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Drama nach Erdrutsch in Rio de Janeiro: mehr als 200 Tote befürchtet

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Datum: 08. April 2010
Uhrzeit: 13:09 Uhr
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Autor: Dietmar Lang
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Nach einem neuerlichen Erdrutsch in Niteroí nahe Rio de Janeiro in Brasilien werden mehr als 200 weitere Todesopfer befürchtet. Am Morro do Bambu rutschte am Mittwochabend ein Hügel herab, Schlamm und Geröll begruben binnen Sekunden rund 50 Häuser unter sich. Darunter war nach jüngsten Angaben auch eine Krippe, in der sich rund 20 Kinder aufgehalten haben sollen. Grosse Hoffnung noch Überlebende zu finden besteht laut den Rettungskräften nicht. Nur wenige Anwohner konnten kurz nach dem Vorfall lebend aus den Schlammmassen geborgen werden. „Nach unserer Erfahrung ist man sofort tot. Es kam eine grosse Menge an Erde, Steinen und Müll herunter“ erklärte Coronel Pedro Machado vom Zivilschutz am Donnerstagmorgen.

Die Rettungsarbeiten gestalten sich derweil als äusserst schwierig. Nicht nur den Rettungskräften droht Gefahr durch neue Erdrutsche, auch mögliche Überlebende könnten endgültig in dem Morast aus Erde, Geröll und Müll verschwinden. An dem Steilhang befand sich vor gut 30 Jahren eine Müllkippe, der Untergrund wird von Experten als „extrem lose“ bezeichnet. Nach den immensen Regenfälle der vergangenen Tage ist der Boden völlig aufgeweicht und droht zudem weiter abzurutschen. Die Häuser dort wurden im Laufe der Jahre illegal errichtet, von den Behörden jedoch stets geduldet.

Nach und nach werden nun die Opfer der Katastrophe geborgen. Brasilianische TV-Sender berichten bereits den ganzen Tag live vom Unglücksort. Bilder zeigen Bagger und LKWs, die Schutt und Unrat wegfahren, dazwischen immer wieder Helfer, die unter grössten Anstrengungen und teilweise mit blossen Händen leblose Körper aus dem meterhohen Schlamm befreien. Die Arbeiten werden vermutlich noch Tage andauern.

Auch Anwohner und Angehörige hatten die ganz Nacht über versucht, die Rettungsarbeiten zu unterstützen. Viele harren zudem am Ort des Geschehens aus und warten auf Nachrichten über Freunde und Verwandte. Andrea Rodrigues dos Santos hat bei dem Unglück vermutlich grosse Teile ihrer Familie verloren. Mehr als 20 Personen, darunter Onkel, Tante, Cousinen, Nichten und Neffen wohnten in acht Häusern verteilt am Morro do Bumba. Jetzt ist dort nur ein Berg aus Schlamm, Schutt und Geröll anzutreffen. Sie und andere verzweifelte Menschen werden mittlerweile psychologisch betreut.

3.000 Menschen sind in Niteroí nach den letzten Unwettern inzwischen obdachlos, im ganzen Bundesstaat Rio de Janeiro sind es 17.000. Neben den 163 Todesopfern der letzten Tage, davon fast 90 alleine in Niteroí, sind auch Hunderte von Verletzten zu beklagen, der Sachschaden ist noch nicht zu überschauen. Die Regierung hat am späten Vormittag erste Hilfsgelder in Höhe von 200 Millionen Reais (ca. 83 Mio. Euro) bereitgestellt. Der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes hatte gemeinsam mit Gouverneur Sergio Cabral in einer ersten Stellungnahme die Schäden mit 370 Millionen Reais (ca. 154 Mio. Euro) angegeben.

Niteroí liegt auf der anderen Seite der Guanabara-Bucht und ist mit Rio de Janeiro über eine 5 Kilometer lange Brücke verbunden. In der 1573 gegründeten Stadt leben rund 500.000 Menschen. Der Name „Niteroí“ stammt aus der Sprache der tupí-guaraní Indianer und bedeutet „verstecktes Wasser“.

Foto: AE/ABr/Divulgação

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