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Regenwald-Schützer muss Millionenstrafe wegen illegaler Abholzung zahlen

Datum: 06. Juni 2008
Uhrzeit: 17:30 Uhr
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Autor: Dietmar Lang
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eliaschWieviel ist der Regenwald in Amazonien wert? Wer darf ihn besitzen? Und wieviel Einfluss dürfen Ausländer nehmen? Gerade in der laufenden Diskussion erhitzt nun ein Skandal die Gemüter. Millionär und bekennender Umweltschützer Johan Eliasch hat in Brasilien 160.000 Hektar Regenwald gekauft – und mindestens 230.000 Bäume illegal gefällt. Nun wurde er mit einer Millionenstrafe seitens der Umweltbehörden belegt. Und auch der brasilianische Geheimdienst ermittelt gegen den Gründer der Umweltorganisation Cool Earth.

Er liebt den Wald und die Bäume. Amazonien sei ihm zutiefst wichtig. Sagt er zumindest. Der Brite Johan Eliasch, Chef des Sportartikelherstellers Head, hat mittlerweile rund 160.000 Hektar Regenwald in Brasilien aufgekauft. Als Gründer der Umweltorganisation Cool Earth sammelt er sogar Spenden für den weiteren Erwerb von Flächen in der Region. Wenn es nach ihm ginge, könne man ganz Amazonien kaufen, für 50 Milliarden Dollar, wie er in einem Interview erklärte.

Dies war dann doch ein Satz zuviel. Der Regierung unter Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva sind Ausländer mit zuviel Grundbesitz in Amazonien sowieso bereits ein Dorn im Auge. Die Souveränität über den brasilianischen Regenwald liegt bei Brasilien, Eigentümer ist das brasilianische Volk erklärt das Staatsoberhaupt ein jedes Mal, wenn ausländische Regierungen über den Regenwald als Erbe der Menschheit oder ähnliches philosophieren.

160.000 Hektar – was macht ein Mann mit soviel Wald? Was hat er vor? Gleiches fragte sich auch die Politelite in Brasília und leitete Nachforschungen ein. Zuerst ermittelte der brasilianische Geheimdienst gegen ihn. Dann sollte er sich vor einem Senatsausschuss erklären. Und nun schlägt die Umweltbehörde Ibama zu. Der Multimillionär aus einer schwedischen Industriellenfamilie scheint es mit Genehmigungen nicht so genau zu nehmen – und mit dem Wald anscheinend auch nicht.

Denn heute bekam Eliasch eine Geldstrafe von umgerechnet 175 Millionen Euro aufgebrummt – wegen illegaler Abholzung und Kommerzialisierung von Regenwald. Wie die Umweltbehörde mitteilte, seien verschiedene Auflagen seitens einer der Firmen von Eliasch nicht erfüllt und Genehmigungen nicht erneuert worden. Insgesamt handelt es sich um 699.809 Kubikmeter Holz. Das sind rund 230.000 Bäume, die unrechtmässig gefällt wurden. Und das unter der Kontrolle eines Mannes, der einmal wortwörtlich gesagt hat: „Ich garantiere, dass dort kein Holz illegal abgebaut wird.“

Nun gerät auch Cool Earth in die Schlagzeilen. Denn der Kauf weiterer Flächen ist schon so gut wie abgeschlossen. Kommen die Gelder dafür von Spenden mit dem Zweck, den Regenwald zu erhalten? Zu undurchsichtig ist bislang die Struktur des ganzen Unternehmens aus Privatperson und Umweltschützer, Umweltorganisation, nachhaltiger Forstwirtschaft und verschiedener Holzfirmen. Über welche Mittelsmänner wurden Flächen akquiriert, Spuren führen bis in höchste Wirtschaftskreise von São Paulo. Der 46-jährige wird sich nun wohl gegenüber einigen Leuten ausführlich erklären müssen und auch die Mitglieder seiner Organisation werden vermutlich mehr als Lippenbekenntnisse erwarten.

Der Vorfall wird mit 100%iger Sicherheit die Gesetzeslage in Brasilien ändern und den Erwerb von Grundbesitz durch Ausländer weiter erschweren. Hat man zufällig einen idealen Sündenbock gefunden, um Massnahmen zur Erhaltung der vollständigen Souveränität des Amazonasbeckens zu untermauern? Oder hat es die Welt bei Eliasch und Cool Earth mit skrupellosen Geschäftemachern zu tun, die den amazonischen Regenwald als lukrative Einnahmequelle sehen? Wie dem auch sei, meiner Meinung nach sollte jedoch ein bekennender Regenwald-Schützer keinen florierenden, ständig expandierenden und augenscheinlich sogar illegalen Holzexport betreiben.

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