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Vom Wegehen, Auswandern, Rückkehren und Heimkommen

Datum: 28. Juni 2007
Uhrzeit: 13:54 Uhr
Ressorts: Magazin Inside
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Immer wieder wird über das Auwandern, das Scheitern und die Rückkehr ins „Heimatland“ diskutiert. Auch ich habe mir mal meine Gedanken dazu gemacht:

Es gehört meines Erachtens mehr Mut dazu, seine Heimat zu verlassen als dorthin zurückzukehren. Manche gehen für ein paar Monate oder Jahre weg, andere wollen das prinzipiell für immer.

Manche machen es aus Liebe, andere aus Abenteuerlust, wieder andere aus beruflichen Chancen oder weil sie vor dem Gesetz das Weite suchen.

Woanders ist es zuerst immer „anders“. Doch nicht immer entpuppt sich der Alltag so, wie man es sich gedacht hat. Selbst nach vielen Urlaubsjahren kann man so manche Überraschung erleben. Aber eines macht man mit Sicherheit: Erfahrung.

Wohl sollte man sich da fühlen, wo man lebt. Wo das ist, ist egal. Und man hat schliesslich – genauso wie als Baby laufen gelernt hat – mehrere Versuche. Nichts ist endgültig. Auch die „Rückkehr“ ist nicht ausgeschlossen. Denn man hat es niemals „geschafft“.

Der Terminus „geschafft haben“ klingt für mich sehr leistungsbezogen. Wie nach einer Prüfung. Dann habe ich so manche Oper in meinem Leben „nicht geschafft“, denn da bin ich in der Pause abgehauen. Oder so manche Karriere, denn bevor ich so richtig aufgestiegen bin, habe ich gekündigt.

Was ich aber immer „geschafft habe“ – ich war dort wo es mir gefallen hat. Ich habe meiner Heimatstadt den Rücken gekehrt und habe 2 Jahre in einem anderen Teil Deutschlands gewohnt. Und bin irgendwann wieder zurück. Habe ich nun in Berlin „versagt“, es nicht „geschafft“? Und in welchem Zusammenhang? Finanziell, Lebensqualität, Freundschaft?

Wenn ich die Wahl habe, noch frei zu entscheiden, was ich machen will und wohin ich gehen will, dann liege ich ganz vorne. Für mich hat ein „Rückkehrer“ nicht versagt, er hat hoffentlich das getan, was er wollte.

Wenn man an einem anderen Ort ist, vermisst man auch manchmal das vorherige. Oder man überlegt, was dort vielleicht besser wäre. Daran ist nichts falsch. Und man darf „heimkehren“ – denn man sollte immer nur dort sein, wo man glücklich ist.

Ich in meinem Fall habe immer Angst, mich irgendwo niederzulassen. Ein Haus zu kaufen. Es engt mich ein. Ich habe Angst um die Flexibilität. Glücklicherweise fehlt mir immer auch das Geld, eines zu kaufen, daher schiebe ich die Entscheidung vor mir her. Wenn ich morgen in den Nordosten gehen will, dann gehe ich. Wenn ich mit meiner Familie nach Deutschland will, dann gehe ich. Wenn ich hierbleiben will, dann bleibe ich hier.

Es ist Freiheit. Und diese macht mir das natürlich viel leichter. Ich entscheide. Und durch diese „freie Willensäusserung“ wird man auch nie zum „Versager“. Und nur weil sich Träume und Vorstellungen nicht realisieren liessen, ist man nicht „gescheitert“. Man hat Erfahrung gesammelt. Denn das Leben ist wie das Meer – immer in Bewegung. Die Zeiten, wo man auf dem Stück Erde, wo man geboren wurde, auch sterben muss, sind vorbei.

Und in meinem Fall bin ich glücklicherweise derzeit auch immer „zuhause“. Denn meine Familie ist um mich herum. Mehr als Frau und Tochter brauche ich nicht zum glücklichsein. Egal wie oder wo auf der grossen weiten Welt. Denn wenn ich sie in die Arme schliesse, bin ich mal wieder „zuhause“ angekommen.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    rallep

    kluge worte ..da faellt mir nichts ein, ausser, dies: in mich aufzunehmen, nachzudenken und die worte wirken lassen….respekt und danke

  2. 2
    gerd

    Hallo Dietmar!

    Da gebe ich Dir Recht – man sollte immer dort leben, wo man auch gluecklich ist. Nur wann ist man gluecklich? Ich denke dieses Wort in so dermassen variabel, dass es gar nicht zu fixieren ist. Fuer mich spielen auch eher kurze Momente; bezogen auf Gluecklichkeit, eine Rolle. Das schoenste Glueck dieser Welt sind fuer mich derzeit, meine Frau und meine beiden Kinder – da ist es wirklich ganz egal, wo wir uns auf dieser Erde befinden. Ich glaube alle anderen Faktoren, kann man besser mit den Worten Zufriedenheit oder Unzufriedenheit betiteln. Manchmal bin ich in Brasilen sehr unzufrieden und dann wieder sehr zufrieden – es kommt halt auch immer darauf an, wie man selbst sein Empfinden positiv oder negativ „bereichert“.

    Liebe Gruesse aus Guarapari (Brasilien)

    Gerd und Familie