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Immer mehr Opfer von Lynchjustiz in Brasilien

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In Brasilien ist erneut ein Unschuldiger brutal gelyncht worden (Foto: IML Sinop/Mary Juruna)
Datum: 04. August 2015
Uhrzeit: 16:46 Uhr
Ressorts: Panorama
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Die Lynchjustiz fordert immer mehr Opfer in Brasilien. Erneut ist ein unschuldiger Mann im größten Land Südamerikas von einer aufgebrachten Menschenmenge umgebracht worden. Dieses Mal hat der Mob in Várzea Grande im Bundesstaat Mato Grosso zugeschlagen. Ein 57-Jähriger wurde dort mit Tritten und Schlägen so lange gepeinigt, bis er starb.

Eine lautstarke Beschimpfung als „Vergewaltiger“ hat gereicht, um die umstehenden Passanten auf der Straße zu mobilisieren. Diese hatten dann blindlings auf den Mann eingeschlagen. Er erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. Anzeigen wegen Vergewaltigung oder anderer Vergehen gegen den Getöteten wurden von der Polizei jedoch dementiert.

Zugetragen hat sich das Geschehen am vergangenen Sonntag (2.) und damit nur vier Tage nach einem Fall von Lynchjustiz in Grajaú. In der Nordzone Rio de Janeiros hatte eine Frau einen 40-jährigen Mann eines Überfalls beschuldigt. Der wurde von der Bevölkerung kurzerhand an Händen und Füssen gefesselt und ebenso geschlagen, bis er von einem Feuerwehrmann gerettet und ins Krankenhaus gebracht wurde. Am 5. Juli hat in São Luís eine Gruppe einen mutmaßlichen Räuber an einen Pfosten gebunden und mit Schlägen und Messerstichen traktiert, bis er gestorben war.

Bei den Tötungen handelt es sich keineswegs um Einzelfälle. Nach einer Studie der Universität São Paulo sind zwischen 1980 und 2006 in Brasilien 1.179 Menschen der Lynchjustiz zum Opfer gefallen, 568 davon in São Paulo. Die Leiterin des Nationalen Sekretariats für öffentliche Sicherheit, Regina Miki, führt die Gewalt an vermeintlichen Gesetzesbrechern auf eine steigende „allgemeine Intoleranz“ in der Bevölkerung zurück. Sie führt zudem die langsame Justiz an, bei der bis zur Urteilsvollstreckung zehn und mehr Jahre vergehen können. Gleichzeitig werden ihrer Aussage nach in Brasilien so viele Menschen wie noch nie zuvor eingesperrt.

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