober mehr wie ein Märchenschloss auf Abwegen. Hier werden wir unser Mittagessen geniessen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg zum Lago Itaipu machen. Und es ist wirklich lecker dort. Das Ambiente stimmt, und die Erinnerungsfotos werden daheim so manche Verwunderung auslösen. Doch wir dürfen niemals vergessen, dass das ganze Gebiet hauptsächlich von deutschen und italienischen Einwanderen erst vor knapp 50 Jahren besiedelt wurde.

Das Castelletto Dal Pozzo

Auf dem Rückweg verlassen wir bei Medianeira die Hauptstrasse und kommen schon nach kurzer Zeit nach Missal. Der kleine Ort ist erst 24 Jahre alt und hat gerade einmal 10.000 Einwohner. Hier findet im Juni immer ein grosses Fest mit dem originalen Namen Deutsches Fest (keine Übersetzung des Verfassers!) statt. Über fünfzig (!) verschiedene deutsche Gerichte werden zum Verzehr angeboten. Dazu gibt es deutschen Wein und viel deutsche Kultur. Zum Beispiel die Gruppe Gerbra, die auch viele deutsche Lieder im Programm hat. Daneben hat Missal ein Museum, welches umfassend über die Kolonialisierung informiert, kleinere ökologische Erholungsparks, Fischteiche und sogar die „Reserva dos Macacos“, ein Affen-Reservat, welches mit kleinen, zutraulichen Tierchen die Besucher anlockt. Missal hat wirklich für jeden etwas zu bieten.

Direkt am Staussee, also wieder ein Stück weiter westlich liegt die Gemeinde Itaipulândia. Der Ort mit heute knapp 7.000 Einwohnern wurde im Rahmen des Kraftwerkbaus 1982 gegründet. Er liegt wunderschön am Rande des Stausees. Und daher besuchen wird zuerst auch den „Terminal Turístico de Jacutinga“. Die Strandanlage wurde liebevoll gestaltet, umfasst ein natürlich gehaltenes Gebiet zum campen und einen kleinen Hafen. Auch hier wird viel Wassersport betrieben oder gefischt.

Doch die Hauptattraktion Itaipulândias ist mit Sicherheit das „Monumento a Nossa Senhora Aparecida“. Die schwarze Madonna gilt in ganz Brasilien als Schutzheilige. Errichtet wurde die 26 Meter hohe Statue im Jahre 2000 zum 500. Geburtstag Brasiliens.

Über Reiseveranstalter aus Foz do Iguaçu können wir auch die private „Fazenda Apolo“ besichtigen. Der landwirtschaftliche Betrieb in Familienbesitz kann uns viel über die Techniken bei der Aufzucht von Rindern erzählen. Jedes Tier bekommt zum Beispiel nach der Geburt einen Mikrochip eingeplanzt. Dies ist teilweise sogar notwendig um die Tiere später exportieren zu können. Weizen und Soja werden auf der 2.200 Hektar grossen Ranch ebenfalls angebaut und exportiert. Dies alles verschafft uns einen tiefen Einblick in die moderne Argrarwirtschaft hier im Westen Brasiliens.

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