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Brasilien empört über Berichterstattung in Europa nach Nazi-Folter

Datum: 12. Februar 2009
Uhrzeit: 22:07 Uhr
Ressorts: Kultur & Medien
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Brasilien ist mittlerweile nicht nur schockiert über die grausame Folterung der 26-jährigen Paula Oliveira durch drei Neonazis am vergangenen Montag in der Nähe von Zürich, nun macht sich auch noch Empörung über die Berichterstattung in den europäischen Medien breit. Nach der ohnehin schon mangelhaften Informationspolitik der Schweizer Behörden, die man sehr wohl als „Vertuschung des Vorfalls“ interpretieren könnte, sind sich europäische Journalisten nicht zu schade, das Opfer zwischen den Zeilen zum Täter zu stilisieren. Auch Übertreibungen in Bezug auf die brasilianische Berichterstattung impliziert auf der anderen Seite die gewünschte Bedeutungslosigkeit des Vorfalls.

Nachfolgend einige Zitate aus den Nachrichtenredaktion:

Brasilien ist entsetzt über „Neonazi-Angriff“

Das brasilianische Fernsehen «RedeGlobo» scheut keinen Aufwand, um die Neonazi-Attacke auf die schwangere Frau darzustellen. [..] Das Fernsehen stellt den Angriff in einer aufwendigen Computersimulation nach und lässt auch die Familie des Opfers zu Wort kommen. Die Grossmutter erklärt unter Tränen: «Sie ist der ganze Stolz unserer Familie! Sie hat immer hart studiert und gearbeitet, und sie freute sich so sehr auf die Zwillinge. Wir alle stehen unter Schock.» [..]

http://www.20min.ch/news/zuerich/story/26028427

Brasilien zitiert Schweizer Botschaftsmitarbeiter

[..] Auslöser der politischen Verstimmungen ist eine mysteriöse Verletzung einer Brasilianerin, die in der Schweiz wohnt. Die junge Frau hat am Montagabend beim Bahnhof Zürich-Stettbach Schnittverletzungen erlitten. Wie sie zu diesen Verletzungen gekommen ist, ist unklar. Die 26-Jährige gab an, dass sie von drei Unbekannten aus dem rechten Milieu überfallen wurde. [..]

http://tagesschau.sf.tv/nachrichten/archiv/2009/02/12/schweiz/brasilien_zitiert_schweizer_botschaftsmitarbeiter

Verletzte Brasilianerin gibt Polizei Rätsel auf

Sie wurde mit Schnittverletzungen in der Nähe eines Zürcher Bahnhofs gefunden: Eine 26-Jährige gibt der schweizerischen Polizei Rätsel auf. Brasilianische Medien suggerieren, Paula Oliveira sei Opfer eines Nazi-Überfalls geworden – die Ermittler schließen nicht aus, dass sie sich selbst verletzte.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,607308,00.html

KOMMENTAR

paula-oliveira1

Hat sich diese Frau selbst verletzt um der SVP zu schaden? (Foto: persönlicher Facebook-Account)

Verständlich, dass Brasilien empört reagiert. Die Berichterstattung sei überzogen, das Opfer nicht vertrauenswürdig, lüge womöglich – dies suggerieren Medien und Menschen im fernen Europa. Selbst nachdem die Fotos der grausamen Tat im Internet erschienen, wurden die Verletzungen noch angezweifelt. Erst als ein Polizeisprecher bestätigte, dass die Verletzungen auf den Fotos mit denen bei der Beweisaufnahme gesichteten übereinstimmen, verstummten dieser Teil der Diskussionen.

In Brasilien herrscht hingegen kein Zweifel an der Aussage der 26-jährigen Juristin aus angesehener brasilianischer Familie. Eine Tat kann man nicht ungeschehen machen, man kann sie aber mit aller Dringlichkeit aufklären und die Täter bestrafen. Aber dies scheint aus brasilianischer Sicht gar nicht der Wille der Polizeibehörden in Zürich zu sein.

Wie sonst kann man es erklären, dass erst vier Tage nach der Tat begonnen wird, nach möglichen Zeugen zu suchen? Warum wird das Opfer, welches vermutlich ein Leben lang physisch und psyschisch gezeichnet sein wird, in die Täterrolle gedrängt wird? Vielleicht weil es nur eine Brasilianerin ist? Oder weil die Schweiz die Augen verschliesst vor dem real existierenden Rechtsextremismus im Land?

Niemand in Brasilien behauptet, dass offene Fremdenfeindlichkeit die Regel in der Eidgenossenschaft ist. Für die brasilianische Bevölkerung steht ebenfalls fest, dass hier ein perverser Einzelfall vorliegt. Was auf Unverständnis stösst und was letztenendes sogar den Aussenminister veranlasst hat, persönlich um schnelle und transparente Aufklärung zu bitten, ist die Trägheit der Ermittlungen.

Diese Passivität und vor allem die beschämende Berichterstattung hat man von einem Land wie der Schweiz wahrlich nicht erwartet. Und es wird der Eidgenossenschaft vermutlich mehr schaden als die grausame Tat einiger Einzelner an sich. Nur soweit denkt man dort anscheinend niemand …

Alle Artikel zum Thema in einem grossen Special:

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