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Sucht nach Aufmerksamkeit: Wie krank ist Paula Oliveira wirklich?

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Datum: 17. Februar 2009
Uhrzeit: 11:02 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Paula Oliveira: Ihre zahlreichen Hilfeschreie im Vorfeld blieben ungehört (Foto: Facebook)

Paula Oliveira ist sehr krank. Und für ihren Vater ist sie auf jeden Fall ein Opfer, mindestens aufgrund einer einen schweren psychischen Störung. Aber diese hat sie anscheinend nicht erst seit dem vergangenen Montag (9), als die in der Schweiz lebende 26-jährige Brasilianerin mit ihrer Behauptung über eine brutal an ihr durchgeführte Neonazi-Folter mit anschliessend erlittener Fehlgeburt weltweit für Aussehen sorgte.

Je mehr nun die brasilianischen Medien nach erster massiver Unterstützung für das angebliche Opfer nun die Hintergründe zu erforschen versuchen, je mehr „Lügen“ und Psychosen rücken in den Vordergrund. Die Motive sind weiterhin unklar, der Wunsch nach Aufmerksamkeit, begleitet von dem sog. Borderline-Syndrom, wird aber immer wahrscheinlicher. Mediziner werden vielleicht nie die genauen Ursachen herausfinden, aber das Leben der Paula Oliveira ist durch ihre vermutlich eigene Tat völlig zerstört. Nie wieder wird sie als Anwältin arbeiten dürfen, ihre vermeintliche Beziehung in der Schweiz dürfte als beendet gelten und mit ein wenig Pech bleiben sogar die Narben der Ritzereien, die sie sich nach Meinung der Rechtsmedizin selbst zugezogen hat, ein Leben lang sichtbar.

Dass ihre Behauptungen immer unwahrscheinlicher werden und sich sogar die Familie dadurch stetig in mehr Lügen verstrickt, liegt mittlerweile offen auf der Hand. Immer mehr Menschen brechen ihr Schweigen und berichten von Vorkommnissen, die auf eine massive psychische Störung hinweisen, die aber anscheinend nie behandelt wurde. Gerade hier sollte man sich nun fragen, was man hätte tun können, um all dies zu verhindern. Möglichkeiten um früher einzugreifen hätte es allemal gegeben. Die zeigen nach neusten Erkenntnissen zahlreiche dokumentierte „Hilfeschreie“.

Ultraschallbild kam aus dem Internet

Noch am gestrigen Tag hatte Paula gegenüber Ricardo Noblat von O Globo ausgesagt, eine brasilianische Ärztin auf der Durchreise habe sie in einem Züricher Hotel mit einem mobilen Ultraschallgerät untersucht (mehr…). So unglaubwürdig dies klingt, so unwahr dürfte es auch sein. Tatsächlich soll die angebliche Ultraschallaufnahme aus dem Internet stammen.

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Dieses Bild aus dem Internet soll Paula Oliveira an Freunde verschickt haben (Foto: Divulgação)

Dies zumindest behauptet eine brasilianische Freundin gegenüber dem Magazin ÉPOCA. Sie kenne Paula seit gut 3 Jahren und habe mit ihr zusammen dem dänischen Unternehmen Maersk in Zürich gearbeitet. Am 16. Januar habe Paula eine Email an rund 30 Arbeitskolleginnen geschickt. Sie wolle jetzt jeden Cent sparen, heisst es in dem Schreiben, welches dem Magazin als Screenshot vorliegt. Sie verweist dabei auf einen Bildanhang mit dem Namen „Twins 6 wks.jpg“ [Zwillinge 6 Wochen], der für sich selbst sprechen würde. Für alle, die ihre Telefonnummer nicht hätten, erwähnt sie dies noch einmal explizit. Sie sei ab Nachmittag vermutlich nicht im Büro. Ihre kurze Mail schliesst sie mit den Worten, dass sie so glücklich sei, wie man es nur sein könnte.

Bei der Ultraschallaufnahme, so erläutert die Freundin gegenüber ÉPOCA, handele es sich jedoch um ein Foto aus dem Internet. Diese sei immer noch auf der Seite von about.com anzutreffen. Gefunden habe man sie bereits damals über die Google-Bildersuche, die man bemüht hätte, da Paula inzwischen unter den Kollegen und Kolleginnen als nicht mehr sehr glaubwürdig eingeschätzt wurde.

Ehemann starb bei TAM-Katastrophe in São Paulo

Dies sei aufgrund einer anderen Geschichte der Fall. Bereits 2007 habe sie und andere Personen über Dritte erfahren, dass Paula verheiratet sei, aber niemand kannte den Bräutigam. Es sei ein Franzose mit dem Namen François, den sie in Recife kennengelernt habe. „Es klang zwar alles sehr ungewöhnlich, aber wir haben es geglaubt“, wird die Bekannte in dem Magazin zitiert.

Als dann jedoch das schreckliche Flugzeugunglück auf dem Flughafen Congonhas geschah, bei der eine Linienmaschine der brasilianischen Fluggesellschaft TAM in ein Gebäude raste und vollständig ausbrannte, habe die Ex-Kollegin einige Mails erhalten, in denen der Tod von Paulas angeblichen Ehemann beklagt wurde. Aber auf der Liste der 187 Todesopfer war und ist bis heute kein François zu finden.

