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Sex-Armbänder in Brasilien: kleiner Preis, grosse Gefahr?

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Datum: 09. Mai 2010
Uhrzeit: 15:08 Uhr
Ressorts: Kultur & Medien
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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Es sind dünne Armbänder aus Silikon in den unterschiedlichsten Farben und der derzeitige Trend einer ganzen Generation von Jugendlichen in Brasilien: die Sex-Armbänder. Jede Farbe steht für eine andere „erotische Praktik“ und kann dadurch die Trägerinnen in grosse Gefahr bringen, welche den extrem geringen Anschaffungspreis blitzschnell relativieren könnte. Denn wer ein solches Band trägt bzw. sich abnehmen lässt, muss die entsprechenden Bedingungen (siehe unten) erfüllen. Das kann eine harmlose Umarmung oder ein Kuss sein, aber auch gegenseitiger Oralsex, vaginale Penetration oder brutaler Analsex ohne Gleitmittel stehen im selbst entwickelten Reglement des adoleszenten Modetrends, der Eltern und Lehrer zunehmend mit Schrecken erfüllt.

Gerade einmal 20 Eurocent kostet ein solches „Pulseira de sexo“ in Brasilien und wird massenhaft im ganzen Land verkauft. Die Politik hat inzwischen reagiert und verbietet das Tragen schon lange an öffentlichen Schulen, nun soll auch der Vetrieb untersagt werden. Ein Modetrend erlebt im Namen des Jugendschutzes Zensur. Ob dieses harte Vorgehen angemessen ist, darüber wird im grössten Land Südamerikas derzeit gestritten. Liegt es nicht in der Verantwortung der Trägerinnen, welche Bänder man sich über das Handgelenk streift? Und darf es von anderen dann einfach nach Lust und Laune interpretiert werden, ohne z.B. das jeweilige Mädchen dagegen Einspruch erheben kann oder auf die „Einlösung“ verzichtet?

Ein schwarzes Silikonarmband ist z.B. die Aufforderung zum Geschlechtsverkehr. Eine 13-jährige wurde deswegen nach Berichten der örtlichen Polizei von Londrina in Paraná im März an einer Bushaltestelle vergewaltigt, zwei Jugendliche machten aus dem eigentlich harmlosen Spiel brutalen Ernst. Die Entschuldigung der minderjährigen Sexualstraftäter war banal wie einfach: das Mädchen habe ja das entsprechende Sex-Armband getragen. Dass sie sich wehrte, gehörte dabei anscheinend zum perversen Ritual der Demütigung.

Doch die Angst vor einer Zunahme an sexuellen Belästigungen bei Kindern und Jugendlichen ist vermutlich nur die halbe Wahrheit. Vielmehr scheinen die Verantwortlichen die Befürchtung zu hegen, die jungen Trägerinnen könnten ihre „Versprechen“ tatsächlich allzu bereitwillig einlösen und vielleicht sogar noch „Spass“ dabei haben. Die Jugendämter kritisieren schon seit langem die Zunahme von Schwangerschaften bei augenscheinlich vorpubertären Teenagern, teilweise erst 11 oder 12 Jahre alt. Diese wurden keinesfalls immer von Erwachsenen missbraucht, vielmehr sind sie „Opfer“ ihrer eigenen sexuellen Entdeckungsreise und hatten in den seltensten Fällen Kenntnis von Verhütungsmethoden. Langeweile, reine Neugier oder der Reiz des Spiels, ältere Generationen mögen sich dabei an das Flaschendrehen im Zeltlager erinnern, soll dabei immer häufiger der Auslöser der nicht altersgemässen sexuellen Handlungen sein.

Die teilweise 10- oder 12-jährigen Mädchen scheinen in Brasilien also nicht wirklich zu wissen, was sie da tun. Das Farbenspiel ist modisch, sieht gut aus und neckt natürlich auch die Jungs. Die Provokation ist vorbestimmt, das Ergebnis unter Umständen fatal. Doch der Trend solcher Armbänder ist nicht neu. Bereits in den Neunziger Jahren waren die Sex-Armbänder in England populär, nun schwappte die Welle nach Lateinamerika und greift gierig in einer extrem sexualisierten Gesellschaft um sich. „Täter“ und „Opfer“ sind gleichermassen Kinder und Jugendliche und dies macht es so schwer, dem Ganzen Einhalt zu gebieten. Hier wäre nach Meinung von Experten jedoch eher Aufklärung in Schule und Elternhaus notwendig und weniger das Verkaufsverbot eines harmlosen Produktes. Denn die Silikonringe könnten schon schnell von der Farbe des Lippenstiftes oder einem irgendwie gearteten Ohrring abgelöst werden.

Die Bedeutung der farbigen Sex-Armbänder in Brasilien im Überblick
  • Gelb – Umarmung
  • Orange – zärtlicher Biss in den Hals
  • Violett – Zungenkuss
  • Grün – Knutschfleck am Hals
  • Rosa – Busen zeigen
  • Rot – erotischer Tanz, Lap dance
  • Blau – Mädchen macht Oralsex, Blow-Job
  • Hell-Rosa – Junge macht Oralsex
  • Weiss – Das Mädchen entscheidet
  • Schwarz – normaler, vaginaler Sex
  • Gold – alles zuvor aufgeführte
  • Gestreift – gegenseitiger Oralsex, 69er-Stellung
  • Rotbraun – Analsex ohne Gleitmittel
  • Transparent – Sex mit Blutsverwandten, Inzest
  • Braun – Fäkalsex

Foto: Divulgação

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  1. Wir haben auf unserer Website eine weitergehende Dokumentation zu diesen Wristbands verfasst. Generell ist es nicht provokant wenn jemand ein solches Wristband trägt. Eher modisches Acessoire 😉