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Auto verwechselt: Polizei verpasst Tourist Querschnittslähmung

Datum: 12. Oktober 2007
Uhrzeit: 01:10 Uhr
Ressorts: Panorama
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Man stelle sich vor, Brasilien zu besuchen. Mit guten Freunden ein paar nette Tage und Nächte im Nordosten zu verbringen, z.B. in Fortaleza im Bundesstaat Ceará. Und so fährt man eines Nachts mit seinen Freunden durch die Stadt.

Urplötzlich hat man einen Streifenwagen an seiner Seite. Und noch bevor man überhaupt reagieren kann, eröffnen die Polizisten das Feuer. Mindestens 20 Kugeln durchsieben das Fahrzeug. Zwei der vier Insassen werden verletzt, man selbst bekommt eine Kugel in den Rücken, ist den Rest des Lebens querschnittsgelähmt.

Hinterher erklären die Beamten, dass man das Fahrzeug zum Anhalten aufgefordert hätte, dieses jedoch nicht reagierte. Zudem habe man es mit einem anderen Fahrzeug gleichem Typs und Farbe verwechselt. Und da habe man halt geschossen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Pech gehabt. Schwer anzunehmen, dass sich genau das die letzten Wochen der 38-jährige spanische Tourist gesagt hat, der nun aus dem Krankenhaus entlassen wird und im Rollstuhl in sein Heimatland zurückkehrt.

Aber wen oder was hat die Polizei verfolgt, dass solch radikale Massnahmen erforderlich waren? Ein Terroranschlag? Ein vorausgegangener Polizistenmord? Ein Gefecht im Drogenkrieg?

Der Vorfall ereignete sich übrigens bereits am 26. September in der Tourismusmetropole im Nordosten. Banditen hatten einen Geldautomaten geklaut, der jedoch bei der Flucht vom Pick-Up herunterfiel. Die Beute war verloren, die Räuber suchten mit hoher Geschwindigkeit das Weite. Bislang kam niemand zu schaden, es wurde – so berichten es zumindest die Medien – keine Gewalt eingesetzt. Es war ein simpler, wenn auch „gewichtiger“ Einbruchdiebstahl.

Die unschuldigen Opfer verlangen nun natürlich – und dies zu Recht – die Bestrafung der Verantwortlichen. Auch der spanische Konsul in Salvador hat offiziell protestiert und an den Fall Jean Charles erinnert. Vor zwei Jahren war der Brasilianer in der Londoner U-Bahn mit einem Terroristen verwechselt und von Polizeibeamten erschossen worden.

Aber wären es bei dem nächtlichen Vorfall die tatsächlichen Täter gewesen, hätten sie meiner Meinung nach dasselbe Recht wie die Turisten. Oder sind wir in Brasilien schon soweit, dass gewöhnliche Diebe ohne jegliche Gegenwehr auf der Flucht von Kugeln durchsiebt und damit regelrecht exekutiert werden dürfen?

Es ist ein Fall, der genau das bestätigt, was viele denken: Die Polizei schiesst zuerst und fragt danach, ob man was angestellt hat …

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Careca

    Sitten wie im Irak von den Blackwater-Sicherheitskräften. Von Blackwater lernen heisst siegen (oder auch: sterben) lernen …