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Grosses Kino: Francisco und seine Söhne

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Datum: 08. Oktober 2005
Uhrzeit: 02:05 Uhr
Ressorts: Kultur & Medien
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Dietmar Lang
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Es ist fast ein Märchen. Oder die berühmte Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär. Es ist ein musikalischer Traum. Und er passierte hier in Brasilien. Die Protagonisten sind zwei Jungs, die beiden Söhne vom Franziskus!

Wovon ich spreche? Von dem Kinofilm Brasiliens 2005. Nominiert für den Oscar „Bester ausländischer Film“. Ein Film über Leid, Armut, Hoffnung, Trauer und Erfolg. Und über den populären Musikstil Sertaneja, durch den zwei ehemals bettelarme Kinder zu nationalen Superstars werden.

2 Filhos de Francisco!

„2 Filhos de Francisco“ heisst der Streifen im Original – „die 2 Söhne vom Franziskus“! Es ist ein Film wie ein Bilderbuch. Authentisch und ungeschönt. Ok, am Ende wird natürlich so auf die Tränendrüse gedrückt, dass kein Auge trocken bleibt. Dann muss man sich mindestens gleich noch den Soundtrack kaufen!

Der Titelsong „Como Vai Você“, im Original von Roberto Carlos steht natürlich seit Wochen auf Nr. 1 der brasilianischen Charts. Und die Brasilianer, die immer ein Licht am Ende des Tunnels sehen, egal wie Dunkel es sein mag, können sich mit diesem Musik-Drama voll identifizieren, zumal es entgegen der heissgeliebten Telenovelas auch noch tatsächlich passiert ist. Eine wahre Geschichte. Und das Volk hört zu und schaut hin. Daher auch der Slogon auf dem Filmplakat: „Este Filme vai tocar você“ – „Dieser Film wird dich berühren“.

Mir hat dieser Film gefallen. Auch ich musste am Ende verstohlen blinzeln. Das schlimme daran ist nur, dass dieser Film anregt. Zum Nachmachen. Man hat ja gesehen, dass es funktionieren kann. Dies gibt all denen Hoffnung, die als Nachwuchs, manchmal erst 4 Jahre alt, durch unzählige Fernsehshows von „Faustão“, „Domingo legal“ bis „Raul Gil“ geschleift werden, ein bekanntes Liedchen trällern und dann wieder verschwinden. Sie alle hoffen auf Geld und Ruhm. Und es werden immer mehr. Und sie werden immer schlechter. Doch sie geben die Hoffnung nie auf. Warum auch?

Wenn man in diesem Film die Geschichte von Luciano sieht, der keine Gitarre spielen und erst recht nicht singen kann, und trotzdem zu seinem grossen Bruder fährt, um mit ihm gemeinsam 1 Million Schallplatten verkaufen zu wollen, warum soll ich es dann nicht auch können? Und wenn ich wie in diesem Film einen Vater habe, der seinen ganzen Lohn sich in Münzen auszahlen lässt, damit er und seine Arbeitskollegen von einem Münztelefon den Radiosender, wo genau derselbe Vater ein Demoband abgeliefert hat, so oft anrufen können, bis dieser, also der Sender endlich „auf vielfachen Hörerwunsch“ die Musik seines Sohnes spielt – warum nicht? Und wenn das den Grundstein des Erfolges bis zum heutigen Tag darstellt? Was ist daran verkehrt?

Wer da bei der Überblendung von der Freude im elterlichen Haus beim erstmaligen Spielen im Radio zu einer vollbesetzen Konzerthalle mit kreischenden Fans und weinenden Künstlern, die auf der Bühne ihre Eltern in den Arm nehmen, sich die Tränen verkneifen kann, muss gerade auf der Toilette gewesen sein.

Es ist kitschig, schnulzig, eben brasilianisch. Paixão – Leidenschaft!

Der besagte Song, der den Erfolg einleitete, heisst übrigens „E o amor“ und ist ebenfalls auf dem Soundtrack enthalten. Der Silberling kostet hier in Brasilien ca. 20 – 25 Real, umgerechnet ca. 7 – 9 Euro. Und trotzdem werden alle reich dabei – trotz 200% zusätzlicher Raubkopien. Komisch, nicht wahr? Aber dies nur am Rande als Kommentar zur europäischen Preispolitik der Musikindustrie.

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