Jetzt Wintersonne buchen und zahlreiche Frühbuchervorteile nutzen (Gutscheine uvm.)

Brasilien: Jedes zweite Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt

parto_-_hobomama_cc

Datum: 26. Mai 2014
Uhrzeit: 18:40 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare

Nur noch jedes zweite Kind kommt in Brasilien auf natürlichem Weg zur Welt. Der Anteil der Kaiserschnitte beträgt mittlerweile 54 Prozent. Damit steht das südamerikanische Land weltweit an der Spitze. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO waren China und Brasilien im Jahr 2010 sogar für die Hälfte aller weltweit stattfindenden Kaiserschnitt-Geburten verantwortlich. Mütter, Frauenorganisationen und einige Politiker fordern indes die “humanisierte Geburt” zu fördern.

parto_-_hobomama_cc

Während die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass der Anteil der Kaiserschnitte nicht mehr als 15 Prozent beträgt, liegt die Rate in Brasilien vor allem in den privaten Krankenhäusern zum Teil bei über 80 Prozent. In der Stadt Niteroi kamen in den privaten Krankenhäusern sogar 95 Prozent aller Neugeborenen per Kaiserschnitt zur Welt. Allgemein betrug der Durchschnitt der Kaiserschnittgeburten in Brasilien 2011 etwa 54 Prozent.

Nicht immer sind es die Frauen, die sich für die Geburt per Operation entscheiden. Erst im April war im Süden Brasiliens eine junge Frau per Gerichtsbeschluss dazu gezwungen worden, gegen ihren Willen einen Kaiserschnitt vornehmen zu lassen. Die betreuende Ärztin hatte als Grund eine Steißgeburt angegeben. Der Fall sorgte für Aufregung. Frauenorganisationen vereinten sich daraufhin, um gegen die “Epidemie” der Kaiserschnitte vorzugehen und für das Recht auf einen natürlichen Geburtsvorgang zu kämpfen. Sie erwirkten eine öffentliche Anhörung im brasilianischen Abgeordnetenhaus.

Kritisiert wird die hohe Zahl der Kaiserschnitte auch im Zusammenhang mit der Müttersterblichkeit. In den vergangenen Jahren gab es bei dieser in Brasilien nur wenig Fortschritte. 1990 starben pro 100.000 Neugeborener 142 Mütter bei oder kurz nach der Geburt, 2011 waren es 64. Seitdem hat sich allerdings nicht mehr viel geändert. Ziel war es im Millennium-Kompromiss mit der UNO jedoch, die Müttersterblichkeit bis 2015 auf 35 pro 100.000 Neugeborene zu reduzieren. Experten verweisen darauf, dass dabei auch der hohe Anteil der Kaiserschnitte eine Rolle spielt, da das Risiko der Mütter und Babys, an einer Infektion zu erkranken erhöht sei.

Frauenorganisationen sprechen von einem Machtkampf der Mediziner, die zudem für eine schnellere Kaiserschnittgeburt eine höhere Entlohnung erhalten, als für eine natürliche Geburt, die etliche Stunden in Anspruch nehmen kann. Ein anderes Problem sind fehlende Fachkräfte wie spezialisierte Krankenschwestern oder Hebammen, die den Geburtsvorgang begleiten. Immerhin gibt es mittlerweile ein Programm zur “Humanisierung” der Geburten.

P.S.: Werden Sie jetzt Fan vom brasilien Magazin auf Facebook! Oder folgen Sie uns einfach auf Twitter!

© 2005 - 2017 brasilien Magazin. Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Verbreitung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung von IAP gestattet. Namentlich gekennzeichnete Artikel und Leser- berichte geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für Einsendungen und Rückmeldungen bitte das Kontaktformular verwenden. Bildnachweis: EBC/ABr

Dies könnte Sie auch interessieren

Kommentarbereich

Hinweis: Dieser Kommentarbereich ist moderiert. Leser haben hier die Möglichkeit, Ihre Meinung zum entsprechenden Artikel abzugeben. Dieser Bereich ist nicht dafür gedacht, andere Personen zu beschimpfen oder zu beleidigen, seiner Wut Ausdruck zu verleihen oder ausschliesslich Links zu Videos, Sozialen Netzwerken und anderen Nachrichtenquellen zu posten. In solchen Fällen behalten wir uns das Recht vor, den Kommentar zu moderieren, zu löschen oder ggf. erst gar nicht zu veröffentlichen.

Für diese News wurde noch kein Kommentar abgegeben!