Und noch eine Geschichte hat die Bekannte auf Lager: Paula hätte ihr mal erzählt, sie würde wegen der Erkrankung an Lupus eine Chemotherapie machen und trug deshalb über längere Zeit stets ein Haarband. Haare hätte die Juristen, die in Zürich als Sales Coordinator arbeitete, jedoch nie verloren.

Sie geht nun wie viele andere davon aus, dass Paula diese Geschichten nur erfunden hat, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Daher habe sie nach Kenntnis des angeblichen Nazi-Überfalls am Bahnhof Zürich-Stettbach auch zunächst an einen schlechten Scherz gedacht. Nach der Ankündigung der Schwangerschaft hätten einige Kollegen schon gewitzelt, wann sie wohl die (nicht vorhandenen) Kinder verlieren würde. Als impulsive Lügnerin sieht sie Paulo jedoch nicht. Es sei viel schlimmer.

Hilfeschreie blieben ungehört

Hat Paula Oliveira am Ende ihre eigenen Geschichten und Fantasien geglaubt? Oder ist dies doch nur ein raffinierter Plan? Ist ihr Streben nach Aufmerksamkeit eine schwerwiegende Psychose oder geht es am Ende um Geld, Sicherheit und Macht im fernen Europa?

Vermutlich dürfte sie jedoch tatsächlich sehr, sehr krank sein. Und dieser Punkt ist vor allem für die Strafverfolgungsbehörden interessant. Denn Gefängnis oder Psychatrie, dies muss eines Tages von einem Gericht entschieden werden. Aus brasilianischen Diplomatenkreisen wurde schon berichtet, man wolle sie schnellstmöglich in ihre Heimatland bringen, um die Beziehungen beider Länder durch einen Prozess nicht noch weiter zu strapazieren.

Dass es nun soweit kommen konnte, wäre vielleicht vermeidbar gewesen. Darüber sollten sich jedoch all diejenige Gedanken machen, die sie gekannt haben und die Hilfeschreie überhörten.

Alle Artikel zum Thema in einem grossen Special:

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Elsass

    ….
    einfach nur psychisch krank, oder mindestens sehr instabil,
    allerdings deutet der vorgetaeuschte Ueberfall und die moegliche Selbst-Ritzung eher auf eine ernsthaft Erkrankung hin.

    Die eigentlichen Uebeltaeter in dieser Geschichte sind der Vater und die Schaumschlaeger in der Bras. Regierung.
    Der Vater, weil er die Geschichte mittels seiner Beziehungen zur Presse an die grosse Glocke haengen musste – fast schon ein Symptom fuer eine aehnliche Stoerung wie die seiner Tochter, nur nicht ganz so ausgepraegt.
    Die bras. Regierung, weil sie die Geschichte nur zu gerne aufgriff, um von der Realitaet in Brasilien abzulenken.
    Es waere durchaus moeglich gewesen, ohne Einbeziehung der Oeffentlichkeit auf diplomatischem Weg die Untersuchungen der Zuericher Polizei voranzutreiben.

    Aber danach weiss man alles besser, oderr?

  2. 2
    hanlonsrazor

    „Dass es nun soweit kommen konnte, wäre vielleicht vermeidbar gewesen. Darüber sollten sich jedoch all diejenige Gedanken machen, die sie gekannt haben und die Hilfeschreie überhörten.“ Und wer, wenn nicht die Eltern, soll jetzt für diese Eskapaden verantwortlich gemacht werden? Die Arbeitskollegen, die schweizer Gesellschaft oder wer?

    Ich wage gar nicht an die Schlagzeilen zu denken, wenn dieser Vorfall in Deutschland passiert wäre…

  3. 3
    lemiserable

    Meine Meinung? Tja, noch vor einigen Tagen musste ich mir die allerbösesten Kommentare gefallen lassen, als ich meine Meinung kundtat, dass alles nach einer infamen Lüge aussieht. Nun, all diese Stimmen sind verstummt. Und jetzt? Keine Neonazis, nun aber das böse, böse Umfeld hat nun die Hilfeschreie von Paula nicht gehört! Himmel nochmal, hört doch mal auf damit – Lügen sind in leider leider an der Tagesordnung und das hat gar nichts mit einer psychischen Erkrankung zu tun sondern mit blossem Materialismus. Wäre Paula mit ihrer Geschichte durchgekommen, würde nun eine fette Entschädigung der Opferhilfe winken ….
    Und nun ist es an der Zeit, dass sich die Brasiliansichen Medien, die Brasilianische Vertretung in der Schweiz und die Brasilianische Regierung (oder für was immer sich die Herren halten) bei der Schweiz offiziell entschuldigen.

  4. 4
    Terminator

    also doch, alles Lüge:

    http://www.stadt-zuerich.ch/content/pd/de/index/stadtpolizei_zuerich/medien/medienmitteilungen.html

    WO BLEIBT DIE ENTSCHULDIGUNG ??????